Prolos
Die altsorbische Siedlung Prolos (der heutige Stadtteil Prohlis) entstand an einer altsorbischen Wasserburg, die hier den wichtigen Weg direkt nach Süden über das Erzgebirge deckte.
[Bearbeiten] 1288: Ersterwähnung als Prolos
Prolos wird erstmals am 2. November 1288 erwähnt:
- "Der Domherr Konrad von Boruz eignet dem Hospital Getreidezinsen in Cölln und mehreren anderen Dörfern [zu] und trifft wegen Verwendung derselben eingehende Bestimmungen."[1]
[Bearbeiten] Etymologie
Der Ortsname leitet sich ab vom altsorbischen prolog (= Tal, Aue, Wiesen-, Buschland).[2] Prolos bedeutet demnach Siedlung/Ort im Tal in der Aue (am Auenwald) (vgl. tschechisch proloh)[3]).
[Bearbeiten] Rundling Prolos durch die deutsche Ostkolonisation
In den Jahrzehnten um 1200 wurden auf Veranlassung der deutschen Grundherrschaft elbsorbische Lokatoren mit dem Aufbau der Rundlinge im Gau Nisan beauftragt.
In dieser Zeit strömten in einem regelrechten Landrausch Adlige aus dem Altsiedelland (besonders aus Altsachsen und Franken: vgl. Alte Frankenstraße)) in den Gau Nisan und überzogen den Gau mit einem engmaschigen Netz an Herrensitzen über die elbsorbischen Bewohner. Trotz einer elbsorbischen Besiedlung seit mehr als einem halben Jahrtausend betrachteten die Deutschen das Gebiet als herrschaftsfreien Raum.
Im Ort in der Aue (am Auenwald) Prolos hielt sich die nisanische Streusiedlung besonders hartnäckig, weswegen der neue Rundling erst 1288 ersterwähnt wurde.
In Prolos hatten der werbende Lokator unter den Einheimischen besonders wenig Erfolg - auch weil diese Rückendeckung in einer elbsorbischen festen Wasserburg mit einer Wallanlage und Wassergraben am Geberbach hatten, die hier schon seit ältesten Zeiten den kürzesten Huckepackweg und Saumpfad vom Elbtalkessel über das Erzgebirge nach Böhmen sicherte.
- "Über diese Wasserburg ist nur wenig bekannt, da die einstigen Wallgräben später planiert und verfüllt wurden. Lediglich auf dem Areal des Schlossparks erinnern flache Böschungen an diese frühgeschichtliche Befestigungsanlage."[4]
[Bearbeiten] Ortsnamenentwicklung
Die Ortsnamenform entwickelte sich wie folgt:
- 1288: Prolos[5]
- 1311: Proles [6]
- 1313: Johann u. Wigand genannt v. Prolos[7]
- 1315: Proluz[8]
- 1350: Proluz[9]
- 1378: Prolus[10]
- 1425: Proliß[11]
- 1435: Proles, Prolis[12]
- 1445: Proluß[13]
[Bearbeiten] 1313: Herrensitz Prolos
Durch den Widerstand der Nisaner gegen eine deutsche Verdorfung in einem Rundling wurde auch der Herrensitz Prohlis[14] rund einhundert Jahre später als ortsüblich erwähnt (viele Herrensitze bestanden bereits im Jahr 1206, der Ersterwähnung Dresdens):
- "Den 28. October 1313. Elysabeth Markgr. v. Dresden übereignet die Güter, welche die Brüder Johann u. Wigand genannt v. Prolos in diesem Dorfe v. ihr zu Lehen haben dem Kl. Celle, damit ihr Gedächtniß, so wie das des seligen Markgr. Heinrich und ihres Sohnes Fridrich Markgr. v. Dresden von den Brüdern des Klosters [579] um so eifriger begangen werde. Dat. 1313. in die Sct. apostolorum Symonis et Iude."[15]
Mit dieser Urkunde schenkte die Witwe Heinrich des Erlauchten, Markgräfin Elisabeth, ihren ererbten Anteil am Dorf Prohlis dem Leubnitzer Klosterhof.
Die Inhaber des Herrensitzes (und damit der Grundherrschaft) Johann von Prolos und Wigand von Prolos waren demzufolge laut den westlichen Quellen die ältesten bekannten Prohliser.
[Bearbeiten] 1311 bis 1315: Dreiteilung des Ortes Proles
Schon 1311 erwarb das Dresdner Brückenamt Anteile in Prohlis, in dem zu diesem Zeitpunkt bereits das Meißner Lorenzhospital Zinsrechte besaß.[16]
1315 übereignete Markgraf Friedrich I. von Meißen das Prohliser Vorwerk mit weiteren Teilen des Ortes an das Dresdner Maternihospital, welches 1463 Hans Henchen als Besitzer unterstand. Durch diese Übereignung befand sich Prohlis nun bis zur Reformation im Besitz dreier Grundherren.
[Bearbeiten] 1350: Erwähnung als Proluz im Lehnbuch Friedrichs des Strengen ("districtus Dresdensis)
1350 wurde der Ort im Lehnbuch Friedrichs des Strengen als Allodium Proluz im Districtus Dresdensis erwähnt:
- "6. Item Ottoni de Wilandisdorf allodium in Alden-Dresden; item allodium in Proluz; item in Maroldißdorf 5 1/2 marcas."[17]
[Bearbeiten] 1378: Prolus im Castrum Dresden (im Registrum Dominorum Marchionum Missnensium)
1378[18] gehörte Prolos nach dem Registrum Dominorum Marchionum Missnensium zum Castrum Dresden und um 1400[19] war der Ort ein Vorwerk.
1491 verzichtete das Brückenamt für zehn Jahre auf die ihm zustehenden Dienste und löste diese mit Geldzahlungen ab, um den Wiederaufbau Dresdens nach dem großen Stadtbrand finanzieren zu können.
Erst im Zuge der Reformation kam der gesamte Ort 1550 in den Besitz der Stadt Dresden. Als Brückenamtsdorf genossen die Bewohner verschiedene Privilegien, zu denen auch die Zollfreiheit auf der Dresdner Elbbrücke gehörte.
Kirchlich gehörte Prohlis bis 1674 zur Frauenkirche (danach zu Leubnitz).
[Bearbeiten] Quellen
- HONB II, 225
- Fleischer ON Dresden-West (DS 11) 93, 210
- Eichler Slaw. ON Saale-Neiße III 119
- Blaschke HOV 33
- Postlex. 8, 603 u. 18, 521
- Werte Heimat 42, 194
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ CDS II 4 Nr. 18.
- ↑ HONB II, 225: "Evtl. aso. *Prolož'e, Koll. zum App. *prolog in der Bedeutung ‘Tal, Spalt’, evtl. auch ‘Aue’, entsprechend russ. prolog ‘Tal, Bergtal’ neben Bildungen wie poln. przelóg, przylóg, tsch. přiloh ‘Brachland’: ‘Siedlung im Tal’ o.ä."
- ↑ Ort in der Aue, am Auenwald: laut Rat des Stadtbezirkes 1986, S. 29.
- ↑ Zitiert nach: Lars Herrmann: "Schloss Prohlis" auf www.dresdner-stadtteile.de
- ↑ CDS II 4, 18.
- ↑ CDS II 5 Dresden 28.
- ↑ Eduard Beyer: "Das Cistercienser-Stift und Kloster Alt-Zelle in dem Bisthum Meißen". Dresden 1855, S. 578.
- ↑ U 2042.
- ↑ LBFS fol. 10b.
- ↑ RDMM 260.
- ↑ StaB Dr. 91.
- ↑ CDS II 5 Dresden 198.
- ↑ Erbm. 16.
- ↑ AZR S. 578.
- ↑ Eduard Beyer: "Das Cistercienser-Stift und Kloster Alt-Zelle in dem Bisthum Meißen - geschichtliche Darstellung seines Wirkens im Innern und nach Außen, nebst den Auszügen der einschlagenden hauptsächlich bei dem Hauptstaatsarchive zu Dresden befindlichen Urkunden" Verlag Janssen, Dresden 1855, S. 578f. (Urkunde [Nr. 246] vom 28. Oktober 1313).
- ↑ CDS II 5 Dresden 28.
- ↑ LBFS fol. 10b.
- ↑ RDMM 260.
- ↑ CDS II /5D/S. 104.