Dietrich von Schönberg

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Dietrich von Schönberg (* auf Purschenstein; † vor dem 1. November 1370 in Leoben/Österreich) war Bischof von Meißen und zuvor ab frühestens 1367 der 13. Archidiakon von Nisan.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Abstammung

Dietrich stammte aus der Linie Purschenstein. Er war vermutlich der Sohn des Ritters Dietrich von Schönberg auf Purschenstein (bezeugt zwischen 1323 und 1356)[1] und damit der jüngere Bruder des Peter von Schönberg.

[Bearbeiten] Ausbildung

Dietrich war Baccalaureus des geistlichen Rechts, muß also an einer Universität studiert haben - entweder an der Karls-Universität Prag (gegründet 1348) oder in Italien.[2]

[Bearbeiten] 1363: Domherr in Meißen

Dietrich erscheint 1363 als Theoderico de Schonenberg an letzter Stelle unter den aufgeführten Meißner Domherren, was darauf hindeutet, das er damals zu den jüngeren Kapitelmitgliedern gehörte.[3]

Dietrich war damit das erste Mitglied der Adelsfamilie von Schönberg, das ein Kanonikat im Meißner Domkapitel erhielt. Er trug einen Vornamen, der – ebenso wie Caspar – in dem verschiedenen Linien der Familie recht häufig vorkommt. So gab es im Meißner Domkapitel dreimal einen Caspar von Schönberg und dreimal einen Dietrich von Schönberg, was die Zuordnung sehr erschwert und immer wieder zu Verwechslungen führte.[4]

[Bearbeiten] 1367 bis 1370: Archidiakon von Nisan

1367 wurde Henricus de Slynicz (12. Archidiakon von Nisan letztmalig erwähnt.[5]

Dietrich wurde trotz seiner jungen Jahre zu dessen Nachfolger erwählt. Hier zeigt sich der Einfluß seiner mächtigen Familie. Ob Dietrich direkter Nachfolger wurde, ist sehr wahrscheinlich, aber nicht ganz gesichert. Dietrich wurde erst angelegentlich seiner Wahl zum Bischof als Archidiaconus Nisaniae bezeichnet - über die Jahre 1367 bis 1369 schweigen die Quellen.[6]

[Bearbeiten] 4. Januar 1370 (oder kurz darauf): Wahl zum Bischof von Meißen

Am 4. Januar 1370 starb Johann I. von Isenburg (auch Eisenberg), seit 1342 gewesener Bischof von Meißen.

Möglicherweise noch am gleichen Tag oder bald darauf wurde Dietrich vom Meißner Domkapitel zum Bischof gewählt, obwohl er noch keine Priesterweihe hatte, sondern lediglich Diakon war. Auch hier hat der Einfluß seiner damals mächtigen Familie Wirkung gezeigt.[7]

[Bearbeiten] 1370: Romreise

Die Bischofswahl wurde Papst Urban V. angezeigt, der jedoch sein Anrecht auf die Besetzung des Bischofsstuhls geltend machte. Daraufhin reiste Dietrich nach Rom, um seine Bestätigung persönlich einzuholen.

[Bearbeiten] 29. Mai 1370: päpstliche Bulle

In Rom teilte Papst Urban V. in seiner Bulle vom 29. Mai 1370 "seinem lieben Dietrich, erwählten Bischof zu Meißen" (dilecto filio Theoderico electo Misnensi) mit, daß die Bischofswahl ungültig sei, da sich die römische Kurie die Besetzung des Meißner Bischofsstuhls schon früher vorbehalten habe. In Berücksichtigung der achtungswerten Leistungen und Eigenschaften Dietrichs stellte der Papst aber dann doch eine Bestätigung in Aussicht.[8]

[Bearbeiten] Vor dem 1. November 1370: Tod auf der Rückreise von Rom in Leoben (Österreich)

Dietrich verstarb aber auf der Rückreise in Leoben in Österreich, ohne die Bischofsweihe erlangt zu haben. In der Meißner Bischofsliste, die der bischöfliche Kammermeister Stephan Gebende von Münzenberg zwischen 1488 und 1495 erstellte, ist Bischof Dietrich III. ausdrücklich aufgeführt, jedoch mit der Bemerkung, daß er niemals in den Besitz des Bistums gelangt sei ("Theodericus III. de Schonberg. Hic numquam pervenit ab possessionem episcopatus").[9]

Nach Eingang der Nachricht, daß Dietrich verstorben sei, wählte das Kapitel ohne Berücksichtigung der päpstlichen Besetzungsvorbehalts das Kapitelmitglied Konrad von Kirchberg, Propst von Bautzen, zum Bischof. Nach langer Verzögerung erfolgte die erbetene Bestätigung, die am 13. November 1370 von Papst Urban V. ausgestellt wurde. Hierdurch wurde 1370 zum Dreibischofsjahr.[10]

Die folgenden Meißner Bischöfe wurden vom Papst eingesetzt, der das Domkapitel nicht befragte; erst 1410 konnte das Kapitel wieder von seinem Wahlrecht Gebrauch machen.

[Bearbeiten] 1. November 1370: Geldzinsen an das Domkapitel von Dietrichs Bruder Peter

Peter von Schönberg überließ dem Domkapitel am 1. November 1370 Geldzinsen aus Löthain, was wohl mit dem Tod seines jüngeren Bruders Dietrich zusammenhängt.[11]

[Bearbeiten] Archidiakone von Nisan

Archidiakone von Nisan des Archidiakonats Nisan gab es nachweislich seit 1273. Sie residierten von Meißen aus und waren zumeist gleichzeitig Domherren in Meißen (seit der Regierung von Albrecht dem Beherzten ab 1464 wurde diese Dignität nur noch an Domherren verliehen).[12]

[Bearbeiten] Aufgaben

Die Archidiakone hatten:

[Bearbeiten] Rechte

Den Archidiakonen stand das Recht zu:

[Bearbeiten] Amtsmißbrauch und Einsetzung bischöflicher "Offizialer" und "Commissare"

"Später wurde den Archidiakonen, da sie das Volk bedrückten, durch öfter gehaltene Gerichtstage und Schmausereien die Pfarren beschwerten und sich Eingriffe in die bischöfliche Jurisdiktion erlaubten, von den Bischöfen Offiziale und Commissare an die Seite gesetzt, welche letzteren fast alle Archidiakonal-Verrichtungen zu besorgen hatten und die vorkommenden Streitigkeiten und Rechtshändel allein oder unter Zuziehung der Archidiakone entschieden".[13]

[Bearbeiten] Kollaturen

Über diese allgemeinen Rechte und Pflichten hinaus hatte der Archidiakon von Nisan außerdem noch die Collatur (das Recht, eine geistliche Stelle zu besetzen sowie eine Pfründe oder ein Stipendium zu vergeben):

[Bearbeiten] Einkünfte

Die teilweise wichtigen Collaturen unterstreichen die Bedeutung des Archidiakons von Nisan im Bistum Meißen. Aber obwohl er zu den vornehmsten Dignitäten im Bistum gehörte, waren seine Einkünfte verhältnismäßig gering. Er erhielt nur 40 Sibergroschen von Bauern aus Briesnitz, gut 2.400 Liter Getreide sowie den Ertrag eines Weinberges in Kötzschenbroda.

Als Obedientiarius der Obödienz Briesnitz standen ihm aber noch weitere Einkünfte zur Verfügung, darunter auch der Ertrag eines Weinbergleins in Zitzschewig (dem Wüstenberg). Von diesen Einkünften mußte er allerdings der Domkirche in Meißen 1 Schock (= 5 Dutzend) und 51 Silbergroschen (= zusammen 111 Silbergroschen) und später 12 Feine Mark in Silber jährlich weiterreichen. Das waren mehr als ein Viertel seiner 395 Groschen, die er aus Briesnitz erhielt. Dazu kamen für ihn allerdings noch große Mengen an Korn, Hafer, Weizen, Gerste und Erbsen - insgesamt 22 Malter. Das entsprach im Spätmittelalter etwa 3.600 Liter Korn allein von Briesnitz. Dem Archidiakon verblieben insgesamt 324 Silbergroschen und rund 6.000 Liter Getreide im Jahr - also täglich fast ein Silbergroschen und über 16 Liter Getreide, dazu kam noch der Wein von zwei Weinbergen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. von Schönberg (025) Dietrich, Ritter auf familie-von-schoenberg.de.
  2. von Schönberg (040) Dietrich, Domherr, Bischof in Meißen auf familie-von-schoenberg.de.
  3. Eduard Machatschek: Geschichte der Bischöfe des Hochstiftes Meissen in chronologischer Reihenfolge (...). Dresden 1884, S. 290.
  4. von Schönberg (040) Dietrich, Domherr, Bischof in Meißen auf familie-von-schoenberg.de.
  5. Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 50.
  6. Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 51.
  7. Eduard Machatschek: Geschichte der Bischöfe des Hochstiftes Meissen in chronologischer Reihenfolge (...). Dresden 1884, S. 290.
  8. von Schönberg (040) Dietrich, Domherr, Bischof in Meißen auf familie-von-schoenberg.de.
  9. von Schönberg (040) Dietrich, Domherr, Bischof in Meißen auf familie-von-schoenberg.de.
  10. Eduard Machatschek: Geschichte der Bischöfe des Hochstiftes Meissen in chronologischer Reihenfolge (...). Dresden 1884, S. 290.
  11. von Schönberg (040) Dietrich, Domherr, Bischof in Meißen auf familie-von-schoenberg.de.
  12. Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 51.
  13. Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 4f.
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