Carl Louis Thorschmidt
Carl Louis Thorschmidt, teilweise auch Karl Louis Thorschmidt (* 3. Oktober 1815 in Leipzig; † 9. Januar 1885 in Dresden) war ein bedeutender sächsischer Industrie-Pionier und Fabrikbesitzer, dessen unternehmerische Wurzeln eng mit der sächsischen Tonwaren- und Kunstindustrie verknüpft sind. Er war königlich-sächsischer Hoflieferant, Hausbesitzer und ehrenamtlicher Handelsrichter.
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[Bearbeiten] Familie
Carl Louis Thorschmidt entstammte der sächsischen Familie Thorschmidt/Torschmidt/Thurschmidt mit dem Spitzenahn und evangelisch-lutherischen Pfarrer zu Frankenau, Zacharias Thorschmidt (1612–1660) aus Mittweida. Thorschmidts Urgroßvater väterlicherseits war Traugott Thorschmidt (1721–1807), sein Großvater Johann Friedrich Traugott Thorschmidt (1747–1826), die beide in Döbeln lebten und wirkten.
Louis Thorschmidt war das vierte Kind und der älteste Sohn des Leipziger Materialwaren- und Tabakwarenhändlers[1] Carl Heinrich Thorschmidt (* 21. Juli 1779 in Döbeln; † 29. Mai 1862 in Dresden) und dessen 1806 geheirateter Ehefrau Juliane Charlotte geb. Hellwagen (* 16. März 1793; † 13. März 1862 in Dresden). Thorschmidt hatte noch fünf Geschwister:
- Juliane Charlotte Thorschmidt (* 1808),
- Auguste Agnes Amalie Thorschmidt (1810–1894) ⚭ N. Schubert,[2]
- Antonie Rosalie Thorschmidt (1814–1814)
- Heinrich Rudolph Thorschmidt (1822–1889), privater Kaufmann, 1866 in Dresden Inhaber einer Siderolithwaren- und Zigarrengeschäftes, wohnte zu dieser Zeit in der Landhausstraße 13.[3] Er ist bis 1873 in Dresden nachweisbar, zuletzt in der Zirkusstraße 8.[4]
- Wilhelmine Therese Thorschmidt (* 1823).
Louis Thorschmidt war zweimal verheiratet. In erster Ehe heiratete er Ida Florentine geb. von Leypold (* 1815; † 6. Februar 1855 in Dresden).[5] Mit ihr hatte er mindestens vier Kinder:
- Carl Adolph Thorschmidt (1839–1873), später Mitinhaber der „Syderolith- und Terracotta-Fabrik Carl Louis Thorschmidt“ in Pirna, starb in Dresden.[6]
- Ida Maria Charlotte Thorschmidt (um 1840) ⚭ 1860 Aloys Maria Karl Ernst Apell (1811–1892), aus Österreich stammender Dresdner Kunsthändler und Schriftsteller.[7]
- Alma Maria Thorschmidt (1855–1909)[8] ⚭ 1883 Georg Eduard Lühning.[9]
- Hugo Theodor Thorschmidt (* 1855; † 13. November 1885 in Bogotá, Kolumbien) ⚭ Petronila Antonia geb. Obregón-Diazgranados (* 1847 in Santa Marta, Kolumbien), zwei Kinder. Der Sohn des Paares war Carl Adolph Thorschmidt (1870–1957) Dieser Familienzweig hat heute noch Nachkommen in Kolumbien.
In zweiter Ehe heiratete Louis Thorschmidt 1857 in Hamburg die aus dieser Hansestadt stammende Anna Christiane Josephine Thorschmidt geb. Bostelmann (* 20. Oktober 1818 in Hamburg; † 14. Januar 1899 in Dresden)[10] Aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt. Seine Witwe erbte nach seinem Tod sein Haus in der Walpurgisstraße.
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Bevor Louis Thorschmidt nach Dresden zog, gründete und betrieb er die renommierte „Syderolith- und Terracotta-Fabrik Carl Louis Thorschmidt“ in Pirna, südöstlich von Dresden. Er knüpfte an die lokale Handwerkstradition an und eröffnete seine Fabrik 1855 in Pirna. Im Handelsregister des Amtsgerichts Pirna war die Firma unter „C. L. Thorschmidt & Co.“ eingetragen.[11] Die Manufaktur stellte dekorative und funktionale Objekte aus Siderolith (einer terracotta-ähnlichen Tonware) und hitzebeständiger Chamotte sowie kunstvolle, geformte Tonwaren, Gefäße und Bau-Terrakotten her, die im 19. Jahrhundert sehr gefragt waren. Zu den Erzeugnissen gehörten kunstvoll modellierte Figuren wie Darstellungen von Bacchus und Gambrinus, die für ihre Feinheit und Schönheit gelobt wurden.
Die Fabrik war finanziell sehr erfolgreich. Der Erfolg war so groß, dass Carl Louis Thorschmidt 1862 vom sächsischen König Johann sogar ein offizielles Hofprädikat als königlich-sächsischer Hoflieferant verliehen bekam.[12][13] Während seiner Zeit in Pirna wirkte Thorschmidt in den 1860 er Jahren auch als ehrenamtlicher Handelsrichter, als er stellvertretendes Mitglied des Handelsgerichts am Bezirksgericht Pirna war.[14] Am 2. September 1862 wurde neben Carl Louis Thorschmidt auch sein Sohn Carl Adolph Thorschmidt als Inhaber der Firma eingetragen.[15] Bereits vorher, am 6. August 1861 erlosch die Prokura seines bisherigen Prokuristen Emil Feodor Geyer. 1862 stellte Thorschmidt seine Erzeugnisse auf der Leipziger Herbstmesse 1862 aus, wo er einen Messestand am Leipziger Markt in Auerbachs Hof Nr. 1 hatte.[16]
Thorschmidt ist erstmals 1868 im Dresdner Adressbuch als Terracottawarenfabrikant verzeichnet. In jenem Jahr zog er zu Ostern in die Erdgeschosswohnung in die Blumenstraße 18, während sein Bruder Hans Rudolph Thorschmidt (1882–1889) als privater Kaufmann in der Zirkusstraße 8 wohnte.[17] Louis Thorschmidt war Eigentümer des Hauses in der Blumenstraße in der Pirnaischen Vorstadt,[18] wo ab 1869 auch eine Niederlassung seiner Firma „Carl Louis Thorschmidt & Company“ untergebracht war. Nachdem Thorschmidt mit der Fabrik ein erhebliches Vermögen erwirtschaftet hatte, zog er sich aus dem aktiven operativen Geschäft zurück und verkaufte es noch im gleichen Jahr an den neuen Eigentümer, den Kaufmann Carl Otto Gehrenbeck, der ab 1870 im Haus in die ehemalige Thorschmidt'sche Wohnung einzog.[19] Das Unternehmen existierte weiter und stellte seine Erzeugnisse, die wegen ihres künstlerischen Wertes hervorgehoben wurden, u.a. auf der 1871 stattgefundenen Industie- und Gewerbe-Ausstellung in Dresden aus.[20]
Thorschmidt zog sich als sogenannter Partikulier, das heißt als reicher Privatmann, der nun von seinem Vermögen lebte, vorübergehend in eine Mietwohnung in der Amalienstraße 1 zurück, während Carl Adolph Thorschmidt noch 1869 Prokurist der Firma „Thorschmidt & Company“ wurde.[21] Nachdem Thorschmidt ein Jahr in der Kaitzer Straße 20 gewohnt hatte, zog er Ostern 1873 in die zweite Etage der Christianstraße 18.[22]
Mit Wirkung vom 1. Januar 1876 wurde Thorschmidt Eigentümer des Hauses in der Walpurgisstraße 2,[23] wo er mit seiner Ehefrau Anna Thorschmidt ab Ostern 1876 in die Erdgeschosswohnung einzog.[24] Er kaufte das Haus von dem Dresdner Augenarzt Dr. med. Ernst Ferdinand Bode ab,[25] der dort bis 1875 seine Praxis hatte.[26] Thorschmidt wohnte bis zu seinem Tod im Jahr 1885 in seinem Haus in der Walpurgisstraße in der Dresdner Seevorstadt.[27] Er starb im Alter von 70 Jahren.
[Bearbeiten] Quellen
- Genealogische Angaben aus MyHeritage, Vergara Web Site und Torres Web Site, Anmeldung erforderlich.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Leipziger Adreßkalender 1815, S. 115, SLUB.
- ↑ Datensatz auf Ancestry.
- ↑ Adressbuch Dresden 1866, S. 277, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1873, S. 345, SLUB.
- ↑ Datensatz auf Ancestry.
- ↑ Datensatz auf Ancestry.
- ↑ Gotthard Oswald Marbach: Bericht über literarische Leistungen im Königreiche Sachsen lebender Schrifsteller während der Jahre 1847-1857, 1867, Digitalisat auf Google Books, S. 191.
- ↑ Datensatz auf Ancestry.
- ↑ Datensatz auf Ancestry.
- ↑ Nach anderen Angaben am 13. Januar 1899 verstorben.
- ↑ Handelsregister Stadt Pirna, Archivale 11085 Amtsgericht Pirna, 1862–1876, Datensatz im Hauptstaatsarchiv Dresden.
- ↑ Verleihung von Hofprädikaten, 1856–1867, Archivale 10711 Ministerium des Königlichen Hauses, Datensatz im Hauptstaatsarchiv Sachsen.
- ↑ Hugo Jensch: Überblick über die Anfänge der Arbeiterbewegung in Pirna und seiner Umgebung, Teil I (1848–1890), Digitalisat auf yumpu, S. 3.
- ↑ Staatshandbuch für das Königreich Sachsen, 1867, Digitalisat auf Google Books, S. 156.
- ↑ Central-Organ für den deutschen Handelsstand (Hrsg.): Sammlung der deutschen Handels-Register, Band 1, 1862, Digitalisat auf Google Books, S. 160.
- ↑ Leipziger Zeitung, Amtsblatt des Königlichen Landgerichts und des Königlichen Amtsgerichts Leipzig sowie der Königlichen Amtshauptmannschaft Leipzig., 1862, Digitalisat auf Google Books, S. 4568 und 4824.
- ↑ Adressbuch Dresden 1868, S. 293, SLUB.
- ↑ Häuserbuch, Adressbuch Teil II Dresden 1869, S. 34, SLUB.
- ↑ Häuserbuch, Adressbuch Teil II Dresden 1870, S. 35, SLUB.
- ↑ Blätter für Gewerbe, Technik und Industrie, 1871, Digitalisat auf Google Books, S. 272.
- ↑ Adressbuch Dresden 1870, S. 306, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1873, S. 345, SLUB.
- ↑ Häuserbuch, Adressbuch Teil II Dresden 1876, S. 318, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1876, S. 390, SLUB.
- ↑ Häuserbuch, Adressbuch Teil II Dresden 1875, S. 305, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1875, S. 33, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1885, S. 454, SLUB.