Punk

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Wer schreibt die Geschichte des Punk in Dresden?[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Linkssammlung

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Renitenz in Elbflorenz

Renitenz in Elbflorenz – Punk in Dresden 1980–89: Extra: Anarchy in Meißen, Gröditz, Elsterwerda u.a. / Herausgeber: Stadtmuseum Dresden; Konzeption, Redaktion, Layout: J. Löffler; Heft begleitend zur Ausstellung „too much future – Punk in der DDR“ vom 18.08. bis 14.10.2007 im Stadtmuseum Dresden (vorrätig im Online-Shop, 10/2019):

Der Satz „Die Frauen haben die wahre Subkultur ausgemacht“ leitet auch einen kleinen Absatz zum Thema „Geschlechterrollen“ in einer Veröffentlichung aus Dresden ein. „Renitenz in Elbflorenz – Punk in Dresden 1980–89“ heißt eine Broschüre, herausgegeben von Jörg Löffler, Mitglied der legendären Dresdener Punkband „Paranoia“. In Aufmachung eines Fanzines wird auf 40 Seiten die Szene in und um Dresden dokumentiert, Interviews und Fotos bereichern die oft zu kurz gehaltenen Texte. Auf Wunsch gibt’s noch die Musik-CD „Im Schatten der Großstadt“ Dresdener Punkbands 1982–89 dazu, in „authentischer“ Klangqualität. Quelle: www.ostblog.de/2007/....

Die in der Broschüre genannte Webseite dresden.toomuchfuture.de zur Dresdner Ausstellung wurde 2007 zweimal in web.archive.org archiviert:

Dresden zählte Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre ganz sicher nicht zu den Hot Spots des DDR-Punk. Die Szene glich, neben den Epizentren Berlin und Leipzig, eher einer Loge und erreichte auch in der zweiten Hälfte der 80er Jahre nie eine den Punkgemeinden in Erfurt oder Halle vergleichbare Präsenz, wo sich Punk und Kunst immerhin gute Nacht sagten. Die Leipziger, Erfurter und Hallenser fuhren immer wieder nach Berlin, insofern ergaben sich reichlich Kontakte und die Berliner suchten ihrerseits wieder die Südstaaten der DDR heim.
Dresden lag abseits dieser Wildwechsel, von der Szene in dieser Stadt wußte man nicht viel. Andererseits ist es auch von zweifelhafter Aussagekraft, die Szenepräsenz verschiedener Städte direkt gegeneinander in Stellung zu bringen. Die Sache eher treffen würde es, wenn man sich eingestünde, Leipzig und Ostberlin waren lediglich weniger provinziell als andere Städte, denn die DDR war im Ganzen Provinz.
Punk in Dresden war vielleicht nicht der große Tumult, aber er hatte mit anderen spektakulären Bildern aufzuwarten. Jedenfalls, wenn man sich vor Augen hält, daß die Punks, die alles andere als repräsentabel sein wollten, sich hier nicht nur in den Kulissen der üblichen Repräsentationsarchitektur sozialistischer Bauart bewegten, sondern daß sich Punkrock hier auch inmitten der Repräsentationsarchitektur des Barock abspielte.
Dresden war und ist als „Perle des Barock“ eine Stätte der Hochkultur. In dieser Bewertung waren sich die beiden deutschen Systeme einig. (Nach dem Streit um die Aberkennung des Siegels „Weltkulturerbe“ müßte sich eine Dresdener Punkband eigentlich Unesco nennen.) Insofern prallten in Dresden nicht nur Subkultur und Diktatur, sondern auch Subkultur und Hochkultur aufeinander.
Nicht weiter verwunderlich, denn Dresden hat durchaus eine entsprechende Tradition oder auch subkulturelle Kompetenz vorzuweisen. Jahre vor Punk , in den 70er Jahren, existierte in der Stadt eine äußerst agile Szene von Freejazzfreaks, Vertretern der „jungen Wilden“ und allerlei Dichtervolk. Sie befleißigte sich der Subversion des sozialistischen Realismus und seinem Prinzip des „Kunst als Waffe“ durch einen Parallel-Realismus, der seine eigenen Tatsachen in Musik, Bild und Wort schaffte.
Im Übrigen steht ja Dresden nicht nur für die sächsische Variante des deutschen Barock (und für seine Alliierten-Version 1945), sondern vereint in seiner Vita schließlich auch Romantik und Expressionismus, die höchstselbst, bevor sie in den Kanon der Kunstgeschichte aufgenommen wurden, subkulturelle Ereignisfelder waren.
Ähnliches, wenn auch nicht Gleiches, geschieht nun mit der Musealisierung von Punk im Stadtmuseum Dresden. Ist das nun Punk, die Parodie von Punk oder die Parodie des Weltkulturerbes durch Punk?! Keine Ahnung!
Also weiter im Text: Wollte man eine Verbindung zwischen Romantik und Punkrock herstellen, wäre vielleicht gerade noch der Verweis auf die Entstehung der Gothikkultur aus New Romantik tauglich, die nichts anderes als die feinstofflische Variante von New Wave war. Eine dierekte ästhetische Linie vom Expressionismus zum Punk aber besteht durchaus. Die Malerei, die im Umfeld von Punk entstand, in Ost wie West, ist mit Ausnahme seltener surrealistischer Anwandlungen (die letztendlich romantischer Natur waren) nicht zuletzt aus dem Geist des Expressionismus geboren – vereinfacht ausgedrückt.
Vielleicht prallten Romantik, Expressionismus und Punk unmittelbar und für einen kurzen Moment in der Dresdener Avantpunkband Zwitschermaschine aufeinander. Die Texte der Band waren auf eine sachliche Weise romantisch, die Musik war Punk in einem expressiven Sinne. „ p te Ö aus Zwitschermaschine“, schon der Name vereint Poesie und neue Sachlichkeit, gründeten sich 1979 im Umfeld der hiesigen Kunsthochschule. Die Band steht weniger für die Anfänge von Punk in Dresden, sondern vielmehr für eine erste Vormagnetisierung von Punkrock in der DDR. Etwa vier Jahre später, als sich die Band durch die Ausreise, aber letztlich durch die totale Überwachung ihrer beiden Gründungsmitglieder auflöste, legte die bekannteste Dresdener Punkrockkapelle Paranoia los. Paranoia lag nichts ferner, als ausgerechnet an Zwitschermaschine anzuknüpfen. Sie machte kein großes Federlesen um wie auch immer geartete Kunstambitionen und spielte, musikalisch wie textlich wenig verklausuliert, Punkrock „klassischer“ Prägung, der keine Fragen offen ließ.
Fühlten sich Paranoia schlicht aus ihrer Jugend in eine trostlose Ordnung verdrängt, so entstand Zwitschermaschine nicht zuletzt durch die Verdrängung zweier unbotmäßiger Maler aus dem sozialistischen Kunstbetrieb. Dessen repräsentatives Zentrum wiederum aber war Dresden durch die alle 5 Jahre stattfindende nationale Kunstausstellung, die in erster Linie ein Schaufenster des sozialistischen Realismus abgab. Hier traf, was entweder in Auftrag gegeben, verordnet oder gnädig abgenickt wurde, in einer seltsamen Konstellation auf die despotische Attitüde des Barock. 1987/88 hingen auch Bilder in der Ausstellung, die Punks oder zumindest Punkverwandtes zum Motiv hatten. Absurderweise wurden sie von Malern des staatlichen Verbandes Bildender Künstler zum Sujet erhoben, denn zur selben Zeit hagelte es in Dresden sog. „Innenstadtverbote“ für Punks. Spätestens da war es dann auch mit dem pittoresken Aufeinanderprall von Barock und Punkrock vorbei. Dieser fand nun ausschließlich auf einer strafrechtlichen Ebene statt, denn die Punks landeten nicht selten in dem barocken Polizeipräsidium, unmittelbar hinter dieser Wand, gegenüber dem Stadtmuseum gelegen. Dort wurden sie Verhören unterzogen und im Zweifelsfall gleich an die Staatssicherheit weitergereicht. Daran war dann auch nichts mehr spektakulär, außer die völlige Ahnungslosigkeit der Vernehmer, die allem Fremden gegenüber allerdings erst recht mit ihrem Repressionsarsenal zur „Zersetzung“ der Szene aufwarteten. Die Dresdener Punks wurden in die Vorstädte zurückgedrängt, fern der Touristenströme. Großer Beliebtheit, auch über die Stadtgrenzen hinaus, erfreute sich das Café P.E.P., ein Kirchenasyl für alles mögliche Volk unter den Jugendlichen. Es lag inmitten von Prohlis, einer Plattenbausiedlung. Dort bewegten sich die Punks nicht länger in musealen Kulissen, sondern in einem durch das Weltkulturerbe Punk tradierten Sujet aus Tristesse und Beton.
Henryk Gericke

[Bearbeiten] Punk in der DDR

[Bearbeiten] Quellen

  1. Vgl. Renitenz in Elbflorenz. Punk in Dresden 1980–89, Tweets @Pofri: (Broschüre) und CD-Cover, 20./25. Oktober 2019.
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