Mart Stam

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Mart Stam (* 5. August 1899 in Purmerend, Niederlande; † 23. Februar 1986 in Goldbach, Schweiz) war ein international renommierter Architekt des Bauhauses. Er gehörte zu den wichtigsten Persönlichkeiten der ostdeutschen Kunstszene in der Nachkriegszeit. In ihm widerspiegelten sich die Widersprüche jener Zeit. Er war ausführendes Organ, auch treibende Kraft, der bolschewistischen Kulturpolitik und wurde schließlich zu deren Opfer. Stam kam im März 1948 nach Dresden und musste die DDR am 31. Dezember 1952 als "Unperson" verlassen.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Van Nelle Rotterdam (1926-1930)
Van Nelle Rotterdam
Festschrift ohne Mart Stam im weiteren Text

Mart Stam war diplomierter Zeichenlehrer und arbeitete zunächst von 1919 bis 1922 in Rotterdam. Danach ging er nach Berlin, wo er u. a. bei Hans Poelzig arbeitete. Stam publizierte zum "Neuen Bauen" und galt als führender Kopf der Werkbundidee. Seine Reihenhäuser in Stuttgart, aber auch die von ihm gestalteten Freischwinger-Stühle wurden in den 1920er Jahren berühmt. 1928/1929 war Stam Gastdozent am Dessauer Bauhaus. Zunehmend widmete er sich dem sozialen Wohnungsbau unter der Maßgabe, preiswerten Wohnraum zu schaffen, ohne auf gestalterische Qualität zu verzichten. Sein Versuch, dies nach 1930 auch in der Sowjetunion umzusetzen, scheiterte an der stalinschen Kulturpolitik. Nach seiner Rückkehr 1935 machte Stam sich in Amsterdam selbständig. Avantgardistische urbane Lebensformen zu entwickeln blieb sein Credo.

Mit der Hoffnung auf ein besseres Deutschland kam Stam 1948 nach Dresden. Er sollte die Kunstschulen reformieren und seine Erfahrungen im Produktdesign einbringen. Wichtigste Fürsprecherin war Liv Falkenberg, die Ehefrau des sächsischen Industrieministers Otto Falkenberg[1]. Stam und Liv Falkenberg kannten sich aus der holländischen Friedensbewegung, von gemeinsamen Bauvorhaben und aus dem antifaschistischen Widerstand. Schon damals gab es in Dresden Vorbehalte gegen Stam, der jedoch zunächst noch auf die Unterstützung durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) bauen konnte, deren Vertreter sich an Stams Wirken in ihrem Land erinnern konnten. Als bürgerlicher Kosmopolit und Bauhäusler stand er aber von Beginn an im Widerspruch zur künstlerisch eher traditionell geprägten, provinziell denkenden und politisch radikalproletarisch geprägten Kunstszene in Dresden um Hans Grundig. Stam als dessen Nachfolger an der Kunstakademie einzusetzen (Reinhold Langner interim) und mit der Vereinigung mit der Hochschule für Werkkunst zu beauftragen, war eine bewusste Provokation von Konflikten zwischen Vertretern aus der ehemaligen Künstlergruppe ASSO um die Grundigs und eher bürgerlich verhafteten Sozialisten wie Stam. Studentenproteste und Lehrerentlassungen wegen Nazibelastung durch Stam vergifteten das Klima zusätzlich. Die Entnazifizierung der Kunstakademie unter Stam war aber - wie allgemein in jenen Tagen und entgegen aller Behauptungen in der DDR - nie konsequent. Marianne Brandt holte er trotz ihrer Vergangenheit in der Reichskulturkammer. Andererseits setzte Stam alle Mittel ein, seine Vorstellungen von der zukünftigen Ausrichtung der Kunstausbildung auch gegen die Genossen durchzusetzen. Gegen seinen ausdrücklichen Widerstand wurde Lea Grundig an die Akademie berufen.

Stams Ziel bestand in der Vereinigung der Dresdner Kunstschulen unter dem Primat von Architektur und Design, ganz im Sinne des Bauhauses. Die neue Akademie sollte heißen: »b a u s c h u l e. Staatliche Hochschule für freie und industrielle Gestaltung«. In der Konsequenz war sogar geplant, sie in die Deutschen Werkstätten Hellerau zu verlegen. Damit brachte er die gesamte Malerschaft Dresdens gegen sich auf. Der Machtkampf wurde schließlich auch dadurch entschieden, dass sich Stam für einen totalen Umbau der Dresdner Innenstadt ohne jede Rücksicht auf historische Traditionen stark machte. Der Altmarkt und das Residenzschloss sollten aufgegeben werden und niedrig bebaute Häuserzeilen entstehen. Selbst Zwinger, Hofkirche und Semperoper sollten zugunsten eines riesigen Kulturpalastes weichen.[2],[3] Die Stadtverwaltung unter Walter Weidauer stellte sich schließlich gegen die bereits von der Bezirksleitung bestätigten Entwürfe. Stam wurde per 1. Mai 1950 nach Berlin als Direktor der Hochschule für angewandte Kunst "weggelobt". Manche Bauten der späteren Jahre wie die durchgrünten Häuserzeilen in der Seevorstadt folgten dann doch noch den Prinzipien Stams. Noch 1951 warb die Hochschule für Bildende Künste für ein Studium der "Industriellen Formgebung" nach Stams Visionen einer erschwinglichen, dauerhaften und doch gediegenen Alltagskultur.[4]

Mart Stam war immer Individualist geblieben, Parteidisziplin war nicht seine Sache. Seine bürgerliche Herkunft wurde agitatorisch konsequent gegen ihn eingesetzt. Auf den ehemaligen Dresdner Stadtbaurat Kurt Walter Leucht traf er in Berlin wieder, und erneut scheiterten Stams Bauplanungen an Leucht, der lieber monumental im Stile der speerschen Naziarchitektur (s. Stalinstadt) bauen ließ. Stam wandte sich mehr dem Design industrieller Produkte zu. Dabei ereilte ihn die »Formalismus-Debatte«. Walter Ulbricht persönlich, seines Zeichens Möbeltischler von Beruf, versetzte Stam den "Todesstoß": »Diese Möbel eignen sich für Westberliner, aber nicht für unsere Werktätigen«, befand er. Stam musste die DDR verlassen und wurde fortan konsequent totgeschwiegen. Damit war seine Karriere faktisch am Ende, denn in den Niederlanden und in der Schweiz galt er jetzt als "ewiger Kommunist". In der Bundesrepublik sind seine Stuhl-Designs auch heute noch gefragt.[5]

[Bearbeiten] Werke in Dresden

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Möller, Werner: Mart Stam, Tübingen: Wasmuth, 1997, Biografie S. 131
  2. Ausstellung "Das Neue Dresden", Wettbewerb zwischen Wiederaufbau und totalem Neubeginn
  3. Semperoper mit einer Stimme im Landtag gerettet
  4. Design in der DDR: "Das Beste für den Werktätigen"
  5. Mart Stam bei thonet.de

[Bearbeiten] Weblinks

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