VEB Pentacon

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Ernemannturm 2017: Ab 1964 Vorlage für das Pentacon-Logo
Hofansicht Ernemanngebäude
Werbung zur neuen Praktica 1970

Der Hauptsitz des Kombinats VEB Pentacon Dresden befand sich im Fabrikgebäude an der Schandauer/Junghans-/Glashütter Straße in Striesen. Aus verschiedenen Kamerawerken (bis 1958) entstanden (ab 1959) die VEB Kamera- und Kinowerke Dresden. Ab 1964 bildete sich der VEB Pentacon Dresden und 1968 wurde Pentacon zum Kombinat umgebildet. Von 1985 bis zur Abwicklung 1990 gehörte Pentacon zum Kombinat VEB Carl Zeiss Jena.

Heute nutzen die Technischen Sammlungen und das Deutsche Institut für Animationsfilm den Komplex als Museum und Archiv. Im ehemaligen Klubhaus Pentacon an der Schandauer Straße 64 befindet sich heute das Medienkulturzentrum Pentacon (u. a. SAEK Dresden und Kino im Dach).

Im Gebäudeflügel zur Glashütter Straße befand sich das Lager, unter dem Giebel beispielsweise war das Kleinteile-Lager untergebracht.[1]

[Bearbeiten] Betriebsteile (Auswahl)

Das Kombinat VEB Pentacon beschäftigte etwa 6000 Mitarbeiter (+3000 aus Zulieferbetrieben) und bestand aus mehreren Objekten:

[Bearbeiten] Objekt 1: Stammwerk Schandauer Straße 74/76

Abteilungen Stanzerei, Automatendreherei, Werkzeugbau (250 Beschäftigte), Gütekontrolle und verschiedene Kameramontagen der Praktica-Serien (Kleinbild 24x36mm). Nach der Wende entstanden auf dem Gelände zwei Wohnhäuser mit Großmarkt und Parkfläche. Zum verbliebenen Gebäude wurden die Zugänge Glashütter Straße 100 und 100a angebaut.

Im Stammwerk in der Schandauer Straße wurden mehrmals Vereidigungen von Wehrpflichtigen des Aufklärungsbataillons-7 (AB-7) der 7. Panzerdivision durchgeführt, so auch am 30. Mai 1969. Das VEB Pentacon war der Patenbetrieb des AB-7, das wiederum in der Dresdner Albertstadt disloziert war. Siehe auch:

[Bearbeiten] Objekt 2: Junghansstraße 1-3

Mit Ernemannturm (Pentacon-Logo): Hier waren die Abteilungen Stanzerei, Werkzeugbau, Galvanik bzw. Veredlung untergebracht.

In der SBZ (sowjetische besetzte Zone von 1945 bis 1949) und in den jungen Jahren der DDR-Zeit (bis 1953) mussten die Produkte von einigen Kameras, teilweise die Montagebänder und alle Unterlagen als Reparations-Leistungen für den Zweiten Weltkrieg an die damalige UdSSR abgegeben werden.

Hergestellt wurden im Montagebau-Verfahren Zeitrafferkameras und wassergekühlte Filmprojektoren für Kinos, ab 1965 die 35/70mm-Kinomaschine PYRCON UP 700. Die letzten zwei wurden an den Kulturpalast Dresden geliefert. Diese Produktion musste eingestellt werden zu Gunsten des RGW-Verbandes. Genauso betraf es die Schmalfilmtechnik, die Pentakon Pentaflex 8 und Pentakon AKA 8b (1960). Heute Sitz des Sozialamtes und des Museums Technische Sammlungen Dresden.

[Bearbeiten] Objekt 3: Klagenfurter Straße 52

Montage der Pentacon Six (6x6cm).

[Bearbeiten] Objekt 4: Bärensteiner Straße

Montage der Praktica LLC. Hier befand sich Pentacon auf dem Gelände von Mimosa, später des VEB Fotopapierwerkes Dresden,[2] wurde etwa 1970 aufgelöst. Heute Wohnanlage.

[Bearbeiten] Objekt 6: Schandauer Straße 46

Klubhaus Pentacon und Kombinatsdirektor. Hinter dem Klubhaus befand sich ein weiteres Gebäude für die Direktion, Verwaltung, Betriebsakademie und Kooperation. Heute befindet sich hier ein großer Parkplatz.

[Bearbeiten] Objekt 8: Edgar-André-Straße 56

Lager, Forschung und Entwicklung.

[Bearbeiten] Objekt 9: Mügelner Straße 40

Betriebsberufsschule: Ausbildung von u. a. Werkzeugmachern, Zerspanern, Feinmechanikern. Hier gab es Abt. der Tischlerei, des Druck- und Sandgusses. Heute IHK Bildungszentrum Dresden.[3]


[Bearbeiten] Objekt 10: Helfenberger Grund Nr. 8

Ehemals Chemische Fabrik Helfenberg. Polytechnischer Unterricht (UTP und ESP) und Montage. Die Gruppen- und Fertigmontagebänder, z. B. der Penti-Kleinbildkameras im 18x24mm-Format (Halbformat), Penti I (schwarz/gold) (1961–1962) und Penti II (weiß/gold) (1961–1977) sowie der Kamera electra (1960–1966).

Die verschiedenen Plasteteile (Prismen, Front-, Boden-, Deckkappen) für die Pentacon-Kameras der verschiedenen Praktica-Reihen, z. B. MTL und L, wurden mit Plastespritzmaschinen von VEB Werkzeugmaschinenfabrik Johanngeorgenstadt (WEMA) und Spritzgießmaschinen der westdeutschen Firma Arburg Kronach produziert. Hier fand Schulunterricht in den Fächern UTP bzw. PA (Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion bzw. Produktive Arbeit) und ESP (Einführung in die sozialistische Produktion) für die Klassen 7 bis 10 statt.

1997 erwarb die Firma COLOSSEUM Design die Immobilie und rekonstruierte die Gebäude, heuten wohnen Künstler wie Max Uhlig darin.

[Bearbeiten] Objekt 13: Bodenbacher Straße 97

Werbung und Messen; jetzt STEG Stadtentwicklung GmbH.

[Bearbeiten] Objekt 15: Pestalozzistraße 12

Polytechnischer Unterricht (unterstand der Betriebsberufsschule). Montage der Kleinbild-Diaprojektor Aspectar N 24, 150, 150 A und Diaprojektoren „Aspectomat J 24 B. Heute steht hier ein Neubau, Senioren-Residenz.

[Bearbeiten] Objekt 18: Blasewitzer Straße 39

Ehemals Ihagee. Hier wurden die Kleinbildkamera-Reihen "Exakta" und "Exa" hergestellt; heute Neubau mit Geschäften und Abteilungen des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

[Bearbeiten] Objekt 19: Bautzner Straße

Vorfertigung in der Haftanstalt Cottbus, Abteilungen: Stanzerei, Entgraten, Bohren und Wäscherei von Druckgussteilen; seit 2012 „Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus“ und Wohnhäuser.

[Bearbeiten] Objekt 20: Dornblüthstraße 31

Rechenzentrum für Pentacon. Heute Förderschule "St. Franziskus"

[Bearbeiten] Objekt Enderstraße 92

Letzter Neubau von Pentacon. Von 1991 bis 1997 baute John H. Noble Panoramakameras mit Fischaugenobjektiv. Heutiger Sitz der PENTACON GmbH

[Bearbeiten] Objekt Blasewitzer Straße 60

Materialbeschaffung für Chemie. Heute Gaststätte Papagei.

[Bearbeiten] Betriebsfilmstudio

Das Betriebsfilmstudio des VEB Pentacon erstellte semiprofessionelle Filme im Auftrag des VEB, beispielsweise Werbefilme (z. B. für die Fotokamera „Pentina“ mit Kabarettist und „Herkuleskeule_(Kabarett)n“-Gründer Otto Stark als Nachtwächter), Aufnahmen vom Betriebsgeschehen und zu technischen Entwicklungen des Betriebes, aber auch zu frei gewählten Themen. So erhielt beispielsweise der Film „Frühlings-Etüde“ einen Preis vom Zentralrat der FDJ. Außerdem konnten die Studiomitglieder Neuentwicklungen des Betriebs, etwa die 16mm-Amateurfilmkamera „AK 16“, testen und Verbesserungsvorschläge abgeben.

Von 1959 bis 1964 leitete Herbert Illgen das Betriebsfilmstudio. Der gelernte Feinmechaniker war 1956 ins Filmstudio eingetreten.[4]

Bis zur Wende war hier der Fotoklub Pentacon unter dem Leiter Eberhard Jähnig angegliedert.


[Bearbeiten] Quellen

  1. Information des technischen Mitarbeiters des DIAF, 15. September 2015
  2. Mimosa Firmengeschichte später zugehörig zu ORWO
  3. https://www.bz.dresden.ihk.de/servlet/portal?knoten_id=75767&sprache=deu&ref_detail=RootServlet&ref_sprache=deu
  4. Erinnerungen von Herbert Illgen, in: Dresdner Filmschätze, Teil 3

[Bearbeiten] Weblinks

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