Hans Rudolph von Wiedemann

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Wappen der Adelsfamilie von Wiedemann

Hans Rudolph von Wiedemann, auch Hanns Rudolph von Wiedemann (* 1734 in Neustadt an der Orla; † 12. August 1795 in Käfertal bei Mannheim)[1] war ein königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Offizier und General, zuletzt als Chef eines sächsischen Infanterieregiments in der Oberlausitz im Rang eines Generalmajors.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Familie

Hans Rudolph von Wiedemann entstammte der adligen und ursprünglich dem schlesischen Adel zugehörigen,[2] dann später in Böhmen und Mähren freiherrlichen Familie Widmann/Widemann/Wiedemann. In der sächsischen Linie der Familie (von) Wiedemann, wie sie sich nach der Adelserhebung nannte, sind bekannt:

Von Wiedemann war der Sohn seines gleichnamigen Vaters, Hanns Rudolph (von) Wiedemann zu Döhlen bei Arnshaugk, der 1740 als "Capitain" (Hauptmann) ebenfalls in der sächsischen Leibgrenadiergarde (damals Chevalier Garde) diente und ein Haus in Friedrichstadt hatte.[6] Sein Vater ist noch 1741 als königlich-polnischner und kursächsischer Capitain nachgewiesen.[7] Von Wiedemann hatten noch mehrere Geschwister, u.a. die älteste Schwester:

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Hans Rudolph von Wiedemann entschied sich für eine Karriere in der königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Armee, in die er 1748, mit 14 Jahren als Kadett eintrat. Ein Jahr später, 1749 wurde er zum Unteroffizier ernannt, 1752 erhielt er seine Bestallung als Portepee-Fähnrich in der sächsischen Infanterie. Damit wurde er auch Offiziersanwärter.

Erst 1759, mit 25 Jahren erhielt von Wiedemann sein Offizierspatent im ersten Leutnantsdienstgrad als Sous-Lieutenant. Bereits ein Jahr später, 1760 wurde er zum Premier-Lieutenant befördert, womit er auch stellvertretender Kommandeur seines Kompaniechefs wurde. 1762 erhielt er selbst den Dienstgrad eines Kapitäns, das dem heutigen Dienstgrad eines Hauptmannes entsprach, womit er als Kommandeur nun selbst eine Grenadierkompanie übernahm. In dieser Dienststellung verblieb er 13 Jahre.

1775 wurde von Wiedemann Stabsoffizier im Rang eines Majors der Infanterie, am 3. August 1782 dann Oberstleutnant der kursächsischen Leibgrenadiergarde, die 1729 vom damaligen polnischen König und sächsischen Kurfürsten August der Starke errichtet wurde und fortan in der Residenzstadt Dresden stationiert war. Seit dem 1772 erfolgten Tod des damaligen Generals der Infanterie, Fürst Lubomirski gab es keinen Chef des Regiments mehr. Das heißt, das Regiment unterstand direkt dem sächsischen Kurfürsten. Nach dem 1782 erfolgten Tod des Obersts von Gondé, war seit dem 4. August 1782 der ursprünglich aus Irland stammende sächsische Oberst Christoph Graf d'Alton der Kommandeur der Leibgrenadiergarde, dessen Stellvertreter von Wiedemann nun ab 1782 war.

Nach dem Tod von Hans Gottlob von Ziegler und Klipphausen ernannte der sächsische Kurfürst Friedrich August der Gerechte am 17. März 1787 von Wiedemann unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberst zum neuen Kommandeur des ehemaligen Bennigschen Infanterieregiments des Regimentschefs, Generalmajors Carl Heinrich von Reitzenstein.[9] Das Regiments befand sich in Friedenszeiten in den Standquartieren Leipzig, Eilenburg und Delitzsch. Noch im gleichen Jahr wurde von Wiedemann als Armbrustschütze Mitglied der Leipziger Schützengesellschaft.[10]Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender auf das Jahr 1788, 1788, Von Wiedemann ist erstmals ols Obrist (Oberst) im kurfürstlich-sächsischen Hof- und Staatskalender von 1788 verzeichnet.[11] Nachdem von Wiedemanns Chef, Generalmajor von Reitzenstein 1790 Generallautnant und Gouverneur von Leipzig wurde, erhielt von Wiedemann ab dem 30. Dezember 1790 mit Heinrich von Wolfersdorff einen neuen Regimentschef. Von Wiedemann sebst verblieb weiter in der Dienststellung als Regimentskommandeurs.

Nach dem Tod seines Chefs von Wolfersdorff wurde von Wiedemann am 2. Juli 1791 als Kommandeur und weiterhin als Oberst zum Infanterieregiment „Prinz Clemens von Sachsen“ versetzt.[12] Der sächsische Prinz und Kurfürst von Trier war seit 1746 Besitzer des sächsischen Regiments. Das Regiment war in den Garnisonen Langensalza, Tennstädt, Weißensee und Thamsbrück untergrebracht, heute alles Orte in Thüringen. Von Wiedemann erhielt 1793 als Kommandeur des Infanterieregiments „Prinz Clemens“ für seine Verdienste den preußischen Verdienstorden.

Nachdem der bisherige Regimentschef Generalmajor Wolf Reinhard von Hartitzsch 1794 verstorben war, ernannte der sächsische Kurfürst am 15. November 1794 von Wiedemann unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor zum neuen Chef und Inhaber des ehemaligen Hartitzschen Infanterieregiments. Kommandeur dieses Regiments war Oberst Heinrich Anton von Biela. Das war in den Standquartieren Bautzen, Görlitz, und Zittau disloziert.

Am 21. Januar 1795 erging die kurfürstliche Order, dass sich das seit 1793 am Rhein befindliche kursächsische Reichskontingent bis zum 26. Januar in marschfertigen Zustand zu setzen habe, da es von anderen sächsischen Truppen abgelöst werden sollte. Das neue Kontingent der sächsischen Truppen bestand aus zwei Kolonnen. Die erste Kolonne stand unter dem Kommando von Generalmajor Joseph Franz von Rosler, die zweite Kolonne wurde von Generalmajor von Wiedemann kommandiert.[13] Am 8. und 10. Februar 1795 zog die 2. Kolonne mit über 2.000 Soldaten durch die damals sächsische Stadt Coburg.[14] Am 19. Februar kam das neue sächsische Rheinkontingent u.a. in Hanau an, wo es in der Nähe auch Quartier bezog.[15] Hauptquartier des sächsischen Truppenkorps war Wiesbaden.[16]

Von Wiedemann starb während diese zweiten Rheinfeldzuges der sächsischen Armee am 12. August 1795 unweit von Mannheim an Entkräftung und dem damals verbreiteten Faulfieber (Typhus), der sogenannten "Kriegspest".[17] Sein Tod wurde auch zwei Tage später in der Hanauer Zeitung veröffentlicht.[18] Von Wiedemanns Nachfolger als Regimentschef wurde am 25. August 1795 der damalige Generalmajor Wilhelm Hanns Christoph Freiherr von Niesemeuschel.[19]

[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

  • III Wiedemann in Meißen in: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste..., 1748, Digitalisat auf Google Books, p. 1869.
  • Widmann in: Johann Friedrich Gauhe: Des Heil. Röm. Reichs Genealogisch-Historischen Adels-LEXICI, Zweyter und letzter Theil, darinne die älteste und ansehnlichste adeliche, freyherrliche und gräfliche Familien nach ihrem Alterthum, Ursprunge, Vertheilungen in unterschiedene Häuser etc. ..., 1747, Digitalisat auf Google Books, p. 1902f.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Lausitzische Monatsschrift, 1795, Siebtes bis zwölftes Stück, nebst zwei Kupfern, zweiter Theil, Band 2, Digitalisat auf Google Books, S. 122.
  2. Widemann (Wiedemann) in Konrad Blaźek: Der abgestorbene Adel der Preussischen Provinz Schlesien, 1894, Digitalisat auf Google Books, S. 66.
  3. Döhlen in: Die Geschichte der Rittergüter im Saale-Orla- und Wisenta-Raum, 280 Burgen, Schlösser, Herrensitze, Freigüter und Vorwerke sowie Ihre Besitzer: Geschichte und Geschichten, 2024, Leseprobe auf Google Books, S. 146f.
  4. Deren Schwester war Henriette Antonia geb. von Bülow († 12. März 1771 in Zöllschen)
  5. Jürgen Winkler (Bearb.): Kirchenbuch von Zöllschen Nr. 1, 1643–1800, 2004/2012, pdf-Download auf www.ahnenforschung-winkler.jimdo.com, S. 313.
  6. Das Jetztlebende Königliche Dreßden, Vorstellende den im Jahre 1740 befindlichen und darinnen sich würcklich wohnhafft aufhaltenden..., 1740, Digitalisat der SLUB, S. 145.
  7. Das kann aber auch bedeuten, dass er Ende 1740 gestorben ist und noch 1741 verzeichnet ist. Die Besitzverhältnisse auf dem Rittergut Döhlen deuten das an.
  8. Jürgen Winkler (Bearb.): Kirchenbuch von Zöllschen Nr. 1, 1643–1800, 2004/2012, pdf-Download auf www.ahnenforschung-winkler.jimdo.com, S. 232.
  9. VII. Avancements und Beförderungen im Militär- und Civilstaat in: Lausitzisches Magazin..., 1787, Digitalisat auf Google Books, S. 126.
  10. Max Lange: Die Leipziger Schützen-Gesellschaft, ein Abriß ihrer Entstehung und Entwicklung, 1893, Digitalisat auf Google Books, S. 82.
  11. Digitalisat auf Google Books, S. 218.
  12. II. Bei dem Churfürstl. Sächs. Kriegsstaat in: Lausitzisches Magazin..., Band 24, 1791, Digitalisat auf Google Books, S. 271.
  13. Hanauer Neue Europäische Zeitung, 1794/95, Digitalisat auf Google Books, S. 18.
  14. Jahrbücher der Herzogl. Sächs. Residenzstadt Coburg, Eine Geschichte der ehemaligen Pflege und des jetzigen Herzogthums Coburg, Nachträge und Fortsetzung bis 1828, Berichtigungen., 1829, Digitalisat auf Google Books, S. 121.
  15. Johannes Anton Larrass: Geschichte des Königlich Sächsischen 6. Infanterie-Regiments Nr 105 und seine Vorgeschichte 1701 bis 1887, 1887, Digitalisat auf Google Books, S. 111.
  16. Alfred von Kretschmar: Geschichte der kurfürstlichen und königlich-sächsischen Feld-Artillerie von 1620-1820, unter Benutzung archivalischer Quellen, 1876, Digitalisat auf Google Books, S. 61.
  17. Lausitzische Monatsschrift, 1795, Siebtes bis zwölftes Stück, nebst zwei Kupfern, zweiter Theil, Band 2, Digitalisat auf Google Books, S. 122.
  18. Hanauer Neue Europäische Zeitung, 1794/95, Digitalisat auf Google Books, S. 6.
  19. Infanterieformationen, Archivale 11340 im Hauptstaatsarchiv Dresden.
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