Friedrich Wilhelm von Oppel
Friedrich Wilhelm von Oppel, auch von Oppell (* 1801 in Wellerswalde bei Torgau; † 4. Oktober 1875 in Dresden)[1][2] war ein Jurist und königlich-sächsischer Staatsbeamter, zuletzt als Amtshauptmann der Stadt Borna im Kreis Leipzig. Er war Rittergutsbesitzer auf Krebs bei Pirna sowie auf Prossen bei Königstein.[3]
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[Bearbeiten] Familie
Friedrich Wilhelm von Oppel entstammte dem Adelsgeschlecht von Oppel/ Oppell. Sein Urgroßvater väterlicherseits war der Rittergutsbesitzer Bernhard Wilhelm von Oppel (1669–1738) auf Krebs bei Dohna (ab 1717), sein Großvater der gleichnamige kursächsische Oberberghauptmann zu Freiberg, Friedrich Wilhelm von Oppel (1720–1769), der 1765 MItbegründer der Bergakademie Freiberg als erste montanwissenschaftliche Universität der Welt war. Weitere Familienmitglieder waren der Wirkliche Geheime Rat Johann Georg von Oppel (1594–1661) und der Kanzler des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg, Siegmund Ehrenfried von Oppel, (1687–1757), zu dieser Zeit Besitzer des Rittergutes Wellerswalde bei Oschatz.
Friedrich Wilhelm von Oppel war der Sohn des königlich-sächsischen Bergrats, Obersteuereinnehmers, Direktor der Porzellanmanufaktur Meißen und Landtagsabgeordneten Carl Wilhelm von Oppel und dessen 1799 geheirateter Ehefrau Margaretha Carolina Amalie, geb. von Lüttichau. Sein Vater war anfangs Mitbestzer, nach der 1815 von seinem Onkel Julius Wilhelm von Oppel alleiniger Besitzer des Rittergutes Wellerswalde bei Torgau. Von Oppel hatte noch drei Geschwister:
- Carl Julius Wilhelm von Oppel (* 1800 in Freiberg; † 22. Februar 1880 in Wellerswalde), Afraner, Rittergutsbesitzer auf Wellerswalde bei Oschatz und nach dem Tod von Friedrich Wilhelm von Oppel auch auf Krebs bei Pirna. Söhne: 1. Carl Wilhelm von Oppel auf Zöschau, Wellerswalde und Krebs, Afraner, Jurist und 2. Friedrich Wilhelm von Oppel († 20. November 1875 in Wellerswalde), Pächter des Rittergutes Krebs. Enkel und Sohn von 1.: Karl Wilhelm Friedrich von Oppel, Offizier in der königlich-sächsischen Armee, 1894 Oberleutnant der Kavallerie.
- Georg Wilhelm von Oppel (* 1802 in Wellerswalde; † 7. August 1882 im k&k Krankenhaus in Prag), Afraner, Rittergutsbesitzer auf Modelwitz bei Schkeuditz und später auf Krischa mit Tetta bei Weissenberg.
- Auguste von Oppel.
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Friedrich Wilhelm von Oppel erhielt seine höhere Schulbildung an der Landes- und Fürstenschule St. Afra in Meißen, in die er am 7. Januar 1817 als Gymnasiast eintrat. Er war damit in einer Jahrgangsstufe mit:
- Christoph Curt von Egidy, Jurist und Staatsbeamter, königlich-sächsischer Amtshauptmann in Bautzen und Rittergutsbesitzer auf Stacha im Landkreis Bautzen,
- Julius Heinrich Grünler, Jurist, Diplomat, zuletzt königlich-sächsischer Geheimer Legations- und Ministerialrat,
- Sigismund Robert Schanz, Jurist und Stadtrichter, später Bürgermeister in Chemnitz und Dresden,
- Albert von Carlowitz, 1841 Vizepräsident, später Präsident der Ersten Kammer des Sächsischen Landtages, 1846 königlich-sächsischer Staats- und Justizminister, Mitglied des Staatsrates des Königreichs Sachsen,
- Carl Theodor Chalybäus, zuletzt Direktor des Grünen Gewölbes,
- Carl Heinrich Eduard Lommatzsch, 1860 zweiter Direktor des Prediger-Seminars der Universität Wittenberg und
- Justus Friedrich Güntz, Dr. jur., Rechtsanwalt, Stadtrat in Dresden, Redakteur und Verleger des Dresdner Journals und Anzeigers, Mäzen und Stifter, Namensgeber des Güntzplatzes.
Von Oppel blieb bis zum 24. März 1821 auf der St. Afra, bis zur erfolgreich abgelegten Reifeprüfung. Anschließend schrieb er sich wie weitere Jahrgangsabsolventen ab dem 11. Mai 1822, dem Beginn des damaligen Sommersemesters an der Universität Leipzig in der Fakultät für Rechtswissenschaften als Student ein.
Bereits 1836 wird von Oppel als Amtshauptmann zu Borna im 1. städtischen Wahlbezirk auch als für die Leitung ständischer Wahlen ernannter Kommissar erwähnt.[4] Im gleichen Amt ist er als Wahlkommissar für den 2. bäuerlichen Wahlbezirk, 1842[5] sowie erneut 1847 für den städtischen Wahlbezirk Nr. 1 für die Landtagswahlen verzeichnet.[6] Von Oppel ist erstmals 1837 im Staatshandbuch des Königreiches Sachsen als Amtshauptmann der Ersten Amtshauptmannschaft der Kreisdirektion Leipzig aufgeführt. Ihm unterstanden die Ämter Leipzig, Pegau, Borna und das Justitiariat zu Kohren.[7]
Als Rittergutsbesitzer auf Krebs zu Borna war Friedrich Wilhelm von Oppel ab 1854 anfangs stellvertretender Abgeordneter,[8] ab spätestens 1857[9] der 1. Abgeordnete der Rittergutsbesitzer des Meißner Kreises in der 2. Kammer des Sächsischen Landtages vom außerordentlichen Landtag 1854 bis zum Landtag von 1862.[10] Von Oppels Stellvertreter als Landtagsabgeordneter war der Rittmeister a.D. Otto von Raisky auf Gersdorf. Als Amtshauptmann zu Borna war von Oppel auch für die ordnungsgemäße Durchführung der Wahlen zum Landtag in seinem Amtsbezirk verantwortlich.[11] Außerdem oblag ihm mit die Organisation der Rekruten für die sächsische Armee im Amtsbezirk Borna.[12]
Von Oppel wurde 1863 unter Beibehaltung seines Titels als Amtshauptmann a.D. (außer Dienst) unter Fortzahlung einer gesetzlichen Pension in den Ruhestand versetzt. Danach verbrachte er seinen Lebensabend in Dresden, wohin er 1864 zog und erstmals 1865 im Dresdner Adressbuch verzeichnet ist. Er wohnte in einer Wohnung im ersten Obergeschoss in der Prager Straße 38,[13] einer damals aufgrund des Baus des Böhmischen Bahnhofs aufsteigenden Wohn- und Geschäftsstraße. In dem Mietshaus des Historienmalers Wilhelm Robert Eich in der Prager straße wohnte von Oppel bis zu seinem Tod.[14]
Von Oppel starb mit 75 Jahren und wurde am 6. Oktober 1875 beigesetzt. Das Rittergut Krebs bei Dohna blieb bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Familie von Oppel. Das Rittergut Krebs wurde in ein volkseigenes Gut umgewandelt, während das Herrenhaus zum Wohnhaus umfunktioniert wurde.[15]
[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)
[Bearbeiten] Quellen
- August Hermann Kreyssig: Afraner-Album, Verzeichnis sämtlicher Schüler der Königlichen Landesschule zu Meissen von 1543 bis 1875, 8422 an der Zahl, Meissen 1876, Digitalisat der SLUB, S. 435.
- weitere Angaben zur Familie aus den Ergänzungsbänden des Afraner-Albums, SLUB.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Hermann Peter: Jahresbericht über die Fürsten- und Landesschule Meissen vom Juli 1875 bis Juli 1876, womit zugleich zur Feier des Stiftungstages den 7. Juli ergebenst einladet..., Meißen, 1876, Digitalisat auf Google Books, S. 42.
- ↑ nach anderen Angaben am 4. August 1875: Miscellen in: Zeitschrift für Rechtspflege und Verwaltung, zunächst für das Königreich Sachsen, Band 42, Dresden 1876, Digitalisat auf Google Books, S. 527.
- ↑ Prossen in: Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen, Band II, Onlineartikel auf Wikisource.
- ↑ Gesetzsammlung für das Königreich Sachsen, 1836, Digitalisat auf Google Books, S. 165.
- ↑ Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 1842, Digitalisat auf Google Books S. 54.
- ↑ Leipziger Zeitung, 1847, Digitalisat auf Google Books, S. 6102.
- ↑ Staatshandbuch für das Königreich Sachsen auf das Jahr 1837, Digitalisat auf Hathi Trust, S. 341.
- ↑ Landtags-Acten, Dresden 1854, Digitalisat auf Google Books, S. 176.
- ↑ Königlich Sächsischer Hof-, Civil-und Militär-Staat auf das Jahr 1857, Digitalisat auf Google Books, S. 78.
- ↑ Mitteilungen über die Verhandlungen des Ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen, Band 1, Dresden 1860, Digitalisat auf Google Books, S. 14.
- ↑ Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1854, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 24.
- ↑ Ueber jährliche Schwankungen in den Grössenmaassen der Recruten in: Die Fünfte Sitzungsperiode des Internationalen Statistischen Congresses in Berlin vom. 4. bis 12. September, Band 2, 1865, Digitalisat auf Google Books, S. 766.
- ↑ Adressbuch Dresden 1865, S. 189, SLUB.
- ↑ Häuserbuch Dresden 1875, Teil II, S. 220, SLUB.
- ↑ Rittergut Krebs auf Sachsens-Schloesser.de.
- ↑ Staatshandbuch für das Königreich Sachsen auf das Jahr 1863 Digitalisat auf Google Books, S. 20.
[Bearbeiten] Weblinks
- Oppel, Friedrich Wilhelm von, Datensatz in den historischen Protokollen des Sächsischen Landtages.
- s.a. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Liste der Mitglieder des Sächsischen Landtags 1857/58“