Johann Gottlob Helmer
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[Bearbeiten] Um 1797
1797 wohnte der Bücherantiquar Johann Gottlob Helmer (aus Leipzig[1] ; erfroren im Februar 1823 in seiner Bude auf dem Neumarkt[2]) in der Kleinen Salzgasse (auch An der Zeughofmauer oder Hintergasse) Nr. 635 (von der Rampischen Gasse nach der Salzgasse zu linker Hand das zweite Haus). Dieses Haus besaßen damals die Ludewigischen Erben. Das Gewölbe (der Laden) dieses Hauses war an den Kaufmann Friedrich Heinrich Traugott Rothe verpachtet, der auch in diesem Hause wohnte. Der dritte Mieter war der Goldarbeiter Johann Gottfried Larius.[3]
Der Bücherantiquar Johann Gottlob Helmer hatte seinen Laden in bester Lage in der Schössergasse Nr. 360 (neben dem kurfürstlichen Rüstkammergebäude). Besitzer dieses Hauses war der Steuersekretär August Gottlob Thiele.[4] Leipzig war die Buchstadt Deutschlands, aber Johann Gottlob Helmer hatte dort keinen Fuß fassen können und ging ohne Konzession als Antiquar nach Dresden.
Damals logierte dort die Prominenz des vor der französischen Revolution geflohenen kurtrierischen Hofes - vom geheimen Kabinetts-Kanzlisten und dem geheimen Kabinets-Sekretär über Kammerherren und dem Reisemarschall von Thünefeld bis hin zum Staats- und Kabinettsminister Ferdinand von Duminique (1742-1803), seit 1788 Nachfolger von Kanzler Georg Michael Frank von La Roche. In diesem Hause wohnte auch der Hofkaplan im Hofstaat der Kurfürstin (und späteren Königin) Amalie von Sachsen, der Ire Simon Bonaventura O'Kelly (1784 vermutlich aus dem im gleichen Jahr aufgelösten Franziskaner-Kloster - Hiberner-Kloster - "in Prag (dort lebten 1784 u. a. noch 37 irische Mönche) nach Dresden gekommen").[5]
Bar einer Buchhandlungs-Lizenz hatte sich der Buchhändler aus Leipzig auf den Vertrieb antiquarischer Bücher in der Residenzstadt Dresden verlegt. Anfänglich müssen seine Geschäfte ausweislich der noblen Adresse sehr gut gelaufen sein. Er konnte sich sogar eine Wohnung außerhalb seines Geschäftslokals leisten.
[Bearbeiten] Wachsende Konkurrenz ab 1801
1801 wurde das "Arnoldische Lesemuseum" in den Goldnen Ring verlegt (am alten Markt 149). Hier gründete Johann Christoph Arnold 1802 auch den ersten Dresdner Journallesezirkel.
- "Lesemuseen bildeten mit ihrem großen Bestand an Zeitschriften und Büchern, langen Öffnungszeiten und der Möglichkeit zu Diskussionen im Gesprächszimmer ein kulturelles Zentrum. In ihrer Funktion gingen sie weit über die einer Leihbibliothek hinaus. "[6]
Gleichzeitig entwickelte auch sein früherer Verlags-Compagnon Pinther (aus Pirna) ein Lesemuseum der neuen Art:
- "Als Mittelpunkt der bürgerlichen Geselligkeit bilden sich Etablissements, die Lesezirkel, Leihbibliothek, Spielsaal und Konditorei vereinigend, von den Unternehmern 'Museum' genannt werden. Solcher gibt es 1802 schon recht viele: Pinther in Dresden, Beygang in Leipzig, Campe in Hamburg, Eßlinger in Frankfurt a. M. erlauben ihren Stammgasten für einen Jahresbeitrag, der 1796 in Leipzig 12 Taler betrug, an allen Veranstaltungen ihres Instituts teilzunehmen."[7]
Das "Arnoldische Museum" von Johann Christoph Arnold entwickelte sich damals zum umfangreichsten Lesemuseum in Deutschland mit Vorzimmer, Expedition seines Verlages, Musikalienkabinett mit Instrumenten und Musikalien, einem Diskussionszimmer mit Landkarten, Lexika und Schreibutensilien, einem großen Lesezimmer und 20.000 Bände Leihbibliothek, dazu diverse Zeitschriften und Periodika.
[Bearbeiten] Geschäftsaufgabe um 1803
Dieser wachsenden Konkurrenz hatte der gelernte Leipziger Buchhändler und Dresdner Antiquar nicht entgegenzusetzen. Bereits etliche Jahre vor 1810 (vermutlich um 1803) hatte Johann Gottlob Helmer seinen Laden und auch seine Wohnung verloren und kampierte rund 20 Jahre auf dem Neumarkt "an und auf dem großen Wassertrog, welcher vor der Salomonis-Apotheke stand".[8]
Christian Gottfried Heinrich Geißler (1770-1844) stellte ihn auf einem Leipziger Meßbild von 1804 oder 1805 als "neuen Diogenes" sicher etwas übertrieben abgerissen dar:
Ludwig Richter beschrieb ihn zum Jahr 1810 oder 1811, nach dem Tagebuch von Carl Förster erfror der Dresdner Diogenes im Februar 1823 in seiner Bude auf dem Neumarkt.
Im Dresdner Volksmund hieß dieses Dresdner Original dann der Buchhändler Helmert.
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Radierung um 1840: "Helmert der Deutsche Diogenes und ausgezeichnete Antiquar und Kunsthändler in Dresden und Leipzig" auf der Webseite der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (abgerufen am 8. November 2025).
- ↑ vgl. Tagebuch von Carl Förster zu 1823.
- ↑ Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797, S. 146.
- ↑ Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797, S. 74.
- ↑ O'Kelly, Simon Bonaventura: "vermutlich aus dem 1784 aufgelösten Franziskaner-Kloster (Hiberner-Kloster) in Prag (dort lebten 1784 u. a. noch 37 irische Mönche) nach Dresden gekommen - Hofkaplan im Hofstaat der Kurfürstin bzw. Königin Amalie von Sachsen (als solcher bereits im Hof- und Staatskalender 1784 geführt; als Hofkaplan der kath. Hofgeistlichkeit in Dresden letztmalig genannt im Staatshandbuch für 1823 sowie im Adress-Kalender für 1824)" - Complete Works of Carl Maria von Weber. Digital Edition, https://weber-gesamtausgabe.de/A000001 (Version 4.12.0 of April 8, 2025) Last change of this document on August 1, 2019.
- ↑ In: Dresdner Heft 76: Verlage in Dresden: Konstantin Hermann: "Die Arnoldische Verlagsbuchhandlung", S. 23–29 (hier: S. 25).
- ↑ In: Max Ulrich von Boehn: "Die Mode: Menschen und Moden im neunzehnten Jahrhundert." Band 1: 1790–1817. 3. Auflage, 1919, S. 163.
- ↑ Aus Adrian Ludwig Richter: Lebenserinnerungen eines deutschen Malers. Hrsg.: Heinrich Richter. Verlag von Johannes Alt, Frankfurt am Main, Vierte vermehrte Auflage 1886, S. 7-14 (Kapitel Die Schule).