Gottlieb Wilhelm Reichsgraf von Breßler

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Wappen der Adelsfamilie von Breßler/Bressler
Wappen der Grafen von Breßler/Bressler

Gottlieb Wilhelm von Breßler ab 1792 Gottlieb Wilhelm Reichsgraf von Breßler, auch von Bressler (* 22. September 1743; † 9. Dezember 1814 in Lauske bei Bautzen) war ein königlich-sächsischer Geheimer Rat. Er war am Ende seines Lebens Rittergutsbesitzer der Herrschaften Lauske, Friedersdorf am Queis, Nostitz, Drauschwitz, Spittel, Krappe, Maltitz, Groß- und Klein-Zschorna, Drähna, Kleintetta, Sarka, Kotitz, Herwigsdorf bei Löbau, Ober-Gebelzig, Giedlitz, Ober-Steina, Neuschweinitz, Neu-Warnsdorf in der Oberlausitz, Vogelsdorf nebst Gießhübel in Schlesien sowie Ohorn und Bischdorf bei Meißen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Familie

Gottlieb Wilhelm von Breßler entstammte der ursprünglich bürgerlichen schlesischen Familie Breßler, dessen Ahnherr mit dem Namen Breßler ein Bruder des Johann Breßler oder de Wratislavia war, der 1395 während der Herrschaft von Kaiser Wenzel dessen Reichssekretär gewesen ist. Dessen Sohn Bernhard Breßler besaß ein Lehngut zu Pirschen bei Neumarkt in Schlesien. Von dessen Urenkeln zog Johann Breßler in das heutige französische Strasbourg, wo 1836 immer noch ein Teil dieser bürgerlichen Familie lebte. Christoph Breßler auf Grünthal war während des Dreißigjährigen Krieges Bürgermeister von Neumarkt in Schlesien und nichtadliger Rittergutsbesitzer. Dessen 1640 zweite geheiratete, adlige Ehefrau war eine geb. von Fladen und Aschenburg, weshalb deren Sohn, der Breslauer Ratsherr und Kaufmanns-Ältester, Joachim Breßler, auch kaiserlicher Kommerzienrat am 18. Januar 1709 den böhmischen Ritterstand durch den deutschen Kaiser in Wien erhielt. Er durfte den Beinamen von Aschenburg führen und erhielt einen Teul des fladenschen Wappens in das neue Wappen derer von Breßler. Angehörige der Familie Breßler waren von 1699 bis 1741 Stadträte zu Breslau. Ein Enkel von Joachim von Breßler kaufte 1740 die Güter in der Lausitz und wurde der Gründer der gräflichen Linie.

Gottlieb Wilhelm von Breßler heiratete am 4. Januar 1776 Johanna Victoria Tugendreich geb. von Burgsdorff (* 6. Mai 1745 in Görlitz; † 3. Februar 1805 in Lauske), 1772 Stiftsfräulein des Zieglerschen Fräulein-Stifts Joachimstein zu Radmeritz in der Oberlausitz,[1] kursächsischer Geheimer Rat seit 1781, Herr auf Lauske, Friedersdorf am Queis, Nostitz, Drauschwitz, Spittel, Krappe, Maltitz, Groß- und Klein-Tschorne, Drähna, Kleintetta, Serke, Herwigsdorf bei Löbau, Ober-Gebelzig, Giedlitz, Ober-Steina, Neuschweinitz, Neu-Warnsdorf in der Oberlausitz, Vogelsdorf nebst Gießhübel in Schlesien sowie Ohorn und Bischdorf bei Meißen.[2][3][4] jüngste Tochter des kursächsischen Obristen und Festungskommandanten von Wittenberg, Rudolph August von Burgsdorff (16961763) und dessen Ehefrau Christiane Sophie geb. von Schlieben aus dem Hause Klein-Milkau (17121792),[5], Tochter des königlich-polnischen und kursächsischen Kapitäns bei der Chevalier-Garde, Reinhard Friedrich von Schlieben (16881742) auf Klein-Miltitz. Das Ehepaar der Grafen von Breßler hatte folgende Kinder:

Um 1845 bestand die Herrschaft der Grafen von Breßler aus den Rittergütern Altkemnitz und Friedersdorf in Niederschlesien und weiteren zehn Dörfern mit insgesamt knapp 6.000 Einwohnern. Hans-Grgeor Reichsgraf von Beßler (18721943) war der letzte Besitzer der Rittergüter. Er starb ohne Nachkommen als Junggeselle.[7]

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Gottlieb Wilhelm von Breßler entschied sich nach seinem höheren Schulbesuch für ein Studium an der Georg-August-Universität zu Göttingen, wo er Rechtswissenschaften studierte.[8]

Von Breßler kaufte 1770 das Lehngut Lauske bei Bautzen und bestimmte, dass dieses Gut zu seinem Wohnsitz werden sollte. Er gestaltete es ab 1776 in einem klassischen Charakter als Rittergut um und baute Hof und Herrenhaus zu einem herrschaftlichen Schloss um. 1818 wird das Gut Lauske beschrieben mit einem „...schönen herrschaftlichen Hof und Schloß, dabei ein vortrefflicher englischer Garten.“ Außer dem Park, in dem eine Edelkastanie stand, legte von Burgsdorff auch eine drei Kilometer lange Lindenallee in östlicher Richtung an, die zu DDR-Zeiten unter Naturschutz stand Dir Flugrenze war bepflanzt mit Walnußbäumen, die allerdings im Winter 1928/29 erforen. 1810 wohnten in Lauske 183 Einwohner, fast alle sorbischer Herkunft. 95 Personen betrieben Ackerbau. Dazu kamen je ein Müller, Schmied, Gastwirt, Leinweber, drei Schneider, zwei Schuster und 16 Familien mit 52 Personen, die auf dem Rittergut von Burgsdorff arbeiteten.[9] 1777 erbte Breßler von seiner Tante auch noch das Rittergut Nostitz. Seine neue Grundherrschaft umfasste neben Lauske und Nostitz noch die Güter Särka und Kotitz, das Dorf Kleinzschorna und einen Teil von Zschorna.

Gottlieb Wilhelm von Breßler erhielt im Januar 1781 für seine Verdienste vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August der Gerechte den Ehrentitel eine kurfürstlich-sächsischen Titular-Geheimen Rates.[10] Dieser Titel war für von Breßler nicht mit einem bestimmten Amt verbunden, im Gegensatz zum Wirklichen Geheimen Rat, der eine reale Funktion im Staatsdienst darstellte. Der Titel war eine Auszeichnung für herausragende Leistungen, verbunden mit dem Prädikat „Exzellenz“ und stand für einen hohen Rang in den deutschen Monarchien. Als solcher ist Breßler dann auch ab 1782 im europäischen genealogischen Handbuch[11] und 1784 im kurfürstlich-sächsischen Hof- und Staatskalender verzeichnet.[12]

1787 kaufte von Burgsdorff von Christoph Heinrich Ludwig von Schweinitz die Rittergüter Friedersdorf, Neu-Varnsdorf und Neu-Schweinitz (mit dem Orten Vogelsdorf, Gießhübel und Neidberg) für 92.000 Taler. Auch hier ließ von Burgsdorff ein neues herrschaftliches Haus errichten.[13]

Die Standeserhöhung zu Reichsgrafen erfolgte am 21. April 1792 während des kursächsischen Reichsvikariats durch Friedrich August den Gerechten für Gottlieb Wilhelm Ritter von Breßler auf Lauske, kurfürstlich sächsischer Geheimer Rat, zu Dresden. In der Kirche zu Herwigsdorf bei Löbau ist aus dem gleichen Jahr ein silberner, vergoldeter Kelch erhalten, den von Breßler gemeinsam 1792 mit Margaretha Gottliebe von Gersdorff geb. von Theler auf Nieder-Herwigsdorf gestiftet hatte.[14]

Von Breßler wurde ab dem 18. August 1797 neuer Erbherr des Rittergutes Altkemnitz in Schlesien. Sein Vorgänger als Rittergutsbesitzer war Karl Graf von Röder auf Holstein († August 1796), der beide Herrschaften besaß: Alt- und Neu-Kemnitz, nachdem das königliche Stiftsamt zu Liegnitz in Schlesien 1770 die Besitzungen in Kemnitz gekauft hatte.[15] Auch nach 1800 setzte von Breßler den Kauf neuer Güter fort, so dass er schließlich umfangreiche Ländereien in der Oberlausitz und Schlesien im Besitz hatte. 1814 - zum Zeitpunkt seines Todes - umfasste der Breßlersche Besitz über 20 Güter.[16]

Graf von Breßler ist letztmalig 1813 im sächsischen Hof- und Staatskalender als königlich-sächsischer Titular-Geheimer Rat verzeichnet. Er war zu dieser Zeit der drittälteste geheime Titularrat.[17] starb im 72. Lebensjahr auf seinem Herrensitz in Lauske bei Bautzen.

[Bearbeiten] Quellen

  • Justus Perthes: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Gotha 1829, Digitalisat auf Hathi Trust, S. 35.
  • Justus Perthes: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Gotha 1836, Digitalisat auf Google Books, S. 112f.
  • Justus Perthes: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Gotha 1850, Digitalisat auf Google Books, S. 104.
  • Justus Perthes: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Gotha 1908, Digitalisat auf Google Books, S. 143.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Justus Perthes: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Gotha 1829, Digitalisat auf Hathi Trust, S. 35.
  2. Jährliches Genealogisches Handbuch, In welchem der gegenwärtige Zustand von allen Häusern jetztregierender Europäischer Kayser und Könige ... aus denen neuesten Nachrichten zu finden, 1800, Digitalisat auf Google Books, S. 151.
  3. Christian Friedrich Jacobi: Des Genealogischen Hand-Buchs Zweyter Theil, Band 2, 1800, Digitalisat auf Google Books, S. 151.
  4. Oskar Pusch: Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter in der Zeit von 1241 bis 1741, Band 1, 1986, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 184.
  5. Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Dresden 1910, Digitalisat im Internet Archive, S. 275.
  6. Johann Wolfgang Goethe: Tagebücher, Band IX, Text 1: 1823–1824, Band 9, 2024, Leseprobe auf Google Books, S. 389.
  7. Ulrich Junker: Schloß Alt Kemnitz, Stammsitz Familie von Schaffgotsch, Bodnegg 2019, S. 28.
  8. Universität Göttingen: Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen, 1734-1837, 1937, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 159.
  9. Theodor Schütze: Zwischen Strohmberg, Czorneboh und Kottmar, Ergebnisse d. heimatkundl. Bestandsaufnahme in d. Gebieten von Hochkirch u. Ebersbach, 1974, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 41.
  10. Von den Grafen von Breßler in: Jährliches Genealogisches Handbuch, In welchem der gegenwärtige Zustand von allen Häusern jetztregierender Europäischer Kayser und Könige ..., Aus denen neuesten Nachrichten zu finden, Band2, 1800, Digitalisat auf Google Books, S. 151.
  11. Jährliches genealogisches Handbuch, In welchem der gegenwärtige Zustand von allen Häusern jetztregierender Europäischer Kayser und Könige ..., Aus denen neuesten Nachrichten zu finden, 1782, Digitalisat auf Google Books, S. 212.
  12. Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender auf das Jahr 1784, 1784, Digitalisat auf Google Books, S. 94.
  13. Deutsche Rassenkunde, Forschungen über Rassen und Stämme, Volkstum und Familien im Deutschen Volk, Band 9, 1932, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 11.
  14. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Band 34, 1910, Digitalisat auf Google Books, S. 214.
  15. Ulrich Junker: Schloß Alt Kemnitz, Stammsitz Familie von Schaffgotsch, Bodnegg 2019, S. 26.
  16. Rittergut Nieder-Rengersdorf in: Historisches Sachsen, Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen, Onlineartikel auf www.heykodehn.de.
  17. Königlich-Sächsischer Hof- und Staats-Calender auf das Jahr 1813, 1813, Digitalisat auf Hathi Trust, S. 93.

[Bearbeiten] Weblinks

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