Ludwig Theodor Andrich

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Ludwig Theodor Andrich, teilweise auch Louis Theodor Andrich (* 16. Dezember 1807 in Dresden;[1]23. Februar 1890 ebenda)[2] war ein königlich-sächsischer Offizier, u.a. als Kommandeur einer sächsischen Artilleriebrigade, zuletzt als Unterkommandant der Festung Königstein im Rang eines Obersts.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Familie

Ludwig Theodor Andrich entstammte der Familie Andrich. Sein Großvater väterlicherseits war Johann Michael Andrich (17451810),[3] der als erstes Familienmitglied nach Dresden kam. Onkel väterlicherseits waren Johann August Andrich (1778–?) und Karl August Andrich (1790–?).

Andrich war ein Sohn des Dresdner Rechtsanwaltes und königlich-sächsischen Finanz-Prokurators Johann Carl Andrich (17741838)[4] und dessen 1797 geheirateter Ehefrau Johanna Sophia geb. Döhmann. Andrichs Vater war auch Armenvorsteher des XXVI. Distriktes der Stadt Dresden in der Dresdner Neustadt. Dieser Distrikt umfasste 126 Häuser, die in in drei Pflegebezirke mit jeweils einem Pfleger unterteilt waren. Damals, 1837 gab es insgesamt 41 Almosen-Empfänger in seinem Distrikt. Die Wohnung und das Büro von Andrich befanden sich im Haus 138 in der Hauptstraße.[5] Andrichs Vater wirkte auch als Testamentsvollstrecker.[6] Andrich hatte noch vier Geschwister:

Ludwig Theodor Andrich heiratete 1868 in Dresden Julie Caroline Philippine geb. Jen(t)zsch (18331908),[8] die Tochter des königlich-sächsischen Artillerie-Oberstleutnants Carl Gustav Siegmund Jen(t)zsch (17841866),[9] der 1833 noch als Artilleriehauptmann in der Leipziger Straße 1a wohnte,[10] später in der Leipziger Straße 8.[11] Andrichs Witwe wohnte anfangs nach seinem Tod noch weiter in der ehemals gemeinsamen Wohnung in der Schillerstraße 56.[12] Zuletzt wohnte sie in einer Erdgeschosswohnung in der Löbauer Straße 13.[13]

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Ludwig Theodor Andrich wurde evangelisch in Dresden getauft[14] und schlug eine militärische Karriere ein, noch zu einer Zeit als es bürgerliche Armeeangehörige schwer hatten, eine hohe Position in der sächsischen Armee zu erreichen. Bereits Andrichs älterer Bruder hatte versucht, in das Militärakademie der sächsischen Armee einzutreten. Der Akademieausschuss zur Aufnahme der Bewerber hatte seinen Bruder zweimal abgelehnt, weil er nicht kräftig genug war.[15]

[Bearbeiten] Militärakademie

Andrich trat Ende 1824, mit 17 Jahren als Kadett in die sächsische Militärakademie ein, wo er seine höhere Schulbildung erhielt. Als Kadett ist er in der Rangliste der königlich-sächsischen Armee in der II. Division der Dresdner Akademie 1826 und auch 1827 verzeichnet, 1828 dann als Eleven Nr. 1 in der I. Division. Für den 28. Januar 1829, mit Vollendung seines 21. Lebensjahres und dem damaligen Erreichen des Erwachsenenalters erhielt Andrich - wie auch andere im Jahr 1807 in Dresden geborene Personen - sich persönlich beim zuständigen Justizamt Dresden zu melden.[16] Am 1. Januar 1829 wurde Andrich zum Stückjunker der Artillerie ernannt und von der Militärakademie an das sächsische Artilleriekorps versetzt. Damit war er auch offiziell Offiziersanwärter und einem Fähnrich in der Infanterie gleichgestellt.

[Bearbeiten] Weitere Karriere

Noch im gleichen Jahr, am 25. Mai 1829 erhielt Andrich sein Offizierspatent im ersten Leutnantsdienstgrad als Sous-Lieutenant im Artilleriekorps mit einer Anstellung in der 2. Brigade der sächsischen Fußartillerie im Fußartillerieregiment in Dresden. Kommandeur des Truppenteils war der Generalmajor Gustav Ludwig Ferdinand Raabe. Bereits im Folgejahr wurde er in die 3. Brigade des Regiments versetzt. Nachdem 1833 die Dienstgradbezeichnung als Sous-Lieutenant in Leutnant umgewandelt wurde, trug Andrich ab diesem Zeitpunkt diesen Dienstgrad. 1831 ist Andrich im Dresdner Adressbuch als junger Leutnant in den Neustädter Kasernen verzeichnet.[17]

1836 noch als dienstältester Leutnant im sächsischen Artilleriekorps aufgeführt, wurde Andrich am 27. November 1836 zum Oberleutnant der Artillerie befördert, weiter in der 3. Brigade im Fußartillerieregiment dienend. Damit wurde er auch stellvertretender Kompaniechef einer Artilleriekompanie. 1837 wurde Andrich wieder in die 2. Brigade versetzt. Im gleichen Jahr zog er in eine eigene Wohnung in der Dresdner Antonstadt, in der Badegasse 9.[18] 1839 ernannte Oberst Heinrich Moritz Birnbaum als damaliger Kommandeur des Fußartillerieregiments Andrich zum Adjutanten in der 1. Brigade. Sein direkter Vorgesetzter war damit der Brigadekommandant Major Carl Gustav Siegmund Jenzsch, ab Ende März 1841 dann Major Woldemar Constantin Gau. Bereits Ende 1840 nahm sich Andrich eine Wohnung in der Ritterstraße 7.[19] Ende 1846 hatte er ein Dienstzimmer im königlichen Taschenbergpalais,[20] wo er bis 1849 wohnte. In seiner Dienststellung als Brigadeadjutant wurde Andrich am 18. Dezember 1847 zum aggregierten (dem Etat überzähligen) Hauptmann (2. Klasse) befördert.

1848, nach seiner formellen Versetzung in die 3. Brigade des Fußartillerieregiments wurde Andrich zum sächsischen Kriegsministerium versetzt. Hier wirkte Andrich als zusätzlicher Offizier unter dem damaligen sächsischen Kriegsminister, dem Oberst der Artillerie Bernhard Rabenhorst. Außerdem war er in dieser Zeit in der Artilleriekommission des Königreiches Sachsen unter dem damaligen Vorstand, Oberst Heinrich Schmidt, Kommandeur des sächsischen Artilleriekorps tätig. 1850 wechselte Andrich in den sächsischen Generalstab unter dem damaligen Chef des Generalstabes, Generalmajor Eduard Heinrich von Treitschke, der gleichzeitig zu dieser Zeit mit dem Kommando der 2. sächsischen Division beauftragt war. Im Generalstab wirkte Andrich bis 1851 als ranghöchster Hauptmann (1. Klasse) in der taktischen Abteilung. Bereits 1849 zog er in eine Wohnung am Oberen Kreuzweg 1,[21] wo er bis 1863 wohnte.

Am 13. November 1851 wurde Andrich unter gleichzeitiger Beförderung zum aggregierten (dem Etat überzähligen) Major zurück zum Fußartillerieregiment versetzt, womit er gleichzeitig Batteriechef der 5. Batterie wurde. Nachdem Andrich 1854 als Chef zur 7. Artilleriebatterie versetzt wurde, beauftragte man ihn ab 1856 mit dem Kommando der 2. Artilleriebrigade, da der bisherige Kommandeur, Oberst Julius Anton Törmer zum neuen Chef des Fuß-Artillerie-Regiments ernannt wurde. Er erhielt allerdings erst 1859 die etatmäßigen Posten als Brigadekommandeur der 2. Artilleriebrigade. In dieser Dienststellung wurde er am 1. Oktober 1861 zum Oberstleutnant befördert.

[Bearbeiten] Unterkommandant der Festung Königstein

Ende 1863 wurde Andrrich als Unterkommandant auf die Festung Königstein versetzt. Sein direkter Vorgesetzer war der damalige Kommandant der Festung, der inzwischen zum Generalleutnant beförderte Eduard Heinrich von Treitschke. In der Dienststellung als Unterkommandant wurde Andrich am 26. Oktober 1865 zum Oberst der Artillerie befördert. 1866, im Deutschen Krieg befehligte Andrich die Geschützbatterien auf der Festung Königstein. 1869 ist Andrich als Unterkommandant der Festung Königstein im Rang eines königlich-sächsischen Obersts der Artillerie im Gothaischen Hofkalender erwähnt.[22] Sein Vorgesetzter und Festungskommandant von Königstein war zu dieser Zeit immer noch nach dem Ende des Deutschen Krieges der königlich-preußische Generalmajor von Rohrscheidt.[23] Laut den Ranglisten der sächsischen Armee war allerdings der Dienstposten als Kommandant der Festung Königstein von 1867 bis 1871 nicht vergeben. Im Kriegsjahr erhielt Andrich mit dem Komturkreuz des sächsischen Verdienstordens eine hohe Auszeichnung für seine Verdienste.

Zwei Jahre später, am 13. Juli 1871 wurde Andrich aufgrund seines Ersuchens unter Fortzahlung einer staatlichen Pension und mit der Erlaubnis des Tragens der Armeeuniform in der Öffentlichkeit im Rang als Oberst z.D. (zur Disposition) mit 63 Jahren in den einstweiligen Ruhestand versetzt und pensioniert. Zu seinem Abschied erhielt er den preußischen Kronenorden in der zweithöchsten Stufe.

[Bearbeiten] Pensionierung und Tod

Nach seiner Pensionierung kehrte Andrich in seine Heimatstadt Dresden zurück. Dort zog er in eine Wohnung im zweiten Obergeschoss in der Schillerstraße 27,[24] nach der Umnummerierung der Straße in gerade und ungerade Hausnummern je Straßenseite dann die Hausnummer 56 in der Antonstadt,[25] wo er bis zu seinem Tod lebte. Das Haus gehörte dem Mecklenburger Landwirt Johann Paul Wilhelm Günther Ehlermann.[26] Andrich starb dort im 83. Lebensjahr. Er wurde am 27. Februar 1890 in Dresden auf dem alten Neustädter Friedhof beerdigt.

[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Wolfgang Gülich: Die Sächsische Armee zur Zeit des Deutschen Bundes 1815-1867, 2011, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 309.
  2. Datensatz auf Ancestry.
  3. Datensatz auf Ancestry
  4. Datensatz auf Ancestry
  5. Armenversorgungsbehörde zu Dresden: Bericht über die Verwaltung des Armenwesens und der Öffentlichen Wohltätigkeits-anstalten, 1837, Digitalisat auf Google Books, S. 32.
  6. Leipziger Zeitung, 1825, Digitalisat, S. 1231.
  7. Datensätze auf Ancestry]
  8. Datensatz auf Ancestry.
  9. [1] auf Ancestry
  10. Dresdner Adress-Kalender 1833, S. 108, SLUB.
  11. Adressbuch Dresden 1855, S. 85, SLUB.
  12. Adressbuch Dresden 1892, S. 9, SLUB.
  13. Adressbuch Dresden 1908, S. 13, SLUB.
  14. Datensatz auf Ancestry]
  15. Paul Rachel: Das Dresdner Landwehrbataillon 1813/14 in: Verein für Geschichte Dresdens (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter, 1. Jahrgang, 1892, Ausgabe Nr. 2, Digitalisat auf Google Books, S. 24f.
  16. Beilage zu No. 255 der Leipziger Zeitung, Ausgabe vom Di., 28. Oktober 1828, Digitalisat auf Google Books, S. 3161f.
  17. Dresdner Adress-Kalender 1831, S. 4, SLUB.
  18. Dresdner Adress-Kalender 1838, S. 4, SLUB.
  19. Dresdner Adress-Handbuch 1841, S. 4, SLUB.
  20. Dresdner Adress-Handbuch 1847, S. 4, SLUB.
  21. Adressbuch Dresden 1850, S. 159, SLUB.
  22. Gothaischer genealogischer Hofkalender nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuch, Gotha 1869, Band 106, Digitalisat auf Google Books, S. 753.
  23. Sachsen stand im Deutschen Krieg auf der Seite von Österreich und musste sich, nachdem Preußen in Königgrätz den Krieg vorzeitig gewonnen hatte, einer preußischen Befehlsgewalt auf der stärksten sächsischen Festung beugen.
  24. Adressbuch Dresden 1872, S. 10, SLUB.
  25. Adressbuch Dresden 1875, S. 10, SLUB.
  26. Häuserbuch Dresden 1892, Teil II, S. 1197, SLUB.
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