Carl Heinrich Titius

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Dr. med. Carl Heinrich Titius, auch Karl Heinrich Titius, latinisiert aus Tietze/Dietze (* Oktober 1743 in Roßwein bei Nossen; † 28. September 1813 in Dresden) war ein sächsischer praktischer Arzt und Mediziner, Mineraloge und Zoologe. Er war kurfürstlich-sächsischer Mineralien- und Naturalien-Galerien-Inspektor und Hofrat sowie Professor im Collegium medico-chirurgicum. Er galt in weiten Teilen Europas als anerkannter Experte in Sachen Mineralogie und Pharmakologie.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Familie

Carl Heinrich Titius entstammte der sächsischen Familie Tietz(e)/ Dietz(e), die mehrere hochrangige Gelehrte, aber auch Pfarrer hervorbrachte. Ein früher Angehöriger der Familie war der evangelisch-lutherische Pfarrer Michael Titius (15221584) in Rochlitz und Pegau. Carl Heinrich Titius war der Sohn des sächsischen Arztes Georg Heinrich Titius, der erst in Roßwein, später, ab etwa Ende der 1740er Jahre in Dresden als niedergelassener Arzt arbetete[2][3] und dort 1775 als Medicinae Practicus nachgewiesen ist.[4] Titius Mutter war Christiana Dorothea Titius.

Carl Heinrich Titius heiratete in erster Ehe am 21. November 1769in Dresden Friederica Siegismunda Sophia geb. Green (* Oktober 1753; † August 1770 in Dresden), Tochter des Archidiakons und späteren Dompredigers zu Meißen, Magister George Sigismund Green (17121754). Seine erste Ehefrau starb im sogenannten Wochenbett nach der Geburt der Tochter:

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Titius am 10. November 1772 in Dresden Eleonora Sophia geb. Mencke (* 30. Mai 1752 aif dem Rittergut Kleinopitz bei Wilsdruff; † ?), Tochter des Juristen, Kanonikers, Erb- Lehn- und Gerichtsherren auf Kleinopitz, Carl Otto Mencke (17111759) und dessen Ehefrau Christine Eleonore geb. Seyf(f)ert (* ca. 1715), die wiederum eine Tochter des hochfürstlich-Sachsen-Merseburgischen Rates und Secretarius, Erb-, Lehn- und Gerichtsherren auf Niederpolenz, Johann Seyfert (16731724) war. Titius' zweite Ehefrau war eine jüngere Schwester des Kommandeurs der Landbrigade des sächsischen Ingenieurkorps, Oberst Ferdinand Otto Mencke (17421814). Aus dieser Ehe entstammten vier Kinder:

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Titius erhielt seine höhere Schulbildung an der Annenschule in Dresden. Danach studierte er ab 1763 zuerst an der Universität in Leipzig und später im damals sächsischen Wittenberg, wo er 1766 durch seine Inaugural-Dissertation „de exanthematum, quae cum febre sunt, differentia“ zum Dr. med. promovierte und vor dem damaligen Professor Georg Rudolf Böhmer verteidigte. Anschließend ließ sich Titius in Dresden als praktizierender Arzt nieder,[6] wo er sich innerhalb weniger Jahre einen Namen machte.

1778 wurde Titius Inspektor des Dresdner Naturalien-und Mineralienkabinetts, das er über Jahre hin mit vielen weiteren Mineralien erweitern konnte. Als solcher ist er erstmals 1780 im kursächsischen Staatskalender verzeichnet. Sein Concierge war Johann Carl Silbermann, sein Adjunctus Christian Gottlieb Pötsch.[7] Im Kabinett wirkte Titius in erster Linie als Mineraloge und stellte die Mineralien nach Cronstedt's System auf. Titius vorgesetzt waren die kursächsischen Oberkammerherren und das Geheime Finanzkollegium, mit denen ein reger Briefwechsel erhalten ist.[8] Als Inspektor des Naturalien- und Mineralienkabinetts wurde Titius einer der Nachfolger von Johann Heinrich von Heucher in Dresden, der die Naturhistorischen Sammlungen zu Zeiten von August dem Starken gründete und viele Jahre lang ihr Inspektor und Direktor war.

1786 wurde Titius als „Professor materiae medicae bey dem medicinisch-chirurgischen Collegio“ berufen, wo er bis zu seinem Tod als Dozent wirkte. In diesen Ämtern ist er erstmals im Staatskalender des Kurfürstentums Sachsens von 1790 zu finden.[9] 1797 wohnte Titius im Haus Nr. 583 in der Töpfergasse (zwischen der Augustusstraße und der Frauenkirche),[10] wo er auch 1799 nachgewiesen ist.[11]

Titius erhielt 1805 vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August der Gerechte den Ehrentitel eines kursächsischen (Titular)-Hofrates. Nach der 1806 erfolgten Erhebung von Sachsen zum Königreich durch Kaiser Napoleon Bonaparte erhielt Titius nun den Titel eines königlich-sächsischen Hofrates und königlichem Inspektor des Naturalien- und Mineralienkabinetts. Bis zuletzt wirkte Titius auch als Arzt, als Kabinettsinspektor und als Dozent des medizinisch-chirurgischen Kollegiums in Dresden.[12] Seine letzte Wohnung hatte Titius im Haus 250 in der Schloßgasse.[13]

Titius unternahm in seinem Leben einige naturhistorische Reisen und schrieb Reisejournale über seine wissenschaftlichen Studien, die in Johann Bernoulli's Sammlung kurzer Reisebeschreibungen in mehreren Bänden veröffentlicht wurden.

Titius war Freimaurer und Mitglied der Dresdner Loge „Zu den drei Schwertern“, in der er 1811 nachgewiesen ist und in der auch andere Persönlichkeiten Mitglied waren wie Obersteuerdirektor Georg Heinrich von Carlowitz (17371816), Kammerherr Johann Adolf von Leipziger, Oberküchenmeister Joseph Friedrich Freiherr von Racknitz, der Generalleutnant Johann Adolf Thielmann, der Geheime Rat Karl Friedrich von Brand, der auch Meister vom Stuhl dieser Loge war und Präsident Carl Victor August von Broizem, der Senior der Loge war.[14][15]

[Bearbeiten] Veröffentlichungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Matthias Wolf: Chronik der Stadt Roßwein, 2025, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 55.
  2. Walther Fischer: Mineralogie in Sachsen von Agricola bis Werner, 1939, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 141.
  3. Wissenschaftliche Zeitschrift, Mathematisch-naturwissenschaftliche Reihe, Band 15, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 1966, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 1112.
  4. Zu dieser Zeit wirkte der Jurist Johann Gottlob Titius bereits seit mindestens 1738 als Advokat (Rechtsanwalt) in Dresden. S.a.: Das ietztlebende Königliche Dresden 1738, Digitalisat der SLUB, S. 92.
  5. Pflege und Vormundschaft des kranken Caspar Albert v. Schlieben, 1840-1841 in: Nachlassangelegenheiten der Familien v. Schlieben, Menkin (Menken, Menke) und Titius, Datensatz in der Deutschen Digitalen Bibliothek.
  6. Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz: Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz, 1933, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 41.
  7. Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender auf das Jahr 1780, Digitalisat auf Google Books, S. 52.
  8. Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz, Band 32, Görlitz 1933, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 25f.
  9. Fof- und Staatskalender auf das Jahr 1790, S. 186.
  10. Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1797, Digitalisat der SLUB, S. 130.
  11. Dresden zur zweckmäßigen Kenntniß seiner Häuser und deren Bewohner 1799, Digitalisat der SLUB, S. 450.
  12. Königlich-sächsischer Hof- und Staats-calender auf das Jahr 1813, Digitalisat auf Hathi Trust, S. 52, 195 u. 249.
  13. Dresdner Adress-Kalender 1812, S. 10.
  14. Ferdinand Runkel: Geschichte der Freimaurerei in Deutschland, 3. Band, 2022, Leseprobe auf Google Books, S. 381.
  15. Die Grosse Landes-Loge von Sachsen und ihre Bundeslogen, Festschrift zur Jahrhundertfeier am 27. u. 28. Septbr. 1911, 1911, Digitalisat auf Google Books, S. 71.

[Bearbeiten] Weblinks

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