Anna Rosiene Böhlo
Anna Rosiene Böhlo (* 31. Dezember 1723 im Amt Stolpen; † 15. November 1773 in Herrnhut) war von 1748 bis 1760 die Mutter der Herrnhuter Brüdergemeine Dresden.
Anna Rosiene geb. Ziegenbalg kam um 1740 nach Wohlau bei Elster zur Freifrau von Döhler, welche für ihre Erziehung sorgte und sie in ihre Dienste nahm. Dort lernte sie den Dresdner Schneidermeister Kaulfuß kennen, der für die Freifrau schneiderte. Um 1745 kam Anna Rosiene als Kindermädchen zur Frau von Sack nach Prischwitz, dessen Mann damals Hauptmann war. Durch Charlotte von Heynitz wurde sie bekehrt, worauf Johann Gottlieb von Kaulfuß um ihre Hand bei Frau von Sack anhielt. Nach der Hochzeit 1748 in Prischwitz zog sie zu ihrem Mann nach Dresden. Ihr Haus wurde zum Mittelpunkt der Gemeine, wo auch die durchreisenden Geschwister wohnen konnten. Sie bekam mit Johann Gottlieb Kaulfuß fünf Kinder, von denen drei überlebten.
Zinzendorf starb am 9. Mai 1760 in Herrnhut. Er mußte das preußische Bombardement von Dresden (13. Juli bis 22. Juli 1760) und die Flucht vieler Geschwister von diesem Ort des Anfanges seiner Versammlungen nicht mehr miterleben.
Auch Johann Gottlieb Kaulfuß starb 1760 noch vor dem preußischen Bombardement, das sein Haus verbrannte. Nur notwendig wieder darin eingerichtet, flüchtete Anna Rosiene Kaulfuß wegen der anhaltenden Kriegsgefahr dann doch am 27. November 1760 zunächst nach Berthelsdorf.
Von 1755 (63.209 Einwohner) bis 1772 (44.760 Einwohner) verlor Dresden durch die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges rund 18.500 Bürger.
Mit dem Wegzug von Anna Rosiene Kaulfuß verlor die Brüdergemeine Dresden ihr Zentrum. 1776 hatte die Gemeine nur noch 18 Mitglieder, zu dieser Zeit wie andernorts auch als "Häuflein" bezeichnet.
Die Einwohnerzahl von Berthelsdorf stieg von 1757 bis 1764 um 83 Personen, darunter viele Flüchtlinge aus Dresden. Man riet der Alleinerziehenden, mit ihren drei Kindern wieder nach Dresden auf ihr Grundstück zu ziehen, sie wollte aber lieber auf das kümerlichste ... leben, als das Volck Gottes wieder zu verlaßen.[1]
Statt dessen heiratete sie am 9. April 1761 den Bruder Böhlo und schenkte diesem am 26. April 1762 die Tochter Anna Eliesabeth.
Am 6. April 1764 erhielt die Familie die Erlaubnis, nach Herrnhut direkt zu kommen, wo sie am 3. Dezember 1764 ihr neu gebautes Haus bezog.
In Herrnhut war Anna Rosiene eine regelmäßige Saal-Dienerin und unermüdliche Kranken-Besucherin. Auch war sie weiterhin eine Gehilfin der Diaspora Herrnhut und beherbergte auch in ihrem neuen Haus die besuchenden Geschwister von außerhalb.
In ihren letzten Jahren wurde sie selbst kränklich. Im Oktober 1773 besuchte sie in ihrer Unpäßlichkeit ihren Bruder in Niesky und ihre zwei Schwestern in der Nachbarschaft, weil sie glaubte, die Reise würde ihr nützlich sein. Als sie aber zu einer ihrer Schwestern kam, wurde sie totkrank. Am 25. Oktober kam sie nach Herrnhut zurück nach Hause und freute sich, wieder bei der Gemeine zu sein. Am 13. November redete sie mit ihren Kindern und gab ihnen ihren mütterlichen Segen. Nachdem sie dieses ihren Mann erzählt und von ihm Abschied genommen hatte, entschlief sie am 15. November 1773 früh nach 3 Uhr unter der Einsegnung ihres Mannes. Sie wurde 49 Jahre, 10 Monate und 15 Tage alt und hinterließ vier Kinder in der Gemeine. Zwei Kinder waren ihr bereits in Dresden im Tode voran gegangen.
[Bearbeiten] Quelle
"Die in Herrnhuth heimgegangne verheyrathete Schwester Anna Rosiene Böhloin, verwittwete Kaulfusin geb. Ziegenbalg", In: Gemein-Nachrichten - Beylagen 1774,3 (1774) der Herrnhuter Brüdergemeine (Hrsg.) No. VII. Beylage zur 28. Woche 1774, S. 392-396.
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Gemein-Nachrichten - Beylagen 1774,3 (1774) der Herrnhuter Brüdergemeine (Hrsg.) No. VII. Beylage zur 28. Woche 1774.