Mengsplatz
Der Mengsplatz (im Volksmund Mengser) in Übigau ist heute nicht mehr vollständig vorhanden (deswegen auch als Platz ohne Namen bezeichnet), jedoch noch auf dem Stadtplan von 1947 zu finden. Diese derzeit einzige (aber verwilderte) öffentliche Grünanlage in Übigau ist noch in dem Original-Zustand, wie sie 1927 als Park und Schulvorplatz geplant wurde. Hier stehen heute etliche Linden und Bänke. Außer einigen Grenzmauern und dem Sandsteinbrunnen in seiner Mitte, der im Volksmund Zuckertütenbrunnen genannt wird, hat er keine Bebauung. Nachdem der Brunnenbetrieb im 1. Weltkrieg zum Erliegen kam und 6 km vom Dresdner Zentrum entfernt auch nicht wieder aufgenommen wurde, entstand der Brauch, in das achteckige Rondel aus Sandstein die Zuckertüten zur Einschulung der Kinder rundum zu drapieren.
Im Jahr 1899 wurde die heutige Mengsstraße, die den Platz damals kreuzte, zeittypisch nach König Albert als König-Albert-Straße bezeichnet - und der Platz dementsprechend als König-Albert-Platz. Um den königlichen Anspruch zu untermauern, wurde auch ein kostbarer Brunnen aufgestellt. Ein achteckiges Sandsteinrondell auf einem runden Sandsteinpodest umgibt eine Sandsteinschale auf einem sechseckigen Sockel, aus der das Wasser nach allen Seiten überlief. Leider existieren in den Archiven keine Bilder vom Wasserbetrieb dieses bis 1903 noch außerhalb Dresdens und später dann 6 km weit vom Zentrum gelegenen Brunnens. Die Photographen um 1900 konzentrierten sich auf die bekannten Postkartenmotive.
Der Platz wie auch die Straße konnten diesen Namen allerdings nicht lange behalten. Zum 1. Januar 1903 wurde Übigau zusammen mit vielen anderen Ortschaften im Westen der Stadt nach Dresden eingemeindet, so daß wegen anderer König-Albert-Straßen und -Plätze (z.B.in der Neustadt) 1904 eine Umbenennung in Mengsplatz (und natürlich auch Mengsstraße) nach dem königlichen Hofmaler erfolgen mußte.[1]
Anton Raphael Mengs (1728-1779) war der Hofmaler des Königs August III.. Der Sohn von Ismael Mengs gilt als der bedeutendste deutsche Maler des 18. Jahrhunderts und gelangte zu europäischem Ruf.
An der Ostseite des Platzes stand die am 20. April 1897 mit 7 Schulklassen und vier Lehrern eröffnete Gemeindeschule für Übigau. Seinerzeit begann das Schuljahr noch nach Ostern. Die Genehmigung der Ausschulung der Übigauer Schulpflichtigen aus dem Schulbezirk Kaditz-Mickten-Übigau durch das Königliche Ministerium für Kultur und öffentlichen Unterricht war erst am 14. März 1896 erfolgt, die Grundsteinlegung am 15. August 1896. Für den Bau des großen Gebäudes benötigte die Gemeinde keine acht Monate - für den Bau der Turnhalle (erster Spatenstich am 13. Mai 1899 und Einweihung am 2. September 1899) sogar keine vier Monate. 1899 erfolgte auch die Trennung des staatlichen vom kirchlichen Unterricht. Auch die Schulstraße an der Schule (1897 so benannt) mußte im Jahr nach der Eingemeindung umbenannt werden - in Thäterstraße. Die Schule wurde zur 42. Volksschule Dresdens. Am 17. Oktober 1928 wurde der heutige Schulneubau im Bauhausstil eingeweiht. Eine Steigerung der Schülerzahlen auf 525 (1920) bis 629 (1915) Schüler machte einen Neubau notwendig.
Die heutige Form des Mengsplatzes als Schulvorplatz geht auf einen Entwurf von Paul Wolf im Zusammenhang mit der Erweiterung des Schulgebäudes 1927/1928 zurück. Wolf war Architekt und Stadtbaurat in Dresden von 1922 bis 1945 und hat auch das Sachsenbad in Pieschen geplant. Derzeit gibt es Überlegungen, den fast hundertjährigen Originalzustand des Platzes zu sanieren, da "kaum Verluste in der ursprünglichen Substanz und Form zu verzeichnen" sind: "es kann von einer besonderen Originalität der Park- und Grünanlage als Vorplatz der ehemaligen Schule gesprochen werden, da aus allen Gestaltungsphasen des Platzes wertvolle Originalsubstanz erhalten ist" (Jana Kaden vom Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft).[2]
Mit dem Schuljahr 1955-56 wurde der "erweiterte Russischunterricht" für interessierte Dresdner Jungen und Mädchen ab Klasse 3 eingeführt - die Ablegen der Reifeprüfung der Klasse 12 des regulären Russischunterrichts erfolgte schon mit der Klasse 10. Die Schule nannte sich nun: 42. allgemeinbildende polytechnische Oberschule mit erweitertem Russischunterricht. Am 25. Oktober 1970 wurde der Schule dann der Name "Herbert Blochwitz" verliehen und dazu ein Gedenkstein vor der Schule enthüllt:
- Herbert Blochwitz geb.: 1904, Hinrichtung 1944, Widerstandskämpfer, Mitglied der KPD.[3]
Mit der Bebauung der Westseite (westlich der Mengsstraße) in den 1960ern wurde dem Mengsplatz der Status eines Platzes entzogen. Seitdem ist er offiziell nur noch eine Kreuzung. Es gibt aber Bestrebungen, den Platz zu sanieren und wiederzubeleben.[4]
1973 wurde der Grundstein für die neue Turnhalle gelegt.
1992 wurde aus der Schule die 42. Grundschule mit nur noch 90 Schülern in 4 Klassen. Entsprechend dem Stadtratsbeschluss vom 2. März wurde die Schule am 23. August 2000 endgültig geschlossen. Im November 2012 wurde das sanierte Gebäude zum Wohnhaus und die ersten Mieter zogen ein.
Der Zustand des Platzes ohne Namen ist mittlerweile desolat:
"Der Brunnen ist verwildert, ein paar Äste liegen darin. Beschmierte Bänke, die teilweise absplittern, von blühendem Gras umwachsen. Der teils vermüllte Boden wird vom satten Dach der Baumkronen beschattet." Im Jahr 2024 will der Stadtbezirk Pieschen ein Gutachten erstellen lassen: "Es wird eine denkmalgerechte Sanierung erforderlich sein, um den Bestand der ortsgeschichtlich bedeutenden Anlage nachhaltig für die Zukunft zu erhalten."[5]
Im Jahr 2025 lagen die Ergebnisse der Studie vor. Langfristiges Ziel ist eine denkmalgerechte Sanierung des Platzes mit der Ersetzung von zwei Linden und der Neupflasterung des Weges.
- "Die Kosten hängen vom künftigen Umgang mit dem Sandsteinrondell ab. Als reine Skulptur würden für die Sanierung etwa 18.000 Euro fällig. Soll er als Brunnen betrieben werden, steigen die Kosten um rund 86.000 Euro. Insgesamt wird die Sanierung des Platzes (ohne Brunnen) mit rund 137.000 Euro veranschlagt."[6]
Im Haushalt der Stadt Dresden ist aber bis einschließlich 2026 kein Budget dafür vorhanden.
Dafür bewilligte der Stadtbezirksbeirat Pieschen 19.000 Euro aus dem Haushalt 2025 für die Planung der denkmalgerechten Sanierung der Park- und Grünanlage:
- "Die Mittel dienen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung für das Areal sowie den Brunnen. Über die Verwendung der Gelder soll der Beirat informiert werden. Benjamin Kemper (CDU) stellte einen Änderungsantrag: „Statt einer Belebung des Brunnens solle geprüft werden, ob nicht auch eine Beleuchtung möglich sei.“"[7]
Der Stadtbezirksbeirat Pieschen beauftragte auch die Stadtverwaltung, eine Infoveranstaltung für Anwohner durchzuführen.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Adolf Hantzsch: Namenbuch der Straßen und Plätze Dresdens. Baensch, Dresden 1905.
Schriftenreihe Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens, 17/18., S. 93 - ↑ Stadtbezirksbeirat Pieschen: Projektförderung – Mengsplatz – Kunstrasen in Pieschen aktuell vom 3. September 2025 (abgerufen am 2. November 2025).
- ↑ Schule Übigau auf dresden-uebigau.de (abgerufen am 1. November 2025).
- ↑ Übigauer wollen Mengser wiederbeleben auf pieschen-aktuell.de (abgerufen am 1. November 2025).
- ↑ "Der Stadtbezirk Pieschen nimmt nun selbst 20.000 Euro in die Hand, erstellt ein Gutachten noch in diesem Jahr: „Wenn eine schrittweise Umsetzung möglich ist, dann kann der Stadtbezirksbeirat, wenn er es denn möchte, schrittweise Umsetzungsimpulse finanzieren. Auf einen Schlag 125.000 Euro wird es aber eher nicht geben“ ... Woher das Geld dafür kommen kann, außer stückweise vom Stadtbezirk, bleibt fraglich. Denn auch im kommenden Doppelhaushalt der Landeshauptstadt ist kein Budget für diese Sanierungs- und Baumaßnahme gegeben." In: "Hat der Platz ohne Namen eine Zukunft?" Pieschen aktuell vom 8. Juli 2024 (abgerufen am 12. Juli 2024).
- ↑ Übigauer wollen Mengser wiederbeleben auf Pieschen aktuell vom 22. Oktober 2025 (abgerufen am 2. November 2025).
- ↑ Aus der Sitzung des Rats des Stadtbezirks Pieschen in Pieschen aktuell vom 30. Oktober 2025.