Heinrich von Wolfersdorff
Heinrich von Wolfersdorff, auch von Wolffersdorff (* 1715 in Kleingedulla bei Lützen; † 3. Juni 1791 in Leipzig)[1] war ein königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Offizier, zuletzt als Chef und Inhaber eines Infanterieregiments im Rang eines Generalmajors.
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[Bearbeiten] Familie
Heinrich von Wolfersdorff entstammte der uradeligen, thüringisch-vogtländischen Familie von Wolfersdorf/Wolfersdorff/Wolffersdorff, die nach dem gleichnamigen Ort bei Weide im Vogtland benannt ist. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Hans von Wolffersdorff. Bereits Goetze von Wolffersdorff (1436–nach 1487) war kursächsischer Rat und Marschall, dessen Enkel Jobst von Wolffersdorff (1516–1555) markgräflich-meißnischer Rat und Rittmeister. Heinrich Erdmann von Wolffersdorff auf Klein-Waltersdorf (1698–1756 war königlich-polnischer und kursächsischer Kammerherr und Oberlandfischmeister. Aus dem zweiten Haus des ersten Hauses der Familie war Hans Dietrich Gottlob von Wolffersdorff auf Klein-Waltersdorf (1734–1782) kursächsischer Kreishauptmann und Oberlandfischmeister. Vom zweiten Zweig der Familie stammt Gottfried von Wolfersdorf auf Wolfersdorf, Entschütz, Kulmitzsch, Mosen, Dölitz, Molsdorf und Markröhlitz († 1676), kursächsischer Geheimer Rat, Inspedktor der Landes- und Fürstenschule in Schulpforta, Oberhoffsgerichtsassessor zu Leipzig und fürstlich-Sachsen-Weißenfelser Hauptmann. Aus diesem zweiten Ast stammt Hans Friedrich von Woffersdorff auf Kulmitzsch und Scherbitz (1639–1691), Hausmarschall zu Quedlinburg, herzoglich-Sachsen-Weimarischer Hof- und Justizrat, Kammerdirektor und Hofgerichtsassessor in Jena. Aus der zweiten Linie der Familie stammt der kursächsische Generalmajor der Kavallerie, Friedrich Albrecht von Wolffersdorff auf Bornsdorf und Promnitz.
Der königlich-polnische und kurfürstlich-sächsische Oberhofjägermeister, Direktor und Oberinspektor sämtlicher Flöße, Otto Ludwig von Wolfersdorff auf Gröditz wurde von dem polnischen König und sächsischen Kurfürsten August III. 1741 in den Reichsgrafenstand erhoben.
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Heinrich von Wolfersdorff schlug wie viele Familienmitglieder eine militärische Karriere in der sächsischen Armee ein. Er trat 1730, mit 15 Jahren als Kadett in die kursächsische Armee ein und wurde noch im gleichen Jahr zum Unteroffizier ernannt. 1731, mit 16 Jahren erhielt er seine Bestallung als Portepee-Fähnrich und wurde damit Offiziersanwärter.
1733, bereits mit 18 Jahren erhielt von Wolfersdorff sein Offizierspatent im ersten Leutnantsdienstgrad als Sous-Lieutenant in der sächsischen Infanterie. Drei Jahre später, 1736 wurde er zum Premier-Lieutenant befördert. 1744 erhielt er den Dienstgrad eines Kapitäns der Infanterie, was dem heutigen Dienstgrad eines Hauptmannes entsprach. Damit übernahm von Wolfersdorff auch eine Grenadierkompanie als Kommandeur. In dieser Dienststellung verblieb er über 15 Jahre.
1760, mit 45 Jahren wurde von Wolfersdorff Stabsoffizier im Dienstrang eines Majors. Damit wurde er auch Kommandeur eines Infanteriebataillons. In dieser Dienststellung wurde er 1777 zum Obrist-Lieutenant (Oberstleutnant) befördert. Mit diesem Dienstrang war er weiterhin Kommandeur seines Infanteriebataillons, aber auch stellvertretender Kommandeur des Regiments bei Abwesenheit des Regimentskommandeurs.
Am 13. Februar 1781 ernannte der sächsische Kurfürst Friedrich August der Gerechte von Wolfersdorff unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberst zum neuen Regimentskommandeur im Infanterieregiment von Generalmajor Johann Ludwig Edler von LeCoq. Dieser hatte das Regiment 1778 mit den Standquartieren in Döbeln, Wurzen, Grimma und Leisnig übernommen. Von Wolfersdorff übernahm die Dienststellung als Regimentskommandeur von dem damaligen Oberst Heinrich Adolph von Boblick, der im Januar 1781 als Kommandeur zum Infanterieregiment „Prinz Xaver“ versetzt wurde.
Nachdem der bisherige Kommandeur des kursächsischen Infanterieregiments „Prinz Anton“, Gottlob Wilhelm Bernhard von Langenau zum Generalmajor und Generalinspektor der sächsischen Armee ernannt wurde, wurde von Wolfersdorff 1784 als Regimentskommandeur zu diesem Regiment versetzt. Das Regiment war in den Standqartieren Großenhain, Kirchhain, Doberlug und Kamenz disloziert. Als Regimentskommandeur ist von Wolfersdorff am 5. Oktober 1788 auch, zusammen mit „Frau Hauptmannin Sigismund Alexander von Stutterheim geb. von Brietzke...“ als Taufpaten im Kirchenbuch zu Großenhain nachgewiesen.[2] Von Stutterheim war ein Stabskapitän (Hauptmann) in der Ganison in Großenhain, wo der Stab und das 1. Bataillon des Regiments Prinz Anton untergebracht war.
Nachdem der bisherige Inhaber des Infanterieregiments, Generalmajor Carl Heinrich von Reitzenstein zum Gouverneur von Leipzig im Rang eines Generalleutnants ernannt wurde, wurde von Wolfersdorff am 30. Dezember 1790 vom sächsischen Kurfürsten unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor neuer Chef und Inhaber des ehemaligen Reitzensteinischen Infanterieregiments mit den Standquartieren in Leipzig - wo auch der Stab der Einheit war, Eilenburg und Delitzsch. Damit trug das Regiment nun den Namen „Heinrich von Wolfersdorff“. Das Regiment wurde 1748 aufgestellt und hatte als ersten Chef den Generalmajor Graf Entremont de Bellegarde. Regimentskommandeur war zur Zeit der Übernahme durch von Wolfersdorff der sächsische Oberst Hans Rudolph von Wiedemann.
Von Wolfersdorff war nur reichlich fünf Monate Chef des sächsischen Regiments. Nach seinem Tod im Alter von 76 Jahren ernannte der sächsische Kurfürst Siegmund Friedrich August von der Heyde zum Nachfolger von Wolfersdorff in der Dienststellung als Regimentschef. Damit trug das Infanterieregiment nun dessen Namen.
[Bearbeiten] Quellen
- Genealogie aus: Jahrbuch des deutschen Adels, Band 3, 1899, Digitalisat auf Google Books, S. 814ff.
- Geschichte und gegenwaertiger Zustand der Kursaechsischen Armee, Digitalisierte Bände, 1783 bis 1792.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Nachträge aus dem Monat Junius 1791 in: Geschichte und gegenwaertiger Zustand der Kursaechsischen Armee, 1791, Digitalisat der SLUB, (S. 242)
- ↑ Heinrich Erwin Ferdinand von Feilitzsch: Zur Familiengeschichte des deutschen insonderheit des meissnischen Adels von 1570 bis ca. 1820, Kirchenbuch-Auszüge der ganzen Ephorie Grossenhain, 1896, Digitalisat auf Google Books, S. 320 u. 359.