Sternhäuser

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Luftbild der Sternenhäuser in Prohlis, 1996
Luftbild der Sternenhäuser in Prohlis, 1996
Modell der Großsiedlung Prohlis, am Rand sind die Sternenhäuser zu sehen
Blick auf ein Sternenhaus, Kurt-Tucholsky-Straße 3 (Block D), im Jahre 1990
Politiker, Städtebauer und Architekten bei einer Versammlung zur Entstehung der Großsiedlung Prohlis

Als Sternhäuser oder Sternstädtchen wird ein Areal mit ehemals fünf Hochhäusern genannt, das Anfang der 1980er Jahre in Prohlis am südöstlichen Stadtrand Dresdens gebaut wurde und in den Jahren 2005 bis 2011 nach und nach abgerissen wurde.

Der Name der Siedlung leitet sich von der Y-Form der Häuser ab, die aus der Luft wie dreizackige Sterne aussahen. Die Bezeichnungen "Sternhäuser" und "Sternstädtchen" sind Redensarten der Dresdner, keine ursprünglich verwendeten Namen der Erbauer.

Das Sternstädtchen war Teil des zweitgrößten Plattenbaugebietes Dresdens, der Großsiedlung Prohlis, und wurde am Ende deren gesamter Erschaffung, 1981, gebaut. Es stand etwas abseits und vereinzelt von der gesamten Siedlung. Am 28. Januar fand die erste Schlüsselübergabe innerhalb der Siedlung statt. Damit beendete sie den Bau der Neubausiedlung Prohlis, in der in den 1970er Jahren über zehntausend Wohnungen im Rahmen des sogenannten "Wohnungsbauprogrammes im Fünfjahreszeitplan 1976 bis 1980“ geschaffen wurden. Die markanten fünf Plattenbauten der Sternhäuser wurden zum Stadtteil Prohlis gezählt,[1] obwohl sie genaugenommen im Stadtteil Niedersedlitz stehen.[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Erbauer

Die gesamte Großsiedlung Prohlis, die auch die Sternhäuser beinhaltet, wurde von den folgenden Personen verantwortet: (Angaben aus dem Jahr 1975) [3][4]

Die Gesamtleitung hatte das Büro des Stadtarchitekten des Rates der Stadt Dresden.

[Bearbeiten] Zur Architektur

Diese sogenannte Neubausiedlung bzw. Aufbaugebiet wurde in Plattenbauweise des Typs IW 67 gebaut, wobei das IW für industriellen Wohnungsbau steht, d.h. im großen Umfang staatlich geplanter und durchgeführter Bau von Häusern. Die fünf zehnstöckigen Gebäude boten insgesamt 1500 Wohnungen. In diese einziehen zu können, galt nach deren Erschaffung als etwas Besonderes, galten diese Neubauten doch als moderne Architektur und boten Komfort. Die offene Bauweise, die viel Raum zwischen den einzelnen Gebäuden zuließ, stach mit dieser Form der Transparenz gegenüber den Mietskasernen anderer Stadtteile hervor. Die Bauweise war eine modulare, d.h. es wurden fertige Elemente, Module, zu den Baustellen gebracht und dort montiert. Dies nennt man auch Montage- bzw. Fertigteilbauweise. Die Ansicht der Bauten war die einer Vereinheitlichung, was dem sozialistischen Ideal der Gleichheit entgegen dem heutigen Ideal des Individualismus entsprach. Die zu fördernde Gruppe war die Gruppe der Arbeiter, die auch in den Betrieben als Kollektive agierten. Dieses idealisierte Zusammensein spiegelte sich auch in der Architektur wieder.

[Bearbeiten] Y

Die als Stern bezeichnete Y-Bauform der Gebäude hat geschichtliche Referenzen im schwedischen Stjärnhus, (Entwurf Backström und Reinius 1944, Stockholm), in den 11-geschossigen Sternhäusern in Zürich (Albert Heinrich Steiner, 1950-1952) sowie in der Siemenssiedlung in München (Entwurf Emil Freymuth, 1954). Schon vor 1944 gab es Y-förmige Bauten in New York.[5] In der DDR standen u.a. auch in Dessau, Hoyerswerda und Halle-Neustadt ähnliche Gebäude. [6] [7] Die Y-Form wird auch Dreisternform oder dreiflüglige Baukörpergliederung genannt. Die historischen Sternhäuser werden zur Design- und Architekturströmung des Funktionalismus gezählt.

Interessant ist, dass die Sternhäuser auf den ersten Entwürfen nur als normale Blöcke und nicht in Y-Form zu sehen waren. In späteren Modellen sind dann immerhin schon „Sterne“ zu sehen, allerdings nur vier statt der letztendlich fünf gebauten „Sterne“. Form und Anzahl wurden wahrscheinlich erhöht, um eine höhere Anzahl an Wohnungen zu erreichen.

[Bearbeiten] Straßen und Adressen

Das Sternstädtchen wurde von der Windmühlenstraße, der Erich-Kästner-Straße und der Heinrich-Mann-Straße umschlossen. Durch das Areal zogen sich die neu angelegte Christian-Morgenstern-Straße, die ebenfalls neu angelegte Kurt-Tucholsky-Straße sowie die Fortführung der Heinrich-Mann-Straße.

Die fünf Blocks, die jeweils zehn Stockwerke hoch waren, wurden mit den Großbuchstaben A, B, C, D und E markiert. Sternblock A hatte die Adressen Christian-Morgenstern-Straße 9 bis 15 und Heinrich-Mann-Straße 22 bis 24. Der Block B war unter den Adressen Christian-Morgenstern-Straße 1, 3, 5 und 7 sowie Kurt-Tucholsky-Straße 8 und 10 zu finden. Stern C konnte über die Adressen Heinrich-Mann-Straße 28 und 30 sowie Kurt-Tucholsky-Straße 9, 11, 13, 15 erreicht werden. Block D hatte die Straßendaten Kurt-Tucholsky-Straße 1-7 und Erich-Kästner-Straße 4 und 6. Schließlich hatte Block E unter anderem im rechten Flügel die Adressen Windmühlenstraße 43 und 45.

[Bearbeiten] Die Schule im Sterngebiet

Zwischen den Sternbauten befanden sich Grünflächen mit Wäscheständern, Spielplätze, Fußwege, Zweckbauten, ein Kindergarten sowie eine Schule.

Die 124. Polytechnische Oberschule (POS) wurde 1981 in der Bauweise Schultyp "Dresden Atrium" erbaut und am 1. September selbigen Jahres mit der Adresse Windmühlenstraße 53 eingeweiht. 1984 erhielt die Schule den Namenszusatz „Arkadi Gaidar“, in Andenken an den russischen Schriftsteller.

„Nach der Wende wurde die Schule in 124. Grund- und Mittelschule aufgeteilt und erhielt ein wirtschaftliches Profil, welches 1994 durch ein musisches Profil ergänzt wurde.“[8]

[Bearbeiten] Abriss der Sternhäuser

Mittlerweile sind die Sternhäuser Geschichte. Sie wurden in mehreren Etappen abgerissen. Ihr Abriss wurde 2002 durch den Stadtrat im Rahmen des Bund-Länder-Förderprogrammes „Stadtumbau Ost“ beschlossen. Der neue Besitzer, die international agierende Immobilienfirma Gagfah, die das Gelände in der Zwischenzeit mit dem Kauf der Woba erworben hatte, musste sich nach diesem Plan richten.

2005 wurde das östlichste der fünf Häuser, der Block E, abgerissen. 2008/2009 stand der Abbruch von zwei weiteren Sternhäusern an (Block C im September 2009). Die Blöcke A und B wurden ab August 2011 abgerissen. Ende November 2011 war auch der letzte Abriss der Sternhäuser vollzogen. Beim Abriss wurden Maschinen eingesetzt, die Feinstaub aufnehmen konnten. In der Nähe befand sich zum Zeitpunkt des Abrisses ein Kindergarten. Für den Abriss wurden 6,4 Millionen Euro Fördermittel verbraucht.[9]

[Bearbeiten] Mieterkampf vor dem Abriss

Dem zuvor stand ein Kampf der Mieter gegen den Abriss. Viele wollten in den Häusern wohnen bleiben, ein Leerstand lag in diesen Blöcken nicht vor. Noch 2005 waren die Wohneinheiten zu 90 Prozent belegt, im Mai 2006 immerhin noch zu 50 bis 60 Prozent.[10] „Anfang 2007 hat die Woba im ersten der verbliebenen vier Sterne die Kündigung wegen geplanten Abrisses ausgeprochen und gleichzeitig in den anderen Sternenhäusern Mieterhöhungen ausgesprochen - obwohl nach Aussagen der Geschäftsführung auch hier der Abriss geplant ist.“[11] Nach Aussagen des Mietervereins Dresden waren die Kündigungen unrechtmäßig, da „ersatzloser Abriss von Wohnungen“ nicht als Kündigungsgrund angesehen werden könne und in der beim Verkauf des städtischen Unternehmens Woba an die Gagfah angesetzten Sozialcharta ein Kündigungsschutz von zehn Jahren stehe.[12]

[Bearbeiten] Zukunft der Flächen

Heute, nach dem Abriss, ist die Fläche sehr begrünt und mit Rasen überwachsen. Ein paar Reste sind noch zu sehen, an denen Graffitos prangen.

Die Stadtverwaltung hatte am 2. Oktober 2012 im Rahmen der Veranstaltung „Dresden 2025 - in welcher Stadt wollen Sie leben“ zu einem Spaziergang in dem Gebiet eingeladen. So beschreibt die Prohliser Zeitung den Ausflug:

„Der Frage nach Sozialwohnungen an dieser Stelle, die in Dresden bekanntlich immer knapper werden, stand eine nüchterne Aussage der Stadtvertreter gegenüber: Ja, das Problem sei bekannt und berühre auch die Mitarbeiter im Stadtplanungsamt. Doch es wird in den nächsten Jahren keinerlei Fördermittel geben, die sozial verträgliche Mietwohnungen gestatten zu bauen.“[13]

Und so steht es im Abschlussbericht der Stadt:

„Die Flächen sollten nach Meinung der Bürgerinnen und Bürger nicht nur für Gewerbe genutzt werden, sondern auch für neue Wohnungen. Vorgeschlagen wird hier ein Baugebiet für Ein-und Zweifamilienhäuser, da es in Dresden zu wenige bauträgerfreie Wohngebiete gibt.“[14]

Laut neuem Flächennutzungsplan sind für das frühere Sternhäuser-Areal eine Eigenheimsiedlung und Kleingärten vorgesehen.[15]

[Bearbeiten] Sonstiges

In Russland gibt es einen Ort, der auch als Sternenstädtchen benannt wurde. In Dresden gab es noch ein Areal, das Sternenschweif genannt wurde.

[Bearbeiten] Quellen

  1. http://www.qm-prohlis.de/Informationen-zum-Stadtgebiet.21.html
  2. www.dresden-lexikon.de/?-LL+../Lexikon/S.htm
  3. Architektur der DDR, Ausgabe 6/75, S. 342
  4. www.das-neue-dresden.de/impressionen.html
  5. Erweiterung des Funktionalismus 1930-1950 (Dissertation, 2004) http://infoscience.epfl.ch/record/33672/files/EPFL_TH3204.pdf
  6. http://www.machmaplazda.com/bautypen_und_bauort.html
  7. http://www.hoyerswerdsche.de/index.php/nachrichten-lesen/items/eine-frau-kaempft-um-das-y-hochhaus.html
  8. http://thelostplaces.blogspot.de/2013/05/124-oberschule-arkadi-gaidar.html
  9. http://www.wochenkurier.info/dresden/nachrichtendetails/obj/2012/11/01/die-spalte-1/
  10. http://www.spd-prohlis.de/index.php?nr=532&menu=1
  11. http://www.spd-prohlis.de/index.php?nr=532&menu=1
  12. www.mieterverein-dresden.de/pdf/pe070319.pdf
  13. http://www.prohlis-online.de/201210N/201210n2.htm
  14. www.dresden.de/media/pdf/stadtplanung/zukunft-dresden-2025-plus/zd2025-dokumentation-erste-beteiligung1.pdf
  15. Nora Domschke: Eigenheime auf dem Sternhäuser-Areal. In: SZ 20.3.2015

[Bearbeiten] Weblinks

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