Johann Gottlieb Kaulfuß

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Bei dem Schneidermeister Johann Gottlieb Kaulfuß (auch Käulfuß; * vor 1710; † 1760 in Dresden) traf sich die Herrnhuter Brüdergemeine Dresden ab 1745 oder 1746 bis 1760.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Versammlungen der Dresdner Brüdergemeine 1739 bis 1747

1739 versammelten sich die Geschwister in der Wohnung des Geheimen Kriegsrathes und Kirchenlieddichters Wolf Caspar Abraham von Gersdorff (1704 bis 1784)[1], einem weitläufigen Verwandten des Grafen von Zinzendorff aus der Familie seines Großvaters. Wolf Caspar Abraham von Gersdorff war 1738 noch nicht in Dresden verzeichnet[2] und wohnte 1740 in der Neustadt beym Herrn Geheim=Caemerer Rudolphen[3]. Das Haus von J.(ohann) Sim.(on) Rudolph [4] wird am Jaegerhof vermutet[5]. Er war 1738 ebenfalls noch nicht in Dresden verzeichnet.[6] Es war die Zeit der Bedrängnis seitens der Obrigkeit, und dennoch wuchs die Zahl der Teilnehmer an den Betstunden binnen Jahresfrist von sechs Frauen und drei Männern auf bis zu 48 Personen.

Wolf Caspar Abraham von Gersdorff[7] hatte zu diesem Zeitpunkt bereits drei Kinder: Eleonore Katharina Sophie von Gersdorff (1732-1787), Friederike Albertine von Gersdorff (1736-1806) und Adolf Friedrich Abraham von Gersdorff (1739-1810)[8]

Der Nachlaß von Wolf Caspar Abraham von Gersdorf befindet sich im Archiv der Evangelischen Brüder-Unität in Herrnhut[9], so auch ein Brief an ihn und Sophie von Gersdorff aus dem Jahre 1764[10]. Eine Akte über seine Vermögensverhältnisse von 1738 bis 1754 verwahrt das Sächsische Staatsarchiv[11].

Nachdem der Adlige von Gersdorff Dresden Ende 1740 verlassen hatte, fand die Gemeinschaft bei dem Schneidermeister Johann Georg Kühne zusammen, der sich daraufhin auch zu ihrem Führer und geistigen Fürsprecher entwickelte. Die Sonntagsandachten wurden ganz bewußt erst am Nachmittag vier Uhr durchgeführt - lange nach beendetem Gottesdienste. Hierbei wurde auch die in der Kirche gehörten Predigt wiederholt und das Sonntagsevangelium durch Parallelstellen aus der Bibel tiefer gehend erläutert. Zinzendorfs Lieder sang man nicht nur am Sonntag, sondern auch bei weiteren Zusammenkünften Montags und Dienstags in der Dämmerung. Trotz aller Vorsicht und einem Bekenntnis zur lutherischen Kirche bekam Kühne als Nichtadliger und auch durch kein hohes Hofamt geschützt Probleme mit der Städtischen Kommission, vor der er sich am 14. Mai 1741 verteidigen mußte. Am 28. August 1744 erging der letztinstanzliche Bescheid, dass er zu seinen Hausandachten familienfremde Personen nicht zulassen und die Heilige Schrift nicht nach eigenem Gutdünken auslegen dürfe.

Die Geschwister versammelten sich daraufhin in aller Stille bei ihrem Mitbruder Weiß und kurz darauf bei dem Schneidermeister Johann Gottlieb Kaulfuß (auch Käulfuß). Erst die erlaubte Rückkehr Zinzendorfs nach Sachsen im Jahre 1747 beendete die Nachstellungen seitens der kirchlichen und staatlichen Behörden, worauf sich die Versammlung wieder so sehr vergrößert, dass sogar eine Sozietät in Dresden gebildet werden konnte.

[Bearbeiten] 1748: Heirat mit Anna Rosiene Ziegenbalg

1748 heiratete er Anna Rosiene Ziegenbalg (* 31. Dezember 1723 im Amt Stolpen; † 15. November 1773 in Herrnhut).

Anna Rosiene Ziegenbalg kam um 1740 nach Wohlau bei Elster zur Freifrau von Döhler, welche für ihre Erziehung sorgte und sie in ihre Dienste nahm. Dort lernte sie den Dresdner Schneidermeister Kaulfuß kennen, der für die Freifrau schneiderte. Um 1745 kam Anna Rosiene als Kindermädchen zur Frau von Sack nach Prischwitz, dessen Mann damals Hauptmann war. Durch Charlotte von Heynitz wurde sie bekehrt, worauf Johann Gottlieb von Kaulfuß um ihre Hand bei Frau von Sack anhielt. Nach der Hochzeit 1748 in Prischwitz zog sie zu ihrem Mann nach Dresden. Ihr Haus wurde zum Mittelpunkt der Gemeine, wo auch die durchreisenden Geschwister wohnen konnten. Sie bekam mit Johann Gottlieb Kaulfuß fünf Kinder, von denen drei überlebten.

[Bearbeiten] Tod 1760 und Flucht seiner Witwe mit den drei überlebenden Kindern am 27. November 1760

Zinzendorf starb am 9. Mai 1760 in Herrnhut. Er mußte das preußische Bombardement von Dresden (13. Juli bis 22. Juli 1760) und die Flucht vieler Geschwister von diesem Ort des Anfanges seiner Versammlungen nicht mehr miterleben.

Auch Johann Gottlieb Kaulfuß starb 1760 noch vor dem preußischen Bombardement, das sein Haus verbrannte. Nur notwendig wieder darin eingerichtet, flüchtete Anna Rosiene Kaulfuß wegen der anhaltenden Kriegsgefahr dann doch am 27. November 1760 zunächst nach Berthelsdorf.

Von 1755 (63.209 Einwohner) bis 1772 (44.760 Einwohner) verlor Dresden durch die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges rund 18.500 Bürger.

Mit dem Wegzug von Anna Rosiene Kaulfuß verlor die Brüdergemeine Dresden ihr Zentrum. 1776 hatte die Gemeine nur noch 18 Mitglieder, zu dieser Zeit wie andernorts auch als "Häuflein" bezeichnet.

[Bearbeiten] Das weitere Schicksal seiner Witwe (gest. 15. November 1773)

Die Einwohnerzahl von Berthelsdorf stieg von 1757 bis 1764 um 83 Personen, darunter viele Flüchtlinge aus Dresden. Man riet der Alleinerziehenden, mit ihren drei Kindern wieder nach Dresden auf ihr Grundstück zu ziehen, sie wollte aber lieber auf das kümerlichste ... leben, als das Volck Gottes wieder zu verlaßen.[12]

Statt dessen heiratete sie am 9. April 1761 den Bruder Böhlo und schenkte diesem am 26. April 1762 die Tochter Anna Eliesabeth.

Am 6. April 1764 erhielt die Familie die Erlaubnis, nach Herrnhut direkt zu kommen, wo sie am 3. Dezember 1764 ihr neu gebautes Haus bezog.

In Herrnhut war Anna Rosiene eine regelmäßige Saal-Dienerin und unermüdliche Kranken-Besucherin. Auch war sie weiterhin eine Gehilfin der Diaspora Herrnhut und beherbergte auch in ihrem neuen Haus die besuchenden Geschwister von außerhalb.

In ihren letzten Jahren wurde sie selbst kränklich. Im Oktober 1773 besuchte sie in ihrer Unpäßlichkeit ihren Bruder in Niesky und ihre zwei Schwestern in der Nachbarschaft, weil sie glaubte, die Reise würde ihr nützlich sein. Als sie aber zu einer ihrer Schwestern kam, wurde sie totkrank. Am 25. Oktober kam sie nach Herrnhut zurück nach Hause und freute sich, wieder bei der Gemeine zu sein. Am 13. November redete sie mit ihren Kindern und gab ihnen ihren mütterlichen Segen. Nachdem sie dieses ihren Mann erzählt und von ihm Abschied genommen hatte, entschlief sie am 15. November 1773 früh nach 3 Uhr unter der Einsegnung ihres Mannes. Sie wurde 49 Jahre, 10 Monate und 15 Tage alt und hinterließ vier Kinder in der Gemeine. Zwei Kinder waren ihr bereits in Dresden im Tode voran gegangen.

[Bearbeiten] Quelle

"Die in Herrnhuth heimgegangne verheyrathete Schwester Anna Rosiene Böhloin, verwittwete Kaulfusin geb. Ziegenbalg", In: Gemein-Nachrichten - Beylagen 1774,3 (1774) der Herrnhuter Brüdergemeine (Hrsg.) No. VII. Beylage zur 28. Woche 1774, S. 392-396.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Gersdorff, Wolf Caspar Abraham von bei Deutsche Biographie.
  2. Adressbuch von 1738/G.
  3. Adressbuch von 1740/G.
  4. Adressbuch von 1740.
  5. Adressbuch von 1740/R.
  6. Adreßbuch von 1738/R.
  7. Sohn von Wolf Kaspar von Gersdorff (1655-1705), Enkel von Erasmus von Gersdorff (1619 bis 1660), Urenkel von Abraham von Gersdorff (1582 bis 1636) und Bruder von Albertine Dorothea Elisabeth von Gersdorff (1691-1721, verheiratet von Kreckwitz) und Johann Gottlob von Gersdorff (1698-1714); GEDBAS: Nachkommen von Abraham VON GERSDORFF.
  8. Ein weiteres Kind, Anna Dorothea von Gersdorff, wurde 1751 noch recht spät geboren und verstarb 1757 noch als Kind.
  9. Nachlaß Wolf Caspar Abraham von Gersdorf/ Archiv der Evangelischen Brüder-Unität <Herrnhut> bei Kalliope-Verbund.
  10. Brief von Johann Beckmann an Wolf Caspar Abraham von Gersdorff und Sophie Gersdorf/ Archiv der Evangelischen Brüder-Unität <Herrnhut> bei Kalliope-Verbund
  11. Sächsisches Staatsarchiv, Bestand 10025: Geheimes Konsilium, Teil 097: Schulden - 097.04 Korporationen, Städte und Private (alphabetisch nach Schuldnern bzw. anderen Beteiligten), Loc. 05587/04: Des Geheimen Kriegsrats Wolf Caspar Abrahams von Gersdorff Schuldwesen (1738 bis 1754).
  12. Gemein-Nachrichten - Beylagen 1774,3 (1774) der Herrnhuter Brüdergemeine (Hrsg.) No. VII. Beylage zur 28. Woche 1774.
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