Eichendorff in Dresden

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Der bedeutende romantische Schriftsteller und Lyriker Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (* 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; † 26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien) flüchtete vor den Barrikadenkämpfen (am 18. und 19. März) der Märzrevolution 1848 in Berlin nach Dresden. Im September 1849 kehrte er nach Berlin zurück, nachdem er sich im Mai 1849 auch noch vor den Barrikadenkämpfen des Dresdner Maiaufstandes (nach Köthen) in Sicherheit bringen mußte.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] 1805-1813: Studienzeit

Der 1788 geborene Eichendorff studierte Jura ab 1805 an der Universität Halle und nach deren Schließung 1806 an der Universität Heidelberg. Von 1810 bis 1813 setzte er sein Studium in Wien fort.

[Bearbeiten] 1813-1815: Freiheitskriege

Nach dem Ausbruch der Freiheitskriege stellte sich Eichendorff noch 1813 unter den Befehl von Friedrich Ludwig Jahn, der zeitweise Anführer eines Bataillons des Lützowschen Freikorps war und diente bis Dezember 1814 in der Armee.

Aber schon am 22. April 1815 schloß er sich nach kurzer Anstellung als Expedient beim Kriegsministerium in Berlin und trotz seiner Hochzeit mit Aloysia von Eichendorff (geb. Freiin von Larisch) am 7. April der Armee von Gebhard Leberecht von Blücher an, nachdem Napoleon seine Herrschaft der Hundert Tage errichten konnte. Obwohl längst nicht alle Offiziere zu Napoleon überliefen, verlor Ludwig XVIII. die Nerven und verließ am 19. März 1815 - ohne seine Minister zu benachrichtigen und entgegen seinem Versprechen - fluchtartig Paris.

Nach der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 gehörte Eichendorff bis Oktober zu den alliierten Besatzungstruppen nördlich von Paris. In dieser Zeit entband am 30. August 1815 seine Frau in Berlin den Sohn Hermann.

[Bearbeiten] Beruflicher Werdegang

Eichendorffs opfervolles Engagement in den Freiheitskriegen wurde nie adäquat gewürdigt. Zahllose Bewerbungen um eine verantwortungsvolle und einträgliche Stellung scheiterten. Noch 1840 wurde seine Ernennung zum Geheimen Regierungsrat von König Friedrich Wilhelm IV. abgelehnt. Er blieb Hilfsarbeiter mit einem geringen Gehalt im Kultusministerium.

Dafür wurde er mit seinem litarischen Schaffen bekannt - besonders als Lyriker der Spätromantik.

Erst 1841 wurde der bekannte Schriftsteller dann zum Regierungsrat für Zensursachen in den Ministerien für Kultus, Inneres und Äußeres ernannt.

Seine Popularität nutzt er 1842 für einen Aufruf zum Wiederaufbau des Kölner Doms. Er war Gründungs- und Vorstandsmitglied des in Berlin zu diesem Zweck gegründeten Vereins.

[Bearbeiten] 1844: Ruhestand

Von seiner Beförderung hatte er keinen langen Nutzen: Nach einer schweren Lungenentzündung im Jahr 1843 ging er zum 1. Juli 1844 in den Ruhestand.

Eichendorff reiste nun einige Male nach Wien, seinem ehemaligen Studienort, wo er in der Künstlergemeinschaft "Concordia" als "letzter Romantiker" und ehemaliger Freiheitskämpfer gegen Napoleon gefeiert wurde. Dabei machte er die nähere Bekanntschaft von Julie von Brandenburg, einer Halbschwester des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. und damals bereits verwitwete Herzogin von Anhalt-Köthen-Pleß. Sie hatte 1825 mit ihrem Übertritt zum römisch-katholischen Glauben schwere diplomatische Verwicklungen ausgelöst hatte und ihr Herzogtum deswegen nach dem Tod ihres Mannes, Herzogs Ferdinand von Anhalt-Köthen, im Jahr 1830 verlassen müssen. Schließlich ließ sie sich mit ihrem Hofkaplan und jesuitischen Beichtvater Pierre Jean Beckx (der 22. General der Societas Jesu = SJ) in Wien nieder.

Im Sommer 1847 begab sich Eichendorff an den Standort seines Schwiegersohns Ludwig (Louis) von Besserer-Dahlfingen, der noch im gleichen Jahr als Lehrer des Kadettenkorps nach Berlin versetzt wurde. Eichendorff zog mit in die Dienstwohnung seines Schwiegersohnes im "neuen" Kadettenhaus (1775 bis 1779 erbaut) in der Neuen Friedrichstraße Nr. 13 (gegenüber dem Gymnasium zum Grauen Kloster vom 13. Juli 1574).

[Bearbeiten] 1848: Flucht vor der Märzrevolution in Berlin nach Dresden

Nachdem oppositionelle Volksversammlungen in Berlin Freiheitsrechte von der preußischen Monarchie gefordert hatten, ging ab dem 13. März 1848 das Militär gegen sie vor. Diese Auseinandersetzungen steigerten sich am 18. und 19. März zu Barrikadenkämpfen, die mehrere hundert Todesopfer forderten.

Eichendorff sah sich gezwungen, mit Familienangehörigen nach Dresden zu fliehen, weil er sich wegen der Aufstände nicht mehr sicher fühlte. Er verarbeitete allerdings die Revolution von 1848 in zahlreichen Gedichten.

[Bearbeiten] In der Pappritzmühle in Wachwitz: freundschaftliche Verbundenheit mit einer Müllerstochter

In Dresden suchte er Ruhe und Stille, die er in der Pappritzmühle im Wachwitzgrund fand.

Der Wachwitzgrund ist eines der steilsten und romantischsten Täler des Elbhanges. In der Pappritzmühle soll Joseph von Eichendorff sein Lied „In einem kühlen Grunde“ geschrieben haben[2], was historisch jedoch unmöglich ist: In einem kühlen Grunde wurde bereits 1813 unter dem Titel Lied als Vorabdruck aus Eichendorffs Roman Ahnung und Gegenwart (vollendet im Herbst 1812) in der Anthologie Deutscher Dichterwald veröffentlicht.[3] Dafür hat er aber andere Gedichte in der Pappritzmühle verfaßt (auch zur Revolution von 1848) und soll trotz seiner über 60 Jahre einer Müllerstochter in der Pappritzmühle "freundschaftlich verbunden" gewesen sein. An seine Aufenthalte hier erinnert der Eichendorffsteig ganz in der Nähe.[4] In einem grünen Grunde wurde bereits 1814 von Friedrich Glück vertont[5] und erlangte besonders als Chorsatz für Männerstimmen von Friedrich Silcher unter dem Titel Untreue ein hohe Bekanntheit. Sicherlich animierte die Pappritzmühle zum Singen des mittlerweile sehr bekannten Volksliedes. Die Pappritzmühle war aber nicht die Inspiration für Eichendorffs Gedicht, sondern die Wassermühle Brzeźnica (seit 2007 Oberschlesisches Eichendorff-Kultur- und Begegnungszentrum). Nach dem Lied wohnte die Liebste in dieser Wassermühle Brzeźnica. Aber auch in der Pappritzmühle hatte Eichendorff wieder eine Liebste.

[Bearbeiten] Mai 1849: kurzzeitige Flucht nach Köthen während des Dresdner Maiaufstandes

Am 3. Mai 1849 brach in Dresden der offene Aufstand aus. In der Stadt befanden sich wegen des Einsatzes der sächsischen Armee im Schleswig-Holsteinischen Krieg nur 1.800 Mann mit sechs bespannten Geschützen. Das Dresdner Zeughaus wurde gestürmt und das Landtagsgebäude von bewaffneten Angehörigen der Turnerbewegung besetzt. Am 4. Mai, früh um 4:30 Uhr, verließen der König Friedrich August II., die Königin Maria Leopoldine und sämtliche Minister die Stadt und begaben sich auf die Festung Königstein.

Die Eichendorffs flüchteten wohl schon am 3. Mai zunächst nach Meißen und schließlich zu Verwandten nach Köthen in Anhalt, wo sie zwischen dem 5. und 9. Mai ankamen.

Drei Wochen nach Niederschlagung des Maiaufstandes kam die Familie am 31. Mai 1849 wieder nach Dresden zurück.

[Bearbeiten] September 1849: Rückkehr von Dresden nach Berlin

Nach einem weiteren Sommer in Dresden, in welchem sich Eichendorff wieder oft in der Pappritzmühle aufhielt, kehrten die Eichendorffs im September nach Berlin zurück.

Dort freundeten sie sich mit Friedrich Carl von Savigny, Bettina von Arnim und Peter Cornelius an.

Friedrich Carl von Savigny war ab 1842 der Großkanzler von Preußen und wurde durch die Ereignisse von 1848 zum Rücktritt gezwungen. Im November 1854 berief der preußische König Friedrich Wilhelm IV. Savigny aus "allerhöchstem Vertrauen" in das Preußische Herrenhaus und ernannte ihn zum Kronsyndikus.

Bettina von Arnim war Schriftstellerin, Zeichnerin und Komponistin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik. Ihre Schwester Kunigunde Brentano war mit Friedrich Carl von Savigny verheiratet, dessen Schwager sie dadurch wurde. Bettina von Arnim wurde deutschlandweit bekannt durch "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" (ihren Briefwechsel mit Goethe) und gilt auch als Kandidatin für Beethovens Unsterbliche Geliebte ("Mein Engel, mein alles, mein Ich"). Sie stand ganz im Gegensatz zu ihrem Schwager den Ideen der Frühsozialisten nahe und traf sich deswegen 1842 sogar mit Karl Marx.

Peter Cornelius war als Maler und Zeichner einer der Hauptvertreter des Nazarener-Stils, einer romantisch-religiösen Kunstrichtung, die deutschsprachige Künstler zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Wien und Rom begründeten.

[Bearbeiten] April bis 30. Oktober 1855: Köthen

Am 10. August 1854 erwarb Eichendorffs Tochter, Therese von Besserer-Dahlfingen, das "Haus vor dem Magdeburger Tor" in Köthen von dem Verwandten Major Nicolaus Joseph von Holly-Ponienczecz. Die genauen Gründe für den Erwerb sind unklar, da sich die Tochter kaum in Köthen aufhielt und sich ihr Vater nach eigenem Bekunden als Hauseigentümer sah. Eichendorff fuhr im April 1855 erneut nach Köthen und hielt sich bis Oktober in dem Haus seiner Tochter auf. Die Übersiedlung der Familie Eichendorff nach Köthen erfolgte im Mai. Ein Kuraufenthalt in Karlsbad vom 4. Juni bis 15. Juli unterbrach diese Köthener Zeit. Im September machte Eichendorff einen Ausflug von Köthen nach Halle.

Auf die Nachricht von der Versetzung des Schwiegersohnes Ludwig von Besserer-Dahlfingen von Berlin nach Neisse/Schlesien reiste die Familie am 30. Oktober von Köthen nach Berlin ab und blieb dort ein paar Tage.

Das Haus in Köthen ist heute das einzige noch existierende Wohnhaus Eichendorffs.

[Bearbeiten] 14. November 1855 bis 1856: Neiße in Schlesien und Tod der Frau

Eichendorff reiste mit seiner schwer kranken Frau von Berlin über Breslau nach Neisse ab, wo sie am 14. November ankamen. Am 3. Dezember 1855 starb Louise von Eichendorff in Neiße.

[Bearbeiten] 1856-1857: als Gast des Breslauer Fürstbischofs Heinrich Förster in Jauernig

Von 1856 bis 1857 lebte Eichendorff als Gast des Breslauer Fürstbischofs Heinrich Förster auf dessen Sommerresidenz Schloss Johannisberg bei Jauernig (damals zu (Österreichisch-Schlesien) und arbeitete dort an den autobiografischen Kapiteln "Der Adel und die Revolution" und "Halle und Heidelberg" (über seine frühe Studentenzeit 1805 bis 1810).

Seine "Geschichte der poetischen Literatur in Deutschland" erschien ohne die erhoffte Resonsanz. Erfolgreich hingegen war die 4. Auflage seiner Gedichte.

[Bearbeiten] 1857: Sommer auf dem Gut Sedlnitz (Mähren) und Tod am 26. November in Neiße (Schlesien)

Im Sommer 1857 lebte er auf dem verpachteten Gut Sedlnitz/Mähren.

Das Versepos "Lucius" erschien, außerdem arbeitete Eichendorff an der Biografie der Heiligen Hedwig.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff starb am 26. November 1857 in Neiße/Schlesien an einer Lungenentzündung.

[Bearbeiten] Ehrungen in Dresden

Nach Eichendorff wurden in Dresden folgende Straßen benannt:

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Joseph von Eichendorff (Q77204) bei Wikidata (Jurist, bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik)

Für Informationen zu Joseph von Eichendorff, die über den Bezug zu Dresden hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema:

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. ↑ Lars Herrmann: Wachwitz auf dresdner-stadtteile.info.
  2. ↑ Noch zu Zeiten, als das Mühlrad "am rauschenden Bach" mächtig "klapperte" soll sich in den Jahren 1848/49 des Öfteren der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff in der Pappritzmühle aufgehalten haben. Er schrieb zahlreiche Gedichte, die sich teils zu Volksliedern entwickelt haben. Auch wenn es nachweislich nicht verbürgt ist, soll "In einem kühlen Grunde" in der Pappritzmühle entstanden sein. Dass Eichendorff im Wachwitzgrund gewirkt hat, ist allerdings nachgewiesen. Heute erinnert der "Eichendorff - Steig" an einen der bekanntesten Dichter der deutschen. Romantik. In: "Spaziergänge um Pappritz. heute zur zur Pappritzmühle" auf dresden-pappritz.de.
  3. ↑ Deutscher Dichterwald von Justinus Kerner, Friedrich Baron de La Motte Fouqué, Ludwig Uhland und Andern. Heerbrandt, Tübingen 1813, S. 40.
  4. ↑ Der 1848/49 in Dresden lebende Dichter Joseph von Eichendorff soll einer Müllerstochter "freundschaftlich verbunden" gewesen sein. Heute erinnert der in der Nähe der Mühle verlaufende Eichendorff-Steig an den Dichter. In: Pappritzmühle auf dresden-rochwitz.de.
  5. ↑ Volksmusik-Archiv
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