Arnold
Magister Arnold war 1273 der erste überlieferte Archidiakon von Nisan und als Domherr in Meißen auch cantor ecclesiae Misnensis (der Kantor der Meißner Domkirche). Nach seinem Tod im gleichen Jahr wurden beide Ämter auf Dauer wieder getrennt.[1] Nachfolger als zweiter bekannter Archidiakon wurde der ehemalige Scholastikus der Domschule Meißen Conradus, Nachfolger als Cantor wurde Heidenreich von Derwin.
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[Bearbeiten] Arnold
[Bearbeiten] Ersterwähnung 1262
Magister Arnold wurde schon in einer Urkunde vom 7. Mai 1262 als Meißner Domherr erwähnt, dort noch ohne den Zusatz archidiaconus.
[Bearbeiten] Mögliche Gründung des Archidiakonats ab 1265
Möglicherweise hat Heinrich der Erlauchte das Archidiakonat Nisan erst ab 1265 ins Leben gerufen, als er seine umfangreichen Besitzungen unter seine Söhne aufteilte und sich auf die Markgrafschaft Meißen und Dresden konzentrierte.
[Bearbeiten] Verstorben 1273 - möglicherweise allererster Archidiakon von Nisan
Da Magister Arnold schon 1273 verstarb, könnte er demzufolge auch der erste Archidiaconus Nisaniae gewesen sein.
Eine genaue Jahreszahl der Gründung ist nicht überliefert. Die Gründung erfolgte zu Beginn des Spätmittelalters unter der Regierung von Heinrich dem Erlauchten. Das Bistum Meißen wurde in neun Archidiakonate aufgeteilt.
Das Archidiakonat Nisan ist anfangs möglicherweise von einem Meißner Domherren mit verwaltet worden, der den Titel archidiaconus noch nicht explizit führte. Erst bei der wichtigen Teilung der sehr alten Obödienz Briesnitz findet der Archidiaconus Nisaniae Arnold Erwähnung, der dabei als obedientiarius derselben eingesetzt wurde.[2]
[Bearbeiten] Nachfolger 1273: der ehemalige Scholastikus der Meißner Domschule Conradus
1273 übertrug Bischof Withego I. das Amt des Archidiakonus von Nisan und die Pfründe der Kirche Briesnitz dem ehemaligen Scholastikus (Domlehrer) Conradus. Die Cantorei erhielt Heidenreich von Derwin. Dabei wurden die beiden Ämter getrennt, was auch in Zukunft beibehalten wurde.[3]
[Bearbeiten] Archidiakone von Nisan
Archidiakone von Nisan des Archidiakonats Nisan gab es nachweislich seit 1273. Sie residierten von Meißen aus und waren zumeist gleichzeitig Domherren in Meißen (seit der Regierung von Albrecht dem Beherzten ab 1464 wurde diese Dignität nur noch an Domherren verliehen).[4]
[Bearbeiten] Aufgaben
Die Archidiakone hatten:
- in ihrem Archidiakonat den Bischof zu vertreten
- die Aufsicht über die Geistlichkeit
- die Kirchen und kirchlichen Stiftungen und Güter zu führen und
- die bischöfliche Gerichtsbarkeit auszuüben.
[Bearbeiten] Rechte
Den Archidiakonen stand das Recht zu:
- ihre Archidiakonate zu visitieren
- die Sendgerichte abzuhalten
- gegen ihre Geistlichkeit die Strafgerichtsbarkeit auszuüben
- die Zivilgerichtsbarkeit zu verwalten
- Leute vorzuladen
- Bußen aufzuerlegen
- Verbrechen zu bestrafen, besonders die in Kirchen begangenen Gewaltdelikte
- mit Kirchenbann und Interdikt zu belegen.
[Bearbeiten] Amtsmißbrauch und Einsetzung bischöflicher "Offizialer" und "Commissare"
"Später wurde den Archidiakonen, da sie das Volk bedrückten, durch öfter gehaltene Gerichtstage und Schmausereien die Pfarren beschwerten und sich Eingriffe in die bischöfliche Jurisdiktion erlaubten, von den Bischöfen Offiziale und Commissare an die Seite gesetzt, welche letzteren fast alle Archidiakonal-Verrichtungen zu besorgen hatten und die vorkommenden Streitigkeiten und Rechtshändel allein oder unter Zuziehung der Archidiakone entschieden".[5]
[Bearbeiten] Kollaturen
Über diese allgemeinen Rechte und Pflichten hinaus hatte der Archidiakon von Nisan außerdem noch die Collatur (das Recht, eine geistliche Stelle zu besetzen sowie eine Pfründe oder ein Stipendium zu vergeben):
- der Vicaria omnium Sanctorum secunda im Domstift Meißen
- der Pfarre zu Briesnitz
- der Pfarre zu Kaditz
- der Pfarre zu Kötzschenbroda
- der Capella Mariae Magdalenae zu Meißen und
- der Vicaria Sanctae Annae zu Meißen.
[Bearbeiten] Einkünfte
Die teilweise wichtigen Collaturen unterstreichen die Bedeutung des Archidiakons von Nisan im Bistum Meißen. Aber obwohl er zu den vornehmsten Dignitäten im Bistum gehörte, waren seine Einkünfte verhältnismäßig gering. Er erhielt nur 40 Sibergroschen von Bauern aus Briesnitz, gut 2.400 Liter Getreide sowie den Ertrag eines Weinberges in Kötzschenbroda.
Als Obedientiarius der Obödienz Briesnitz standen ihm aber noch weitere Einkünfte zur Verfügung, darunter auch der Ertrag eines Weinbergleins in Zitzschewig (dem Wüstenberg). Von diesen Einkünften mußte er allerdings der Domkirche in Meißen 1 Schock (= 5 Dutzend) und 51 Silbergroschen (= zusammen 111 Silbergroschen) und später 12 Feine Mark in Silber jährlich weiterreichen. Das waren mehr als ein Viertel seiner 395 Groschen, die er aus Briesnitz erhielt. Dazu kamen für ihn allerdings noch große Mengen an Korn, Hafer, Weizen, Gerste und Erbsen - insgesamt 22 Malter. Das entsprach im Spätmittelalter etwa 3.600 Liter Korn allein von Briesnitz. Dem Archidiakon verblieben insgesamt 324 Silbergroschen und rund 6.000 Liter Getreide im Jahr - also täglich fast ein Silbergroschen und über 16 Liter Getreide, dazu kam noch der Wein von zwei Weinbergen.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 3f.
- ↑ Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 51.
- ↑ Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 4.
- ↑ Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 51.
- ↑ Moritz Welte: "Gau und Archidiakonat Nisan in der Markgrafschaft Meissen". Wold. Türk's Verlag (A. Urban), Dresden 1876, S. 4f.