Schneiderinnung
Die Schneiderinnung ließ ihre älteste Innungsordnung 1420 in das 1404 begonnene Dresdner Stadtbuch, ist aber sicherlich noch um einige Jahre älter. Eine weitere Ordnung ließ sie am 9. September 1462 in das Stadtbuch eintragen.
Die Altendresdner Schneiderinnung muß am 12. April 1475 schon länger bestanden haben, aber ihre ersten Ordnungen sind verlorengegangen. Die erste aufgefundene Ordnung wurde am 22. Dezember 1481 kurfürstlich konfirmiert.
Die erste Ordnung der vereinigten Neu- und Altdresdner Schneiderzünfte, die kurz vor 1554 aufgestellt wurde, ist ebenfalls verloren gegangen. Es hat sich erst eine spätere Ordnung vom 16. April 1569 erhalten. Kurfürstlich Konfirmierungen dieser Artikel gab es im 17. Jahrhundert bis zum 1. Juli 1661.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Anfänge vor 1420
- "[35] In gleicher Zeit, wie die älteste Schuhmacherordnung, ist auch die älteste Schneiderordnung in demselben Stadtbuch eingetragen worden. Sie wird ebenfalls unter dem Jahre 1420 citiert, kann aber eben so gut älter, also schon vor 1407, wo die erste Spur der Schneiderinnung sich zeigte, aufgestellt und ihre Eintragung durch irgend einen besonderen Vorgang veranlaßt worden sein, wie das bereits bei der alten Schuhmacherordnung als möglich bezeichnet wurde. Da sie noch etwas dürftiger als diese ist, wird man sie mit noch größerer Berechtigung für die erste Ordnung halten können. Für die Neudresdner Schneiderinnung liegt dann noch eine Ordnung aus dem 15. Jahrhundert vor, die am 9. September 1462 ins Stadtbuch eingetragen wurde. Wie jene alte Schuhmacherordnung, so tragen auch diese beiden Schneiderordnungen keine Konfirmation, wurden aber ebenfalls durch die Eintragung ins Stadtbuch von dem Rat anerkannt."[1]
[Bearbeiten] Altendresdner Schneiderinnung vor 1475
- "Da die Altdresdner Schneiderinnung am 12. April 1475 die Bruderschaft der 14 Nothelfer gründete, so muß ihr Ursprung weit vor dem Jahr der ersten aufgefundenen Ordnung liegen, die am 22. Dezember 1481 von Ernst und Albrecht konfirmiert wurde."[2]
[Bearbeiten] Vereinigte Neu- und Altdresdner Schneiderzünfte vor 1554
- "Die erste Ordnung, welche die vereinigten Neu- und Altdresdner Schneiderzünfte kurz vor 1554 aufstellten, hat sich nicht gefunden. Spätere Ordnungen wurden am 16. April 1569 und am 29. September 1606 vom Rat, der am 4. Februar 1653 noch einen Zusatz über Kleidung und Waffentragen der Gesellen gab, und am 10. August 1707 von Friedrich August konfirmiert. Daneben bestanden noch kurze Landordnungen, auf welche die bisher genannten [36] Dresdner Innungen niemals Bezug nehmen. Ohne tiefergehende Änderung sind diese Artikel vom Kurfürsten August am 28. Oktober 1558, von Christian I. am 9. November 1587, von Christian II. am 28. Juni 1602, von Johann Georg I. am 1. Mai 1602 und von Johann Georg II. am 1. Juli 1661 konfirmiert worden."[3]
[Bearbeiten] Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797
Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797
- Schneiderinnung
Deputirte: Herr Senator, Johann Gottlieb Raabe.
- [Hr.] Stadtrichter, Karl Christian Fehre
Aelteste: Mstr. Christian Ehrenfried Grützner
- [Mstr.] Christian Bochmann
- [Mstr.] Johann Gottfried Richter
- [Mstr.] Friedrich Pusch
- Meister sind 456.
- Die Herberge ist in der Webergasse Nr. 136.[4]
- Webergasse.
- Nr. 136.
Hr. Joh. Gottlieb Bormann, Schneidermeister
[Hr.] Johann Christoph Köhler, Schneidermeister und
(Dieses Haus besitzt die Schneiderinnung und hat die
[Bearbeiten] Schneider(innen)
- Bei dem Dresdner Schneidermeister Johann Georg Kühne fanden seit Ende 1740 bis zum amtlichen Verbot am 28. August 1744 die Versammlungen der Herrnhuter Brüdergemeine Dresden statt.
- Bei dem Schneidermeister Johann Gottlieb Kaulfuß (auch Käulfuß; * vor 1710; † 1760 in Dresden) traf sich die Herrnhuter Brüdergemeine Dresden ab 1745 oder 1746 bis 1760.
- Juli 1794: Aufstand der Dresdner Schneidergesellen, ausgelöst durch die Verhaftung von Erasmus Schmidt[7][8][9]
- "Es begann damit, daß etwa 300 Schneidergesellen die Arbeit niederlegten aus Protest gegen ihre Rechtlosigkeit und soziale Notlage. Da uns kein Advokat dienen will ... Anlass dazu war ein Streit zwischen dem Schneidermeister Wismann und einem seiner Gesellen namens Erasmus Schmidt, der zu den Deputierten der Gesellenbrüderschaft gehörte und von Wismann verhindert wurde, an einer Deputiertenversammlung teilzunehmen. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel. Schließlich warf der Meister den Gesellen zur Werktür hinaus. Schmidt beschwerte sich darüber beim Stadtrat, der ihn dafür zwei Tage in Arrest setzte. In einer Genugtuungsforderung der Gesellen an den Kurfürsten heißt es: 'Unser Vortrag ist die Sprache unseres Herzens, und da uns kein Advokat dienen will, so haben wir selbst die Feder ergriffen, um dem Rat Verantwortung abzufordern ...' Daraufhin legten alle Schneidergesellen die Arbeit nieder und erklärten, daß sie solange die Arbeit nicht wieder aufnehmen würden, bis ihnen Genugtuung geschehen sei. Der Stadtrat und die Regierungsbehörde aber antworteten mit Gewalt. Das Militär besetzte die Schneiderherberge, in der sich die Streikenden versammelt hatten, und gingen nach nochmaligen einmütigen Protest der Gesellen zu Verhaftungen über. In dunkler Nacht wurden annähernd 300 Schneidergesellen, in kleine Trupps aufgeteilt, nach dem 'Gewandhaus' und der 'Fronfeste' in Arrest gebracht. Eine geschlossene Streikfront entstand Doch da geschah etwas, woran die reaktionären Gewalthaber nicht gedacht hatten: etwa 4.000 Gesellen der übrigen Handwerke erklärten sich mit den Verhafteten solidarisch und stellten die Arbeit ein. Die Maurer und Schmiede, Schlosser und Zimmerleute, Schuster und Sattler, Tapezierer und Perückenmacher streikten. Da sich auch die Bäcker-, Fleischer- und Brauergesellen dem Streik anschlossen, mußten Lebensmittel vom Dorfe hereingeholt werden. Die ganze Stadt war wie aus dem Häuschen. Vor allem die Gefängnisse, in denen sich die Schneider befanden, waren von einer erregten Menschenmenge umgeben, die durch Rufen und heimliches Zuführen von Nahrung und Getränken eindeutig für die Gesellen Partei ergriff. Die 'Fronfeste' wurde sogar erbrochen und die Wache überrumpelt. Die in Furcht und Schrecken versetzten Behörden sahen sich nach Militärverstärkung um. Und da kamen sie auch schon auf dem Altmarkt und auf anderen Plätzen an, in voller Kriegsbereitschaft, mit Kavallerie und Kanonen ausgerüstet. Bei der Schuster-, Schmiede- und Maurerherberge kam es zu blutigen Zusammenstößen. Wilde Gerüchte von einem allgemeinen Volksaufstand in anderen Städten gingen um. Dresden würde bald in Flammen aufgehen usw. Inzwischen waltete die reaktionäre feudale Justiz ihres Amtes. Einzeln verhörten die Richter die Gefängnisinsassen. Einem jeden Gesellen hielte sie vor, daß er den Bürgerrechts- und Meisterrechtsanspruch auf immer verlieren würde und auf Jahre ins Gefängnis käme, wenn er nicht in Kürze sich zu seiner Arbeit zurückbegebe. So voneinander getrennt, eingeschüchtert und bedroht, wurden die meisten unsicher. Nach ungefähr fünftägigem Streik fanden sich viele Gesellen wieder bei ihren Meistern ein. Einige aber weigerten sich und forderten eine erneute ordentliche Rechtsprechung. Doch sie wurden abgeurteilt und mußten ihre Kampfentschlossenheit für ihre gerechte Sache mit schweren Zuchthausstrafen büßen. Der Feudalismus hatte abgewirtschaftet Trotz des Sieges der reaktionären Machthaber, der nur durch blutige Unterdrückung und durch die Isoliertheit des Kampfes der Unterdrückten möglich war, hinterließ der Dresdner Gesellenstreik einen gewaltigen Eindruck. Die Gesellen aller städtischen Handwerke hatten in einer bis dahin in Sachsen nicht vorgekommenen Solidaritätsaktion ihre Interessen gegenüber einer scheinbar übermächtigen reaktionären Staatsgewalt vertreten. Während bis zu diesem Zeitpunkt die Gesellenunruhen in Dresden einen begrenzten zünftlerischen Charakter trugen, geschah es hier zum ersten Mal, daß die Gesellen ihre engen Zunftinteressen überwanden, sich ihrer gemeinsamen Ausbeutung und Unterdrückung bewußt wurden und geschlossen kämpften. Blitzartig beleuchteten die Dresdner Geschehnisse die soziale Lage der Handwerksgesellen in dieser Zeit. Das feudale Zunftwirtschaftssystem war morsch und krachte in allen Fugen. Die von staatlicher Seite vorgeschriebene Zunftordnung ließ eine freie Entwicklung des Handels nicht zu. Der Markt konnte nicht mehr befriedigt werden. Die hohen Abgaben der Zünfte an den feudalen Staat versuchten die Meister dadurch auszugleichen, daß sie die Gesellen ausbeuteten und sie durch alle möglichen Schikanen daran hinderten, Meister zu werden." Alfred Opitz: Sie erhoben sich wie ein Mann. Mächtiger Streik der Dresdner Handwerksgesellen im Jahre 1794, in: "Sächsische Zeitung" vom 10. Dezember 1953.
- Der Schneidermeister Christian Bochmann war 1797 Innungsältester der Schneiderinnung.
- Der Schneidermeister Christian Ehrenfried Grützner war 1797 Innungsältester der Schneiderinnung.
- Der Schneidermeister Friedrich Pusch war 1797 Innungsältester der Schneiderinnung. Im Jahr 1810 war Friedrich Pusch Ober-Ältester der Innung.
- Der Schneidermeister Johann Gottfried Richter war 1797 Innungsältester der Schneiderinnung.
- Gustav Adolf Müller (* 7. Juni 1818 in Hartmannsdorf bei Schneeberg[10]; † 24. April 1884) war ein Schneidermeister und Modeschöpfer. Gemeinsam mit Heinrich Klemm war er ab 1851 Direktor der Europäischen Modenakademie, nachdem beide 1850 zunächst die Deutsche Bekleidungs-Akademie gegründet hatten.
- Johann Heinrich Gottlieb Klemm (* 19. September 1819 in Altfranken; † 28. November 1886 in Dresden) war Verleger, Modeschöpfer und Buchsammler.[11] - Herausgeber von: Geschichte der altehrwürdigen und wohlangesehenen Dresdner Schneider-Innung von ihren ersten Spuren bis auf die Neuzeit. Eine Denkschrift zur Feier des vierhundertjährigen Jubiläums der Bestätigung des ältesten Innungs-Statuts. H. Klemm's Verlag & artistische Anstalt, Dresden 1881. (Digitalisat, SLUB)
- Louise Beyer - (26. April 1896 Dresden - Dezember 1980 Dresden) - im 1. Weltkrieg Näherin - als Witwe 1936 Schneiderin und Meisterin in der Handwerksrolle - muss "entnazifiziert" werden und eine neue Meisterprüfung ablegen (31. März 1949 als Wäscheschneiderin in die Handwerksrolle eingetragen) - am 31. Mai 1958 gibt sie ihre Selbständigkeit auf (1956 Rentnerin) - Näherin in der Kinderkrippe Niederwaldstraße in Striesen
[Bearbeiten] Literatur
- Johann Heinrich Gottlieb Klemm: Geschichte der altehrwürdigen und wohlangesehenen Dresdner Schneider-Innung von ihren ersten Spuren bis auf die Neuzeit. Eine Denkschrift zur Feier des vierhundertjährigen Jubiläums der Bestätigung des ältesten Innungs-Statuts. H. Klemm's Verlag & artistische Anstalt, Dresden 1881. (Digitalisat, SLUB)
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Max Flemming: "Die Dresdner Innungen von ihrer Entstehung bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts." (="Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens. Zwölftes bis vierzehntes Heft.) Dresden 1896, S. 35.
- ↑ Max Flemming: "Die Dresdner Innungen von ihrer Entstehung bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts." (="Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens. Zwölftes bis vierzehntes Heft.) Dresden 1896, S. 35.
- ↑ Max Flemming: "Die Dresdner Innungen von ihrer Entstehung bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts." (="Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens. Zwölftes bis vierzehntes Heft.) Dresden 1896, S. 35f.
- ↑ Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797, S. 525.
- ↑ Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797, S. 29.
- ↑ Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797, S. 30.
- ↑ Alfred Opitz: Sie erhoben sich wie ein Mann. Mächtiger Streik der Dresdner Handwerksgesellen im Jahre 1794, in: "Sächsische Zeitung" vom 10. Dezember 1953 Online
- ↑ 2.1.3-C.XVII.84 Den von den Schneidergesellen allhier gemachten Aufstand, welchem Gesellen anderer Innungen beigetreten, und die deshalb getroffenen Vorkehrungen, s. w. d. a. betreffend, auch die Instruction für die Herbergsväter. Ergangen vor dem coram Commissione., 1794- (Archivalieneinheit) http://archiv.dresden.de/detail.aspx?ID=2699022
- ↑ Den von den Schneidergesellen allhier gemachten Aufstand, welchem Gesellen anderer Innungen beigetreten, und die deshalb getroffenen Vorkehrungen, s. w. d. a. betreffend, auch die Instruction für die Herbergsväter. Ergangen vor dem coram Commissione., 1794 - 2.1.3-C.XVII.84
- ↑ Denkschrift zur Erinnerung an die Gründung und den 50 jähr. Bestand. Europäische Moden-Akademie Dresden. Dresden 1900, S. 8 (Digitalisat der SLUB). Der vermeintlich bei Schneeberg liegende Ort konnte bisher nicht eindeutig identifiziert werden.
- ↑ Heinrich Klemm (GND)