Johann Ernst Andreas von Ingenhäff
Johann Ernst Andreas von Ingenhäff, auch von Ingenhaeff (* 4. Mai 1778 in Deutschpaulsdorf; † 10. Dezember 1847 in Zittau)[1] war ein sächsischer Jurist und Staatsbeamter, zuletzt als königlich-sächsischer Amtshauptmann in Bautzen. Von Ingenhäff war Rittergutsbesitzer auf Deutschpaulsdorf, später auch auf Plotzen.
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[Bearbeiten] Familie
Johann Ernst Andreas von Ingenhäff entstammte der Adelsfamilie von Ingenhäff/ Ingenhaef/ Ingenhove, einem ursprünglich niederrheinischen Geschlecht, das seit Mitte des 16. Jahrhunderts im Herzogtum Cleve begütert war. Die Familie wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in der Oberlausitz ansässig, wo die im späteren preußischen Teil von Schlesien von 1720 bis 1761 in Quolsdorf (Kreis Rothenburg) und später, bis 1819 auch in Deutsch-Paulsdorf begütert war.[2][3] Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Ludolf von Ingenhaeff auf Bärenkamp im Herzogtum Celve. Von Ingenhäffs Urgroßvater väterlicherseits war Ludolf Albrecht Heinrich von Ingenhaeff auf Bärenkamp (1663–1720), herzoglich-Braunschweig-Wolfenbüttelscher Obrist-Lieutenant im Leibregiment, sein Großvater Johann Friedrich von Ingenhäff (1699–1761), der erste Besitzer auf Deutschpaulsdorf.
Johann Ernst Andreas von Ingenhäff war das dritte Kind und der zweite Sohn des kursächsischen Rittmeisters, späteren Kriegskreis- und nachherigen Landeskommissars des Görlitzer Kreises, Ludolph August von Ingenhäff auf Deutschpaulsdorf (* 26. Februar 1744 im Mittelherigsdorf; † 26. Januar 1782 in Deutschpaulsdorf) und dessen am 26. Dezember 1773 geheirateter Ehefrau Auguste Tugendreich Wilhelmine geb. von Rabenau (* 13. Februar 1748 in Bechern; † 20. Mai 1794 in Deutschpaulsdorf), jüngste Tochter des königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Majors der Infanterie Karl Gottlob Leopold von Rabenau auf Bechern († 1759) und dessen Ehefrau Johanne Henriette geb. von Bibra aus dem Hause Groß-Zetersdorf und Oberbobrisch († 1766). Von Ingenhäff ließ 1775 das Herrenhaus in Deutschpaulsdorf mit den Wappen seiner Familie und derer von Rabenau. Von Ingenhäff hatte noch fünf Geschwister, wovon außer ihm noch zwei noch bei dem Tod der Mutter lebten:[4]
- Juliane Auguste Wilhelmine von Ingenhäff (* 2. August 1779 in Deutschpaulsdorf; † 1826 in Pirna) ⚭ Hans Rudolf Wolf von Nostitz, königlich-sächsischer Oberstleutnant der Kavallerie († 1840),
- Friederike Ludolphine Tugendreich von Ingenhäff (* 22. Januar 1782 in Deutschpaulsdorf; † 15. Februar 1839) ⚭ 1802 Johann Wilhelm August von Kyaw (1775–1828), königlich-sächsicher Kammerjunker.[5]
Johann Ernst Andreas von Ingenhäff heiratete am 10. Dezember 1800 in Nürnberg Juliane geb. von Zwanziger (1781–1848). Das Ehepaar von Ingenhäff hatte folgende sieben Kinder:
- Marie Henriette Julie Ernestine von Ingenhäff (* 7. Februar 1802 in Görlitz; † 25. November 1849 in Zittau),
- Wilhelmine Ludolphine Julie Hermandine von Ingenhäff (* 6. Mai 1803; †)[6] und
- Luise Julie Ernestine von Ingenhäff (* 15. Dezember 1807 in Görlitz; † 21. Februar 1875 in Dresden),
- Kamilla Johanna Julia von Ingenhäff (* 29. November 1810 in Görlitz; † 30. Oktober 1884 in Marienbad/ Böhmen)[7][8] ⚭ 1842 Georg Job von Carlowitz (1806–1866), königlich-sächsischer Generalmajor, Kommandeur der 2. Infanteriebrigade Prinz Georg, gestorben nach der Schlacht bei Königgrätz im Deutschen Krieg.[9]
- Ludolph Arthur Silvio von Ingenhäff (* 3. Dezember 1812 in Deutschpaulsdorf; † 28. Juni 1876 in Innsbruck), studierte und erhielt ein ritterschaftliches Landesstipendium der Oberlandesregierung der Oberlausitz.[10] Wurde am 9. April 1840 durch den Großherzog Wikipedia: Ludwig II. von Hessen in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Zu dieser Zeit war er Herr auf Deutschneudorf und Oberleutnant in der kaiserlich-österreichischen Armee. Er wurde als kaiserlich-österreichischer Major pensioniert.[11][12] ⚭ 1. 1847 Antonie Maria Cappellari della Colomba (1825–1850), ⚭ 2. 1852 Maria Theresia Cappellari della Colomba (* 1832), Kinder aus 2. Ehe, u.a. Adolph Albert Ernst Maria Freiherr von Ingenhaeff (1852–1931).
- Fanny Julie Ernestine von Ingenhäff (* 24. Mai 1816 in Görlitz; † 25. Dezember 1868 in Nieder-Berbisdorf, Kreis Liegnitz) ⚭ Friedrich Wilhelm Tschörtner (1804–1879), Rittergutsbesitzer auf Ober- und Nieder-Berbisdorf bei Hirschberg in Schlesien.
- Gabriele Julie Clara von Ingenhäff (* 12. August 1824 in Bautzen; † 10. Januar 1908 in Dresden) ⚭ 1850 Wilhelm August Friedrich von Döring, zu dieser Zeit königlich-sächsischer Hauptmann im 11. sächsischen Infanterie-Bataillon,[13][14] zuletzt Oberstleutnant a.D. (außer Dienst)
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Johann Ernst Andreas von Ingenhäff schlug anfangs wie sein Vater eine militärische Karriere in der Kavallerie der sächsischen Armee ein. Er trat als Kadett in die sächsische Armee ein und wurde Anfang 1797, noch mit 18 Jahren Kornett, der damalige Rang eines Offiziersanwärtes.
Von Ingenhäff erhielt am 29. Juni 1797 sein Offizierspatent im ersten Leutnantsdienstgrad, als Sous-Lieutenant, mit einer Anstellung im Regiment „Kurfürst Kürassiers“ mit den damaligen Standquartieren in Dippoldiswalde, Oederan, Marienberg und Rßwein mit Etzdorf. Kommandeur dieses kursächsischen Kavallerieregiments war zu dieser Zeit der Generalmajor Albrecht Friedrich von Malmberg, der die Einheit seit 1795 kommandierte. Von Ingenhäff diente nur knapp drei Jahre in diesem Kavallerieregiment. Mit Wirkung vom 13. Juni 1800 wurde von Ingenhäff als Sous-Lieutenant aus dem Kürassierregiment Kurfürst mit der Erlaubnis des Tragens der Armeeuniform in der Öffentlichkeit entlassen.
1803 wird von Ingenhäff als kurfürstlich-sächsischer Leutnant der Kavallerie und Rittergutsbesitzer auf Deutschpaulsdorf bei der Geburt seiner älteren Tochter erwähnt. Anschließend schlug von Ingenhäff eine Laufbahn an Staatsdiener ein.
Mit königlichem Mandat vom 12. März 1821 über die neuen Verfassungs- und Verwaltungseinrichtungen in der Oberlausitz wurde neben der Bildung der Oberamtsregierung als Oberbehörde in Regierungsangelegenheiten auch die Amtshauptmannschaft für das Marggraftum Oberlausitz als Mittelbehörde in Regierungsangelegenheiten gebildet. Diese Behörde übernahm die Aufgaben der Landeshauptmannschaft für das Markgraftum Oberlausitz, die damit aufgelöst wurde. An der Spitze der neuen Amtshauptmannschaft stand der Amtshauptmann des Markgraftums Oberlausitz. Er hatte von seinem Gehalt einen Sekretär und einen Kopisten zu halten. Mit königlichem Dekret wurde am 31. März 1821 Johann Ernst Andreas von Ingenhäff verpflichtet. Als solcher ist er erstmals im königlich-sächsischen Staatskalender von 1821 verzeichnet. Sein damaliger Sekretär war Friedrich August Schurig.[15]
Erst 1825 erfüllte von Ingenhäff mit dem Kauf des Rittergutes Plotzen die Auflage der Landstände, dass der Amtshauptmann stets ein mit einem landtagsfähigen Rittergut ansässiger Adliger sein soll. 1827 wurde von Ingenhäff mit einem königlichen Lehnbrief Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Plotzen. Ingenhäff war während seiner Amtszeit als Amtshauptmann auch königlicher Kommissar an der Baugewerkenschule in Zittau.[16]
1832 wurde von Ingenhäff Wahlkommissar für den dritten ländlichen Wahlbezirk der Oberlausitz. Von Ingenhäff's Verdienst in seiner Amtszeit als Amtshauptmann war es, dass an den Chausseen der sächsischen Oberlaustz von 1821 bis 1834 insgesamt über 17.500 Oberstbäume gepflanzt wurden,[17] die damals zur Grundversorgung der Bevölkerung genutzt wurde. Mit Bildung der neuen Amtshauptmannschaften im Jahr 1835 übernahm von Ingenhäff die Stelle des Amtshauptmannes der Zweiten Amtshauptmannschaft des neu geschaffenen Budissinischen Kreisdirektionsbezirkes in Zittau. In den letzten Amtsjahren musste von Ingenhäff mindestens zwei juristische Prozesse am königlichen Landgericht Löbau, nach Anklagen gegen ihn führen:
- von 1843 bis 1845 einen Prozess durch den Inspektor Paul Traugott Schwabe gegen den Amtshauptmann von Ingenhäff in Zittau wegen Beleidigung,[18]
- von 1844 bis 1845 einen Prozess des Stadtrates zu Löbau gegen Amtshauptmann Johann Ernst Andreas von Ingenhäff in Zittau wegen Beleidigung.[19]
1845 wurde Ingenhäff unter Beibehaltung seines Titels und Ranges als Amtshauptmann a.D. (außer Dienst) in den Ruhestand versetzt und erhielt eine gesetzliche Pension. Von Ingenhäffs Nachfolger im Amt als Amtshauptmann der Zweiten Amtshauptmannschft der Oberlausitz wurde George Heinrich von Carlowitz.[20]
Von Ingenhäff war Mitglied im Freimaurerbund und seit 1810 Mitglied der Freimaurer-Loge zu Bautzen.
[Bearbeiten] Quellen
- Genealogie teilweise aus:
- Familie von Ingenhaeff zu Beerenkamp, Datensatz auf MyHeritage, Familie von Ingenhaeff zu Beerenkamp, Webmaster Alexander von Ingenhaeff-Beerenkamp, Anmeldung erforderlich.
- Preußens Schwertadel: 1871–1896, Ein genealogisches Handbuch, Berlin 1897, Digitalisat im Internet Archive, S. 104ff.
- Geschichte und gegenwaertiger Zustand der Kursaechsischen Armee, Digitalisierte Bände, 1797 bis 1800.
- Ingenhäff in Allgemeines Handbuch der Freimaurerei zweite völlig umgearbeitete Auflage von Lenning's Encyklopädie der Freimaurerei, Honolulu-Pythagoras, Band 2, 1865, Digitalisat auf Google Books, S. 32.
- Archivale 50545 Amtshauptmannschaft für die Oberlausitz im Staatsfilialarchiv Bautzen
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Todesfälle in: Zeitschrift für Rechtspflege und Verwaltung, zunächst für das Königreich Sachsen, Band 7, 1848, Digitalisat auf Google Books, S. 562.
- ↑ Ingenhäff in: J. Siebmachers grosses und allgemeines Wappenbuch..., 6. Band, 3. Teil: Der abgestorbene Adel der Preussischen Provinz Schlesien, Nürnberg 1894, Digitalisat auf Google Books, S. 139.
- ↑ Deutsch-Paulsdorf in: Dr. Richard Jecht (Hrsg.): Neues Lausitzisches Magazin, Im Auftrage der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften..., 68. Band, Görlitz 1892, Digitalisat auf Google Books, S. 298.
- ↑ Lausizische Monatsschrift, Görlitz 1794, Erstes bis Sechstes Stück, 1. Teil, Band1, Digitalisat auf Google Books, S. 374f.
- ↑ Heinricn Rudolph von Kyaw: Familien-Chronik des adeligen und freiherrlichen Geschlechtes von Kyaw, Leipzig 1870, Digitalisat auf Google Books, S. 212f.
- ↑ Neue Lausitzische Monatsschrift, 1803, Digitalisat auf Google Books, S. 377.
- ↑ Von Ingenhäff, Datensätze auf Ancestry.
- ↑ Bernd Philipp Schröder: Die Generalität der deutschen Mittelstaaten 1815-1870, Band 2, 1984, Snippet Ansicht auf Google Books, S. 1005.
- ↑ Von Carlowitz in Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter, Band 6, 1881, Digitalisat auf Google Books, S. 67.
- ↑ Archivale 50001, Landstände der sächsischen Oberlausitz, Datensatz im sächsischen Staatsarchiv.
- ↑ Justus Perthes (Hrsg.): Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Gotha 1865, 15. Jahrgang, Digitalisat auf Google Books, S. 469.
- ↑ Justus Perthes (Hrsg.): Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Gotha 1877, 27. Jahrgang, Digitalisat auf Google Books, S. 986.
- ↑ Vermählungsanzeige in Leipziger Zeitung, 1850, Digitalisat auf Google Books, S. 6412.
- ↑ Rangliste der Königlich-Sächsischen Armee, 1850, Digitalisat der SLUB, S. 79.
- ↑ Königlich Sächsischer Hof-, Civil- und Militär-Staat auf das Jahr 1821, Digitalisat auf Google Books, S. 207.
- ↑ Friedrich Lindemann: Programm der Königl. Gewerbschule und Baugewerkenschule zu Zittau..., Zittau 1846, Digitalisat auf Google Books, S. 20.
- ↑ Ernst Köhler: Die Geschichte der Oberlausitz vom Jahre 1815 bis zur Gegenwart, Görlitz 1868, Digitalisat auf Google Books, S. 52.
- ↑ Archivale 50277, Königliches Landgericht Löbau im Sächsischen Staatsarchiv.
- ↑ Archivale 50277, Königliches Landgericht Löbau im Sächsischen Staatsarchiv.
- ↑ Georg Heinrich von Carlowitz in Nekrologe in: Neues lausitzisches Magazin, Zeitschrift der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Band 34, 1858, Digitalisat auf Google Books, S. 514.