Kulturpalast

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Kulturpalast heute
der unsanierte „Kulti“ von oben
Kulturpalast im Juni 2014: Saal fast komplett entkernt; Blick von Decke bis Keller möglich
Galerie mit Künstlerplakaten aus DDR-Jahren im Keller, dem früheren Reich der Haustechniker
historische Aluminiumstreben am Treppengeländer - werden beim Umbau wegen des zu großen Abstandes nicht original erhalten, dafür durch enger stehende Streben aus noch filigraneren Stahlseilen ersetzt
so soll es im neuen Konzertsaal mal aussehen: fünf Meter breite Musterachse

Der Kulturpalast ist mit 2.415 Plätzen (Festsaal) Dresdens größtes Veranstaltungsgebäude und wurde anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der DDR eingeweiht. Momentan ist er durch eine notwendige Brandschutz-Sanierung und Diskussionen um den Umbau im Stadtgespräch.

[Bearbeiten] Architektur

Auf den ersten Blick wirkt der solitäre Bau in monolithischer Stahlbetonskelettbauweise wie ein Fremdkörper in barockem Ensemble zwischen Neu- und Altmarkt, doch stellt er heute ein wichtiges und identitätsstiftendes Zeugnis der Bauweise des „Neuen Dresdens“ zu DDR-Zeiten dar. Die Sockelzone besteht aus poliertem roten Granit und setzt sich im Hauptkörper aus großen Glasflächen, die in Aluminiumrahmen gehalten werden, fort. Der Saalaufbau wird durch ein profiliertes Kupferdach komplettiert.

An den fünf Eingangstüren befinden sich Bronzetafeln von Gerd Jaeger, welche von außen zur Mitte den stadtgeschichtlichen Zyklus Dresden - vom Fischerdorf zur sozialistischen Großstadt illustrieren. Dabei ging es dem Künstler nicht um die Darstellung profaner Propagandabilder, wie sie vielerorts an vergleichbaren Einrichtungen zu finden waren, vielmehr lässt manches charmantes Detail die hervorragende künstlerische Schöpfung erkennen.[1]

Desweiteren gehör(t)en zur künstlerischen Ausgestaltung ein Wandfries „Unser sozialistisches Leben“ (45m x 1,90m) der Dresdner Maler Heinz Drache und Walter Rehn im Foyer des ersten Obergeschosses, das monumentale Wandmosaik „Der Weg der roten Fahne“, ein handgewebter Gobelin „Heitere Reminiszenzen aus Dresden“ von Christa Engler-Feldmann im einstigen Restaurant, im Gesellschaftszimmer ein Holzfries von Lüder Baier mit folkloristischen Motiven sowie ein Intarsienbild „Sozialistische Volkskunst“, das unter Leitung des Dresdner Malers Rudolf Kleemann von der Tischlerbrigade des Transformatoren- und Röntgenwerkes gefertigt wurde.

Die Freiflächengestaltung übernahm Günther Krätzschmar mit Brunnen, Hochbeeten, die auf der Rückseite mit Leuchten auf dem Plateau (zerstört zwischen 2009 und 2011) ausgestattet waren. Auch die drei etwa 30 Meter hohen Fahnenmasten vor dem Kulturpalast stehen unter Denkmalschutz und wurden von Juli bis November 2017 restauriert und technisch neu ausgerüstet.[2]

Gerhard Bondzin Kulturpalast.jpg
Gerhard Bondzins Mosaik „Der Weg der Roten Fahne

[Bearbeiten] Geschichte und Nutzung

Bereits im Jahr 1951 kamen erste Pläne für die Errichtung eines Kulturhochhauses nach Vorbild der Berliner Stalinallee, durch Beräumung der Trümmer der durch die Bombennacht am 13. Februar 1945 zerstörten Innenstadt, auf. Als Aufgabenstellung galt die Schaffung eines Hauses mit zentralem Mehrzwecksaal, der die neue gesellschaftliche Epoche zum Ausdruck bringen sollte, ohne dabei im Gegensatz zum bestehenden und wiederhergstellten Baubestand zu stehen. Tatsächlich ist jedoch wenig von dieser Intention geblieben, denn der Glas-Beton-Kasten mit seinem speziell anmutenden Kupferdach birgt nur wenige Bezüge zu seinem historisch überlieferten Stadtgrundriss.

Die Projektierung erfolgte ab 1962 durch den VEB Dresdenprojekt um das Architektenkollektiv von BDA Wolfgang Hänsch, Herbert Löschau, Heinz Zimmermann, Dieter Schölzel (u.a.). Anläßlich des 22. Jahrestages der Zerstörung Dresdens erfolgte die Grundsteinlegung am 13. Februar 1967. Am 22. November 1968 legten der damalige Bürgermeister Gerhard Schill und der erste Direktor des neuen Kulturpalastes Werner Matschke beim Richtfest das letzte Mal Hand an den Rohbau an. Nach 33 Monaten Bauzeit öffnete der Vorhang im Festsaal am 2. Oktober 1969 zur ersten Vorstellung.

Die bräunlich glänzenden Scheiben des Kulturpalasts wurden erst nachträglich in den 1970er Jahren eingebaut, weil zu viel Sonne und Wärme in das Gebäude hineinstrahlten. In den 60er Jahren war die Technik der Bronzierung in der DDR noch nicht verfügbar.[3]

Die Orgel des Kulturpalastes erbauten im Jahr 1970 die Gebrüder Otto & Rudolf Jehmlich als Opus 905 mit 24 Registern, verteilt auf 2 Manuale und Pedale. Wegen des anstehenden „Kulti“-Umbaus soll die Orgel 2011 verkauft werden.[4]

Seit Anbeginn dient der Kulturpalast als Spielstätte der Dresdner Philharmonie, dem Orchester der Landeshauptstadt Dresden. Darüber hinaus existieren weitere Räume, darunter das Studiotheater mit Foyer (192 Plätze), Gesellschaftsräume I und II (178 Plätze) sowie weitere Klub- und Zirkelräume, die in beliebiger Weise einzeln und miteinander kombinierbar sind und vielseitig genutzt werden können.

In den 70er Jahren leitete die Lehrerin und Kulturarbeiterin Brigida Zimmer den (Jugend-) „Club International“. Außerdem fanden zu dieser Zeit Brückenmännchen-Revuen für Kinder statt, die sogar im Fernsehen gezeigt wurden.[5]

[Bearbeiten] Diskussion um den Erhalt

[Bearbeiten] Umbau

Seit September 2013 wird der Kulturpalast saniert und umgebaut. Im Frühjahr 2017 sollen die Bauarbeiten beendet sein. Die Gesamtkosten werden voraussichtlich rund 81,5 Millionen Euro betragen.[8]

Die grauen Sessel aus dem alten Kulti-Saal wurden verkauft. Sechs davon (versehen mit Namensplaketten Erich, Margot, Harry, Willy, Heinz und Egon) stehen heute beispielsweise in der Gaststätte „Landstreicher“ an der Kötzschenbroder Straße.

[Bearbeiten] Adresse und Erreichbarkeit

[Bearbeiten] Quellen

  1. JACOB, Daniel: Skulpturenführer Dresden Von Aphrodite bis Zwillingsbrunnen, Dresden 2010, S. 54-58
  2. Pressemitteilung der Stadt Dresden, 24.7.2017
  3. ttr: Baustellenrundgang im Kulturpalast Dresden: Viel Staub, ein Riesensaal und zwei Musterstühle. In: DNN-Online 20.6.2014. Tanja Tröger: Kulturpalast Dresden ist ab November dicht. In: DNN.de 9.10.2015.
  4. http://www.dresden.de/de/02/035/04/04/37_aussons_26.php
  5. Sächsische Zeitung 20.8.1981
  6. Pressemitteilung der Stadt Dresden, 14.3.2010
  7. SZ-Artikel (dpa) vom 27. März 2012
  8. Pressemitteilung der Stadt Dresden, 20.6.2014

[Bearbeiten] Weblinks

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