Christoph Ernst von Egidy
Christoph Ernst von Egidy (* 26. Dezember 1843 in Bautzen; † 5. Oktober 1905 in Niederlößnitz, heute Radebeul) war ein königlich-sächsischer Offizier, u.a. als letzter Unterkommandant der Festung Königstein und zuletzt als Landwehrkommandeur im Rang eines Oberstleutnants. In seiner Freizeit und nach seiner Dienstzeit betätigte er sich als Militärschriftsteller und Ahnenforscher.
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[Bearbeiten] Familie
Christoph Ernst von Egidy entstammte der Familie Egidy, die der innerfamiliären Überlieferung nach aus den spanischen Niederlanden zuerst nach Preußen auswanderte und seit dem späten 17. Jahrhundert im Kurfürstentum Sachsen ansässig wurde. Die Bestätigung des Reichsadelsstandes erfolgte 1687 durch Kaiser Leopold I. an den kursächsischen Hofküchenmeister Samuel Egidy.[1]. Von Egidy entstammte dem weit verzweigten 3. Ast der Adelsfamilie von Egidy, sein Urgroßvater war der Rittergutsbesitzer Friedrich August von Egidy (1724–1796), sein Großvater war Christoph Hanns von Egidy auf Ottersitz (1772–1843), königlich-sächsischer Hauptmann. Einer von Egidys Onkel war der königlich-sächsische Generalleutnant Christoph Hans von Egidy-Geißmar (1799–1875).
Ernst von Egidy war das fünfte Kind und der jüngste Sohn des königlich-sächsischen Amtshauptmannes Christoph Curt von Egidy auf Stacha (* 12. April 1801 in Ottersitz; † 4. Februar 1858 in Dresden) und dessen 1835 geheirateter Ehefrau Marie geb. von Gersdorff (* 18. Mai 1800 in Kuppitz, Oberlausitz; † 8. Januar 1854 in Bautzen), Tochter des Oberamtsregierungspräsidenten der Oberlausitz Friedrich August Adolf von Gersdorff auf Doebschke und der Friederike Henriette von Gersdorff aus dem Hause Techritz. Von Egidy hatte noch vier Geschwister, u.a.:
- Christoph Arndt von Egidy (1838–1919), königlich-sächsischer Generalmajor,
- Margarete von Egidy (1840–1935) ⚭ Benno von Heynitz (1832–1888), königlich-preußischer Oberst und Kommandeur von Neubreisach.
- Anna von Egidy (1841–1910), Stiftshofmeisterin des adeligen Damenstifts Joachimstein in der Oberlausitz.
Ernst von Egidy heiratete am 2. Mai 1872 Margaretha geb. von Alten (* 1. Oktober 1852 in Nuhnen bei Frankfurt an der Oder; † 23. April 1924 in Dresden), Tochter des Carl von Alten auf Lobendau und dessen Ehefrau Ida geb. von Schuckmann. Das Ehepaar von Egidy hatte zwei Töchter:
- Anna Helene Margarethe Elsa von Egidy (* 13. Januar 1874 in Leipzig; † 1. Mai 1962 in Ankum, Bez. Osnabrück) ⚭ 1897 in Kötzschenbroda Curt von Egidy (1862–1941), königlich-sächsischer Forstmeister. Deren Sohn war der deutsche Oberst Christoph Horst von Egidy (1898–1975), der in Bramsche im Landkreis Osnabrück starb.
- Christine Margarethe von Egidy (* 11. September 1878 in Bautzen; † 25. Februar 1969 in Düsseldorf) ⚭ 1906 in Kötzschenbroda Egon von Wolf (1875–1936), kaiserlich-deutscher Fregattenkapitän.
Von Egidys Witwe wohnte nach seinem Tod anfangs weiter in der ehemals gemeinsamen Wohnung in Niederlößnitz.[2]
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Ernst von Egidy entschied sich wie viele Familienmitglieder für eine Laufbahn in der sächsischen Armee. Er trat 1859, mit 15 Jahren als Kadett in das sächsische Kadettenkorps ein. Er erhielt seine Schulbildung noch im alten Kadettenhaus in der Dresdner Neustadt, wo er seine höhere Schulbildung erhielt. Als Kadett ist er erstmals im Kadettenkorps in der Rangliste der königlich-sächsischen Armee von 1860 verzeichnet, dort in der IV. Division, die an einem Gymnasium der Jahrgangsstufe Untersekunda entsprach. Nachdem er 1861 in die III. Division (Obersekunda) aufgerückt war, fehlt er allerdings in der Rangliste von 1862.
Am 30. März 1866 erhielt von Egidy sein Offizierspatent als Leutnant, mit der snschließenden Anstellung als Offizier in der 10. Kompanie im 5. Infanterie-Regiment „Prinz Friedrich August“ Nr. 104 mit den Standquartieren in Zwickau und erzgebirgischen Schneeberg. Chef des Regiments war Prinz Friedrich August, Herzog zu Sachsen, Kommandeur war Oberst August Emil Tauscher. Von Egidy diente im 3. Bataillon des Regiments in Schneeberg unter dem aus Meißen stammenden Bataillonskommandeur Major Alfred Julius Emil von Kotsch. 1869 wurde von Egidy Adjutant im 2. Bataillon des 5. Infanterie-Regiments Nr 104, womit er nach Zwickau versetzt wurde. Sein direkter Vorgesetzer war damit Major Heinrich Oskar Bartcky. In der Dienststellung als Bataillonsadjutant wurde von Egidy am 28. Januar 1870 zum Premier-Leutnant befördert. Als solcher nahm er auch am Deutsch-Französischen Krieg teil, wo er zwei hohe Auszeichnungen erhielt: einmal von der preußischen Armee das Eiserne Kreuz und den sächsischen Albrechtsorden.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg schied von Egidy mit Wirkung vom 30. Dezember 1871 aus dem aktiven Dienst in der sächsischen Armee aus. Er verblieb aber in der Armeereserve, wurde als Premier-Leutnant zur Disposition gestellt, diente daher als Adjutant des 1. Bataillons des 7. Landwehr-Regiments Nr. 106 mit dem Stab in Leipzig in der sächsischen Landwehr. Als Adjutant im Landwehr-Bezirkskommando ist von Egidy 1873 im Leipziger Adressbuch in der Turnerstraße 7 verzeichnet.[3] Bezirkskommandeur dieses Landwehrbezirks war anfangs der Oberstleutnant z.D. (zur Disposition) Moritz von Süßmilch genannt Hörnig, ab 1873 dann der Oberstleutnant z.D. Carl Robert Hugo Puscher, ein Jahr später dann Oberstleutnant z.D. Falk Otto Bernhard von Tettenborn. Die ersten 4 Kompanien dieses Landwehrregiments wurden in Leipzig als Armeereserve vorgehalten, die 5. Kompanie in Borna.
1874 wurde von Egidy als Bezirksadjutant zum 1. Bataillon des 4. Landwehr-Regiments Nr. 103 mit dem Stabsquartier in Bautzen, in seine Heimatstadt versetzt. Dort erhielt er 1875 den Charakter eines Hauptmanns z.D. (der Landwehr). Die vier Kompanien dieser sächsischen Armeereserve wurden in Bautzen, Bischofswerda, Kamenz und Pulsnitz rekrutiert. Bezirkskommandeur dieser Einheit war zu dieser Zeit der Oberstleutnant z.D. Emil Carl Schubert. 1877 erhielt von Egidy mit dem Major z.D. Georg Herrmann Rudolph Freiherr von Keller einen neuen Vorgesetzten als Landwehr-Bezirkskommandeur in Bautzen. Zu dieser Zeit wohnte er in seiner Heimatstadt im Haus 769b in der Bahnhofstraße,[4] 1879 dann im Haus in der Töpferstraße,[5] der späteren Hausnummer 17.[6] In der Dienststellung als Landwehr-Bezirksadjutant von Bautzen verblieb von Egidy bis 1884.[7]
Im gleichen Jahr wurde von Egidy als 3. Stabsoffizier des Reserve-Landwehr-Bataillons Dresden Nr. 108 nach Dresden kommandiert. Bezirkskommandeur dieser Armeereserve mit acht Kompanien war Oberst z.D. Otto Richter. In Dresden wohnte von Egidy anfangs in einer Mietswohnung im zweiten Obergeschoss in der Ammonstraße 81,[8] zog aber noch 1885 in die Antonstraße 16,[9] im folgenden Jahr weiter in eine Wohnung über zwei Etagen in der Prießnitzstraße 53.[10] In der Dienststellung im Dresdner Landwehr-Bezirkskommando erhielt von Egidy am 1. April 1887 seine Beförderung zum Major z.D. der Landwehr.
Im gleichen Jahr wurde von Egidy zum Unterkommandanten und Platzmajor bei der Kommandantur der Festung Königstein ernannt, gleichzeitig à la suite des 5. Infanterie-Regiments Nr. 104 gestellt. Damit trat von Egidy wieder offiziell in den aktiven Dienst der sächsischen Armee ein. Von Egidy war zugleich Vorstand des Festungsgefängnisses und Führer der Arbeiter-Abteilung auf der Festung Königstein. Von Egidys direkter Vorgesetzer war der damalige Festungskommandant Oberst Friedrich Wilhelm Ludwig von Lossow. Am 22. September 1890 wurde von Egidy als Oberstleutnant charakterisiert.[11] Sein Kommandant bis zu seinem Dienstende auf Königstein war der inzwischen zum Generalmajor von der Infanterie beförderte von Lossow. Mit Wirkung vom 20. Dezember 1891 schied von Egidy im Rang als Oberstleutnant z.D. aufgrund seines Abschiedsgesuchs erneut aus dem aktiven Dienst der sächsischen Armee aus. Von Egidy war der letzte Unterkommandant der Festung Königstein. Ab 1892 entfiel die Dienststellung als Unterkommandant der Festung Königstein. Zweiter Stabsoffizier der Festung nach dem Festungskommandanten war danach der Platzmajor, der zugleich Führer der Arbeiter-Abteilung der Festung Königstein war.
Von Egidy zog danach nach Wurzen, wo er zum Kommandeur des Landwehrbezirks Wurzen ernannt wurde. In der sächsischen Klein- und Garnisonstadt wohnte er im Haus am dortigen Domplatz 6,[12] wo er bis zum Ende seiner dortigen Dienstzeit wohnte.[13] Dort diente er noch als Landwehrkommandeur bis 1895. Für seine Verdienste für über 35 Jahre Dienst in der Armee als auch in der Armeereserve erhielt er mit dem Offizierskreuz des königlich-sächsischen Albrechts-Ordens eine hohe Stufe dieses Ordens.
Anschließend zog von Egidy nach Kötzschenbroda in die Villa „Lindenhaus“ am dortigen Ledenweg 7,[14] die im Besitz des Obersteuerinspektors Heinrich Franz Ferdinand Breymann war, der in Eibenstock lebte.[15] Dieser war der Vater des Juristen und Genealogen Hans Breymann. Von Egidy wohnte bis 1899[16] dort zur Miete in dem repräsentativen Hofmann-Landhaus im heutigen Radebeul. Im gleichen Jahr zog er in die Karolastraße 9 nach Niederlößnitz, wo er erstmals 1900 im Adressbuch verzeichnet ist.[17] 1902 zog von Egidy letztmalig um, diesmal in sein Haus in die Alleestraße 22 in Niederlößnitz,[18] das er vom Vorbesitzer, dem Privatier Adolf Berlt[19] gekauft hatte und wo er bis zu seinem Tod lebte.[20]
Nachdem sich von Egidy bereits früher in seiner Freizeit als Militärschriftsteller betätigt hatte, setzte er diese Tätigkeit nach seiner Pensionierung fort. Außerdem beschäftigte er sich bereits während seiner Dienstzeit in der sächsischen Armee mit der Ahnenforschung seiner Familie. Im Nachlass der Familie Egidy im Sächsischen Staatsarchiv ist ein von ihm entworfener Stammbaum erhalten.[21] Dazu suchte er - noch als Unterkommandant der Festung Königstein - Nachrichten und Dokumente der Familie von Egidy auch vor 1686 und aus dem 17. Jahrhundert in mehreren Publikationen, so u.a. im Handbuch für den deutschen Adel[22] und im Hand- und Adressbuch der Genealogen und Heraldiker.[23]
[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)
- 1870: (Königlich-preußisches) Eisernes Kreuz 2. Klasse
- 1870: Ritterkreuz 1. Klasse des königlich-sächsischen Albrechts-Ordens mit Kriegesdekoration
- 1882: Ritterkreuz 1. Klasse des herzoglich-Sachsen-Ernestinischen Hausordens
- 1882: Fürstlich-Schwarzburgisches Ehrenkreuz 3. Klasse
- 1884: Königlich-sächsisches Dienstauszeichnungskreuz für 25 Dienstjahre in der sächsischen Armee
- 1891: Offizierskreuz des königlich-sächsischen Albrechts-Ordens
- Medaille des kaiserlich-österreichischen Franz-Joseph-Ordens
- Kaiserlich-österreichische Kriegsdenkmünze
[Bearbeiten] Quellen
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1908, Gotha, S. 235ff.
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Bd. 1(1954), Bd. IX (1970), Bd. XVI (1985), Bd. XXV (2004), Limburg
- Ranglisten der Königlich-Sächsischen Armee, 1859 bis 1905, Digitalisierte Bände der SLUB
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Gothaisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser, 2. Jahrgang, Gotha 1908, S. 235
- ↑ Adressbuch Dresden und Vororte 1906, S. 316, SLUB.
- ↑ Leipziger Adressbuch 1873, S. 40, SLUB.
- ↑ Adreßbuch für die Stadt Bautzen und Umgegend , 1877, S. 8 auf sachsen.digital.
- ↑ Adreßbuch für die Stadt Bautzen und Umgegend , 1879, S. 27 auf sachsen.digital.
- ↑ Adreßbuch für die Stadt Bautzen und Umgegend , 1881, S. 31 auf sachsen.digital.
- ↑ Adreßbuch der Stadt Bautzen, 1883, Digitalisat der SLUB, S. 27.
- ↑ Dresdner Adressbuch 1885, S. 76, SLUB
- ↑ Adressbuch Dresden 1886, S. 83, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1887, S. 87, SLUB.
- ↑ Das bedeutet: Er erhielt den Rang eines Oberstleutnants, allerdings ohne entsprechendes Patent.
- ↑ Adressbuch Wurzen 1892/93, S. 23, SLUB.
- ↑ Adressbuch Wurzen 1894/95, S. 29, SLUB.
- ↑ Adreßbuch und Wohnungs- und Geschäftshandbuch der Lößnitzortschaften..., 1897 Digitalisat der SLUB, S. 12
- ↑ Adreßbuch und Wohnungs- und Geschäftshandbuch der Lößnitzortschaften..., 1897 Digitalisat der SLUB, S. 35
- ↑ Adreßbuch für die Gemeinden Kötzschenbroda, Niederlößnitz..., 1899 Digitalisat der SLUB, S. 12
- ↑ Adressbuch Dresden und Vororte 1900, S. 339, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden und Vororte 1903, S. 252, SLUB
- ↑ Adressbuch Dresden und Vororte 1902, S. 394, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden und Vororte 1905, S. 316, SLUB.
- ↑ Egidy, Christoph Ernst von (1808-1858), Datensatz im Sächsischen Staatsarchiv, Archivale 13834: Nachlass Familie von Egidy.
- ↑ Alfred Baron von Eberstein: Handbuch für den deutschen Adel, 1889, Digitalisat auf Google Books, S. 40.
- ↑ Hand- und Adressbuch der Genealogen und Heraldiker unter besonderer Berücksichtigung der Familiengeschichtsforscher, 1889, Digitalisat auf Google Books, S. 40.
[Bearbeiten] Weblinks
- Christoph Ernst VON EGIDY, Datensatz auf www.einegrossefamilie.de.
- Egidy, Christoph Ernst von (1808-1858), Datensatz in der Deutschen Digitalen Bibliothek.
- Archivale 13834: Nachlass Familie von Egidy, Datensatz im Sächsischen Staatsarchiv.