Bořivoj II. von Böhmen

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Bořivoj II. (* um 1064; † 2. Februar 1124 in Ungarn) war Herzog von Böhmen von 1100–1107 und nochmals von 11171120.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Herkunft

Bořivoj II. war der Sohn von Vratislav II., der ungewöhnlich lange (1061–1092) Herzog von Böhmen war, und der Swatawa von Polen, Tochter des polnischen Herzogs Kasimir I. Karl.

Vratislav II. wurde als Unterstützer von König Heinrich IV. (1084 Kaiser) im Juni 1085 sogar zum (noch nicht erblichen) König von Böhmen erhoben.

Bořivojs Eltern waren von 1075 bis 1089 de jure (bis 1086 de facto) Markgraf und Markgräfin von Meißen. 1089 wurde erstmals ein Wettiner (Heinrich I. von Eilenburg) mit der Markgrafschaft Meißen vom Kaiser belehnt, nachdem Thimo von Wettin Teile derselben schon seit 1086 beherrschte.

[Bearbeiten] 1081 bis 1084: Italienfeldzug

Bořivoj nahm am Italienfeldzug von König Heinrich IV. als Führer des böhmischen Heeres seines Vaters von 300 Kriegern teil, welches durch ein Heer von 60 Kriegern seines Schwagers Wiprecht von Groitzsch verstärkt wurde, der sich besonders bei der Eroberung Roms 1083 hervortat, welche die Kaiserkrönung von Heinrich IV. erst ermöglichte.

Im Jahr 1084 kehrte nur noch eine kleine Schar Böhmen zurück in die Heimat.

[Bearbeiten] Juni 1085: Königskrönung seiner Eltern

Im Juni 1085 wurden Bořivojs Eltern in Prag vom Trierer Erzbischof Egilbert zu König und Königin von Böhmen gekrönt und gesalbt. Damit war Bořivoj ein königlicher Prinz, allerdings ohne Erbberechtigung der Wenzelskrone, die (noch) nicht vererbbar war.

[Bearbeiten] 1092: Herzog Břetislav II. von Böhmen möchte seinen jüngeren Halbbruder Bořivoj entgegen dem Senioratsprinzip die Nachfolge sichern

Der Fürst und Herzog von Böhmen Břetislav II. (Nachfolger seines Onkels Konrad I. † 1092) versuchte seine eigene Nachfolge entgegen dem Prinzip des Seniorats zu Gunsten seines jüngeren Halbbruders Bořivoj II. zu regeln. Ulrich/Oldřich von Brünn, Sohn Konrads I. und als älterer der rechtmäßige Thronfolger, wollte aber seine Rechte durchsetzen.

[Bearbeiten] 1097: Herzog Břetislav II. von Böhmen nahm Ulrich/Oldřich von Brünn, den ältesten damals lebenden Přemysliden, gefangen

1097 nahm Břetislav II. seinen Cousin Ulrich/Oldřich von Brünn, den ältesten lebenden Přemysliden, der Ansprüche auf den Prager Bischofssitz erhoben hatte, gefangen und inhaftierte ihn in der Grafschaft Glatz.

[Bearbeiten] Ostern 1099 auf dem Hoftag in Regensburg: Böhmen als Lehen des Reiches der Deutschen aufgegeben und Bořivoj als Nachfolger von Böhmenherzog Břetislav II. bestimmt

Břetislav II. ernannte Ostern 1099 auf dem Hoftag in Regensburg seinen jüngeren Halbbruder Bořivoj zu seinem Erben und Nachfolger und bat Heinrich IV., ihm Böhmen als Lehen zuzusprechen. Der Kaiser entsprach dieser Bitte und war fortan Lehnsherr von Böhmen. Damit war auch das Senioratsprinzip in Böhmen aufgehoben.

1099 besetzte Břetislav II. Mähren militärisch und vertraute es der Verwaltung seines Bruders Bořivoj an. In den Jahren 10991100 war Bořivoj Fürst der Herrschaften Brünn und Znaim.

Ulrich/Oldřich erhielt daraufhin die Erlaubnis, sich wieder auf seiner Burg in Brünn niederzulassen.

[Bearbeiten] 1100: Tod von Břetislav II. und Nachfolge von Bořivoj II. als Herzog

1100 starb Břetislav II. nach einem Attentat und Bořivoj II., der nach der Gefangennahme von Ulrich/Oldřich zum Verwalter Mährens ernannt worden war, zog nach Prag, um die Regentschaft in Böhmen zu übernehmen. Ulrich/Oldřich und sein Bruder Litold von Znaim wurden mit der Verwaltung Mährens beauftragt.

Ulrich forderte bei Heinrich IV. weiterhin seine Rechte auf den Thron von Böhmen ein, worauf ihm über Böhmen Lehnherrschaft erteilt wurde. Nach erfolglosen Verhandlungen mit Bořivoj zog Ulrich/Oldřich mit Unterstützung österreichischer und bayerischer Heere in Richtung Prag. Nach der ersten Schlacht bei Malín zerstreuten sich jedoch die wenig motivierten Söldner. Ulrich zog sich daraufhin nach Brünn zurück und verzichtete auf den Thron. Nach dem Tod Litolds erhielt er das Fürstentum Znaim.

[Bearbeiten] Quellen

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