Heinrich Schmidt
Heinrich Schmidt (* 1789 in Eckartsberga; † 4. Juni 1860 in Dresden)[1] war ein königlich-sächsischer Artillerieoffizier und General, u.a. als Kommandeur der sächsischen Train-Brigade im Rang eines Obersts der Artillerie, zuletzt als Kommandeur des sächsischen Artilleriekorps mit dem Stabssitz in Dresden im Rang eines Generalmajors.
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[Bearbeiten] Familie
Heinrich Schmidt entstammte der sächsischen Familie Schmidt. Sein Großvater war evangelisch-lutherischer Pfarrer zu Teichwolframsdorf bei Werdau.
Schmidt war der Sohn des Juristen und kursächsischen, zuletzt königlich-sächsischen Beamten Traugott Heinrich Schmidt (* 17. August 1738 in Teichwolframsdorf bei Werdau; † 1806 in Eckartsberga).[2] Schmidt's Vater erhielt seine högere Schuldbildung vom 8. September 1752 bis zum 19. September 1758 in der sächsischen Landes- und Fürstenschule Schulpforta bei Naumburg, wurde 1763 Vizeaktuar in Eckartsberga, erhielt 1765 seine Zulassung als Advokat (Rechtsanwalt), zuletzt Gerichtsdirektor, Bürgermeister, 1783 Assistenzinspektor[3] und seit 1784 General-Akzise-Inspektor zu Eckartsberga,[4] was er bis zu seinem Tod blieb. 1785 erhielt sein Vater eine Bürgschaft des Rittergutsbesitzers Ernst Friedemann von Münchhausen über 4000 Taler als Kurator des geisteskranken Otto Ludwig von Bodenhausen zu Niedertrebra.[5] Schmidt's Bruder war:
- Friedrich Wilhelm Schmidt (1786–1846), königlich-preußischer Oberstleutnant und Archäologe.
Heinrich Schmidt heiratete Camilla Gau,[6] die ebenfalls aus einer Artillerie-Offiziersfamilie stammte[7] und Tochter des 1799 verstorbenen Artillerie-Stabskapitäns Andreas Christoph Gau.[8] Das Ehepaar hatte keine Kinder. Schmidt's Witwe zog nach seinem Tod in die Königstraße 20.[9]
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Heinrich Schmidt erhielt wie sein Vater seine höhere Schulbildung an der sächsischen Landes- und Fürstenschule in Schulpforta bei Naumburg. Er trat am 2. Juni 1803, mit 14 Jahren, in das das sogenannte Pförtner-Gymnasium ein, das er bis 1809 besuchte.[10] Zwischenzeitlich - nach der für Sachsen verlorenen Doppelschlacht bei Jena und Auerstädt, am Beginn der Napoleonischen Kriege in Sachsen, trat Schmidt als gemeiner Soldat und Kanonier[11] in die sächsische Armee ein. Nach seiner Reifeprüfung am 25. März 1809, die er allerdings nicht im Dresdner Kadettenhaus der sächsischen Armee, sondern wieder in Schulpforta ablegte, wurde Schmidt noch im gleichen Jahr zum Unteroffizier im sächsischen Artilleriekorps ernannt. Noch im gleichen Jahr nahm er als junger Unteroffizier am Feldzug gegen Österreich teil,[12] nachdem sich das von Napoleon Bonaparte zum Königreich erhobene Sachsen mit der französischen Armee verbündet hatte.
Am 12. Juni 1810, mit etwa 21 Jahren, erhielt Schmidt sein Offizierspatent im ersten Leutnantsdienstgrad als Sous-Lieutenant mit einer Anstellung im Feldartillerieregiment in Dresden. Damaliger Chef des sächsischen Artilleriekorps war Johann Anton Friedrich Birnbaum, der erst wenige Wochen vorher im April 1810 zum Oberst befördert wurde. Schmidt ist erstmals im Dresdner Adress-Kalender von 1811 im Haus 192 in der Ritterstraße in der Dresdner Neustadt, nahe der damaligen Armeekasernen, verzeichnet.[13] Ein Jahr später ist er zusammen mit dem Artillerieleutnant Ferdinand Ludwig Bucher im Haus 218 in der Großen Klostergasse zu finden.[14]
Schmidt nahm an mehreren Feldzügen in den Napoleonischen Kriegen teil, u.a. am Russlandfeldzug 1812. Für seine Tapferkeit in der Schlacht bei Podobna am 31. Juli 1812 erhielt er „in Anerkennung seines tapferen Verhaltens in den letzten Feldzügen, insbesondere bei Podobna“ den höchsten militärischen Orden des Königreiches Sachsen, den Militär-St.-Heinrichs-Orden. Zurückgekehrt nach Sachsen, nahm Schmidt an der Völkerschlacht bei Leipzig, sowie am bis 1815 erfolgten Feldzug der Allierten gegen Frankreich teil. Dort verblieb Schmidt auch beim mobilen Korps der sächsischen Armee im Norddepartement als Teil der in Frankreich verbliebenen Besatzungstruppen, wo er der dienstälteste Sous-Lieutenant der sächsischen Artilleriebrigade war.
Am 23. Juni 1818 wurde Schmidt in Frankreich beim mobilen sächsischen Armeekorps zum aggregierten (dem Etat überzähligen) Premier-Lieutenant befördert, womit er auch stellvertretender Kommandeur einer sächsischen Batterie wurde. Im gleichen Jahr kehrte er nach dem Ende der Besatzungszeit in Frankreich nach Dresden zurück. Diesmal zog er in den Neuen Anbau, das Haus 113 in der Budissiner Straße,[15] ein Jahr später in das Haus 161 am Niedergraben in der Inneren Neustadt. 1820 wurde Schmidt zur reitenden Artilleriebrigade mit den Standorten in Radeburg und Großdittmannsdorf versetzt.
Ende 1823, zu dieser Zeit noch dienstältester Premierleutnant in der reitenden Artilleriebrigade, wurde Schmidt - mit der weiteren Erlaubnis zum Tragen der Artillerieuniform - zum Train-Bataillon versetzt, womit er wieder nach Dresden kam. Kommandeur des Trainbataillons war zu dieser Zeit der Major der Kavallerie, Christian Ehrenfired Seifert von Tennecker. Diesmal zog Schmidt in eine Wohnung Auf der Baier.[16] In seiner Dienststellung als stellvertretender Kommandeur des Trainbataillons wurde Schmidt am 16. Juli 1827 zum Artillerie-Capitän (Hauptmann 2. Klasse) befördert.
Ende 1830 übernahm Schmidt - weiterhin im Rang eines Hauptmannes, dann auch Capitän 1. Klasse - als neuer Kommandeur das sächsische Trainbataillon. 1832 wohnte er in einer Wohnung im zweiten Obergeschoss im Haus 198 in der Breiten Gasse,[17] 1838 dann im Haus 105 in der Rähnitzgasse,[18] der späteren Rähnitzgasse 16. In seiner Dienststellung als Bataillonskommandeur wurde Schmidt am 14. Dezember 1838 zum Major befördert. 1841 zog Schmidt in die Königstraße 5,[19] 1844 dann wieder in die Antonstadt, in den Unteren Kreuzweg 3,[20] 1847 dann in die Bautzner Straße 5,[21] wo er bis zum Ende seines Lebens wohnte.
Nachdem seine Einheit zur Trainbrigade aufgestockt wurde, erhielt Schmidt am 19. Dezember 1846 seine Beförderung zum Oberstleutnant und am 4. April 1849 zum Oberst. Als Kommandeur der sächsischen Train-Brigade kommandierte er in Friedenszeiten 190 Soldaten und 102 Pferde. Im Falle eines Krieges kamen noch einmal 52 Mann als Kriegsreserve dazu. Nachdem der bisherige Kommandeur des sächsischen Artilleriekorps, der erst im März 1849 zum Generalmajor beförderte Franz Leopold Homilius beim Dresdner Maiaufstand im gleichen Jahr durch seine erlittene Verwundung starb, wurde Heinrich Schmidt vom sächsischen König Friedrich August II. zum neuen Kommandeur des sächsischen Artilleriekorps ernannt. In dieser Dienststellung wurde Schmidt am 3. Januar 1850 zum Generalmajor befördert.
Schmidt wurde 1852 aufgrund seines eigenen Ersuchens, unter Fortzahlung einer gesetzlichen Pension und der Erlaubnis des Tragens der Generalsuniform in der Öffentlichkeit im Rang eines Generalmajors a.D. (außer Dienst) pensioniert. Sein Nachfolger in der Dienststellung als Kommandeur des sächsischen Artilleriekorps wurde Julius Anton Törmer. Für seine Verdienste erhielt Schmidt beim Abschied aus dem aktiven Dienst der sächsischen Armee, nach über 45 Jahren Dienstzeit mit dem Komturkreuz des Verdienstordens eine der höchsten Ordensstufen des Königreiches Sachsen.
Heinrich Schmidt verstarb am Mittag des 4. Juni 1860 gegen 13 Uhr nach mehrtägigen Krankenbett als Folge einer Lungenentzündung im 71. Lebensjahr, In der Leipziger Zeitung erschien dazu eine Todesanzeige.[22]
[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)
- 4. September 1812: Ritterkreuz des königlich-sächsischen Militär-St.-Heinrichs-Ordens
- 1852: Komturkreuz des königlich-sächsischen Verdienstordens
[Bearbeiten] Quellen
- Stamm- und Ranglisten der Königlich Sächsischen Armee, 1809–1849, Digitalisat der SLUB
- Stamm- und Ranglisten der Königlich Sächsischen Armee, 1850–1860, Digitalisat der SLUB
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Datensatz auf Ancestry.
- ↑ Churfürstlicher Sächsischer Hof- und Staats-Calender auf das Jahr 1806, Digitalisat auf Hathi Trust, S. 148, mit dem Vermerk seines Todes.
- ↑ Churfürstlicher Sächsischer Hof- und Staats-Calender auf das Jahr 1784, Digitalisat auf Google Books, S. 141.
- ↑ Max Hoffmann: Pförtner Stammbuch 1543-1893 zur 350jährigen Stiftungsfeier der königlichen Landesschule Pforta, 1893, Digitalisat auf Google Books, S. 250.
- ↑ Datensatz im Landesarchiv Sachsen-Anhalt.
- ↑ Bernd Philipp Schröder: Die Generalität der deutschen Mittelstaaten 1815-1870, Band 2, 1984, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 1097.
- ↑ Woldemar Constantin Gau war in den 1840 er Jahren Brigadekommandeur im Artilleriekorps im Rang eines Majors.
- ↑ Nachlass des in Frankenberg verstorbenen Capitains Andreas Christoph Gau, 1799-1801, Datensatz im Hauptstaatsarchiv Dresden, Archivale 11330.
- ↑ Adressbuch Dresden 1861, S. 189, SLUB.
- ↑ Max Hoffmann: Pförtner Stammbuch 1543-1893 zur 350jährigen Stiftungsfeier der königlichen Landesschule Pforta, 1893, Digitalisat auf Google Books, S. 326.
- ↑ Illustrierter Kalender für 1860, Jahrbuch der Ereignisse, Leipzig 1860, Digitalisat auf Google Books, S. 57.
- ↑ Gustav von Schubert: Lebenserinnerungen von Gustav von Schubert Kgl. Sächs. Generalleutnant, Band 1, 1909, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 46.
- ↑ Dresdner Adress-Kalender 1811, S. 90, SLUB.
- ↑ Dresdner Adress-Kalender 1812, S. 88, SLUB.
- ↑ Dresdner Adress-Kalender 1819, S. 74, SLUB.
- ↑ Dresdner Adress-Kalender 1824, S. 80, SLUB.
- ↑ Dresdner Adress-Kalender 1832, S. 220, SLUB.
- ↑ Dresdner Adress-Kalender 1838, S. 216, SLUB.
- ↑ Dresdner Adress-Handbuch 1842, S. 240, SLUB.
- ↑ Dresdner Adress-Handbuch 1845, S. 253, SLUB.
- ↑ Dresdner Adreß-Handbuch 1848, S. 87, SLUB.
- ↑ Leipziger Zeitung Amtsblatt des Königlichen Landgerichts und des Königlichen Amtsgerichts Leipzig sowie der Königlichen Amtshauptmannschaft Leipzig, 1860, Ausgabe 4/6, Digitalisat auf Google Books, S. 2794.