Königsbrück

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Königsbrück (obersorbisch: Kinspork) ist eine Kleinstadt von gut 4.200 Einwohnern am Westrand der Oberlausitz, weswegen sie auch als Tor zur Westlausitz bezeichnet wird. Sie liegt 25 Kilometer von Dresden entfernt an der Pulsnitz, welche hier die historische Grenze zur Mark Meißen bildete. Für Dresden hatte Königsbrück Bedeutung als Anschlussstelle an die internationale Via Regia (Königsstraße). Königsbrück ist deswegen namensgebend für die wichtigste Straße Dresdens Richtung Norden, der Königsbrücker Straße, wie auch für den Königsbrücker Platz und die Königsbrücker Landstraße.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Entstehung

1248 wurde Königsbrück erstmals urkundlich erwähnt, also in der Zeit der direkten (1241) und indirekten (1233) Ersterwähnung der böhmischen Festung Königstein. Wie Königstein hat auch Königsbrück eine längere Vorgeschichte. Während auf der Festung Königstein steinerne Baureste der ehemaligen Burgkapelle aus der Zeit um 1200 gefunden worden sind, stehen archäologische Belege für die Frühzeit Königsbrücks noch aus. Es ist allerdings auch hier wie in Königstein von einer Gründung wahrscheinlich bereits im 12. Jahrhunderts auszugehen.

1158 verlehnte Friedrich I. Barbarossa die Oberlausitz an den böhmischen König Vladislav II.. Seitdem entstand an der Pulsnitz mit Königsbrück eine stabile Grenze zwischen der böhmischen Oberlausitz und der Markgrafschaft Meißen. In Königsbrück führte die Via Regia, die Königsstraße, über die Pulsnitz, weswegen hier an der Landesgrenze eine hölzerne Grenzveste mit königlicher Zollstätte entstand.[1] Ab etwa 1200 gewann die hier später als Via Regia Lusatiae Superioris bezeichnete Hohe Landstraße auch als Salzstraße von Halle an der Saale nach Breslau eine größere Bedeutung. 1248 hatte es anscheinend bereits eine Brücke über die Pulsnitz gegeben, welche im Auftrag des böhmischen Königs errichtet worden sein dürfte. Wann dies geschah, welcher König den Auftrag erteilte und wie sich dies auf die Besiedlung des Ortes auswirkte, liegt noch im Dunkel der Geschichte. Nach Ansicht einiger Historiker ließ sich der böhmische König zu Beginn des 13. Jahrhunderts anlässlich der Grenzbereinigung mit der Mark Meißen (Vermessungen in den Jahren 1213 und 1223, Oberlausitzer Grenzurkunde von 1241) ein Stück Land am Übergang vom Flach- zum Hügelland sichern (nach einer anderen These anlässlich einer historisch nicht greifbaren Neufestlegung der Burgwardsgrenzen), um auf dem von der Pulsnitz umflossenen Talsporn die Spornburg und in der Nähe die Zollstätte zu errichten. Zwecks Ausspann der Pferde und Rast der Fuhrleute wurde der 65 Meter mal 75 Meter große Rastplatz angelegt, aus welchem bald der Markt entstand. Eine Gründung bereits Ende des 12. Jahrhunderts bleibt aber nicht ausgeschlossen.

Nach einer weiteren Theorie musste das Frankfurter Gleis, die Altstraße von Nürnberg über Dresden nach Frankfurt (Oder), ab dem 13. Jahrhundert ebenfalls den Weg über Königsbrück nehmen. Hier wird die Ersterwähnung der Dresdner Brücke 1230 (als Steinbogenbrücke 1287) sicher überbewertet. Da diese Straße wesentlich älter sein dürfte, müsste sie dann verlegt worden sein. Ohne einen historischen Beleg bleibt diese These zweifelhaft. Wahrscheinlicher ist eine Streckenführung des Frankfurter Gleises bereits im 12. Jahrhundert über die Furt bei dem späteren Königsbrück.

Bei der Grenzfeste entstand wahrscheinlich ein unbefestigtes Suburbium als nichtagrarische Dienstsiedlung (für die Burg, die Zollstätte und den Rastplatz) mit geringer Flurgröße, welche sich auf der Terrasse der Pulsnitz langsam ausbreitete.

Eine deutsche Besiedlung dieser sorbischen Region begann wahrscheinlich im 13. Jahrhundert unter der Ägide der Herren von Kamenz am Übergang der Via Regia über die Schwarze Elster. Kamenz wurde 1225 ersterwähnt und bereits früher als Königsbrück von Deutschen besiedelt.

[Bearbeiten] Königsbrück im Mittelalter

[Bearbeiten] 13. Jahrhundert

Die Einwohner von Königsbrück waren dem Burgherrn erbuntertänig. Königsbrück war nicht nur Zollstätte und Handelsplatz, sondern auch Gerichtsstätte und Sitz der Verwaltung über die untertänigen Dörfer.

[Bearbeiten] Heinricus de Konigesbruck 1298

Am 8. September 1298 erscheint ein Heinricus de Konigesbruck als Zeuge in einer Urkunde des Markgrafen von Meißen Friedrich. Dieser Heinrich von Königsbrück wird vielfach als erster nachgewiesener Besitzer des Ortes angesehen.

[Bearbeiten] 14. Jahrhundert

[Bearbeiten] 1331 Stadtrecht

1331 erhielt Königsbrück Stadtrecht. Im gleichen Jahr beschwerten sich Breslauer Bürger bei König Johann von Böhmen über den Zoll von Königsbrück und erreichten eine Erleichterung. Um diese Zeit befand sich der Ort im Besitz der Herren von Schönfeld.

1346: Ersterwähnung der Kirche.

1351 bestimmte der böhmische König für jedes Pferd einen Prager Groschen Durchgangszoll.

[Bearbeiten] 15. Jahrhundert

[Bearbeiten] Die Herren von Waldaw

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts gehörte Königsbrück den Herren von Waldaw. Erster nachweislicher Angehöriger dieser Familie in Königsbrück ist Hans von Waldaw, erwähnt am 7. Januar 1405 und am 26. Mai 1420. Die Waldaws besaßen Königsbrück offenbar schon vor Hans, welcher den Ort von seinen Vorfahren erbte und 1405 noch mit seinen Brüdern Heinrich und Balthasar in Mückenberg bei Elsterwerda saß. Kurz nach 1420 starb Hans von Waldaw und hinterließ Königsbrück seinem Sohn Georg (Jurge[n]). Dieser kam wegen eines Totschlages in Konflikt mit dem Markgrafen von Meißen Friedrich dem Streitbaren und wurde außerdem aus seinem Besitz Königsbrück vertrieben. Am 4. Oktober 1426 schlossen Schiedsmänner zwischen Friedrich dem Streitbaren und Georg von Waldaw auf Königsbrück einen Vergleich, wonach der Kurfürst dem Georg von Waldaw bei der Wiedererlangung seiner Stadt behilflich sein werde und dafür die eine Hälfte von dessen Besitz bekommt, die andere Hälfte gegen eine Zahlung von 1500 rheinischen Gulden. Eine Inbesitznahme gelang allerdings nicht.

Den Waldaws gehörte nach der Urkunde von 1426 seit alters her neben der Stadt Königsbrück außerdem zwei Zölle, den Königsbrücker Zoll und den Dresdner Zoll bei der Elbbrücke zu Dresden, dem Ausgang der damaligen Stadt Dresden nach Norden (Altendresden, die heutige Dresdner Neustadt, war eine noch unbefestigte eigenständige Gemeinde aus slawischer Wurzel).[2] Offenbar gehörten diese Zölle seinerzeit seit Menschengedenken als Zubehör (innegehabtes Pertinenzstück) zur Stadt Königsbrück als Besitzerin der Straße von Königsbrück nach Dresden.

[Bearbeiten] Landvogt Hansen von Polenz um 1426

Königsbrück ging statt an den Markgrafen Friedrich den Streitbaren an Hansen von Polenz, Landvogt der Niederlausitz und später auch der Oberlausitz. Von Polenz war 1412 Amtmann von Dresden und besaß gemäß einer Urkunde vom 21. April 1418 auch Mückenberg, welches zuvor den Waldaws gehörte. Demnach kann auf eine nähere Verbindung der Familie von Waldaw zu dem damaligen Landvogt geschlossen werden.

[Bearbeiten] Die Burggrafen von Dohna (vor) 1437

Nach einer Urkunde von 1441 verkaufte von Polenz noch vor seinem Tode 1437 Königsbrück an Wentzsch von Donyn. Hansen von Polenz war mit Margarethe von Donyn verheiratet, wahrscheinlich die Schwester des Wentzsch von Donyn, welche als Witwe am Sonntag Sente Lucien Abend 1438 einen Gütervergleich mit dem Abt von Kloster Dobrilugk schloß. Die Verkaufsurkunde von 1441 fand allerdings erst 1452 vom Domkapitel in Bautzen und von König Ladislaus von Böhmen in Wien Bestätigung. Dennoch vertauschte Wentzsch von Donyn bereits zwischen 1437 und 1441 Königsbrück gegen Grafenstein, welches sich damals im Besitz von Hlabatsch von Dohna befand. Wentzsch begründete so die Grafensteiner, Hlabatsch die Königsbrücker Linie derer von Dohna.

Nach einer Urkunde vom 4. August 1448 befinden sich Königsbrück und die beiden Zölle zu Königsbrück und zu Dresden im Besitz des Hlabatsch von Dohna. Mit diesen Zöllen war möglicherweise ein Geleitrecht verbunden, so dass zum Durchgangszoll womöglich noch ein Geleitzoll (Geleitgeld) von und nach der Brücke in Dresden durch die Laußnitzer und die Dresdner Heide kam.

1450 wird die Kirche "Unserer lieben Frauen"[3] genannt.

Hlabatsch von Dohna stirbt 1460, seine Söhne Hans, Nickel und Martin Burggrafen von Dohna erben Königsbrück.

[Bearbeiten] Königsbrück in der frühen Neuzeit

[Bearbeiten] 16. Jahrhundert

1524 stirbt Martin Burggraf von Dohna. Seine Söhne Johann und Christoph Burggrafen von Dohna erben Königsbrück.

[Bearbeiten] Herrschaft 1527

1527[4] wurde Königsbrück erstmalig als Herrschaft im Besitz derer von Dohna bezeichnet.

1535 Reformation: Donatus Pfeiffer, von 1535 bis 1538 als Pfarrer im Pfarramt Markersdorf geführt, hält in diesen Jahren auch Gottesdienst auf "Evangelische Weise" in der Königsbrücker Kirche.

[Bearbeiten] Landvogt Christoph von Dohna 1549

1549: Der Herr von Königsbrück, Christoph von Dohna, wird vom böhmischen König Ferdinand I. (HRR) zum Landvogt der Oberlausitz berufen.

1560 verklagten die Stände der Oberlausitz Christoph von Dohna wegen schlechter Amtsführung beim königlichen Appellationsgericht in Prag. Der Landvogt starb noch vor Prozessbeginn während eines Gottesdienstes im Bautzener Petridom. Da er keinen erbberechtigten Nachkommen hinterließ, fielen seine Güter als erledigte Lehen an den Landesherren der Oberlausitz, den böhmischen König, zurück.

[Bearbeiten] Standesherrschaft 1562

Hierauf bemühte sich ein Verwandter des Verstorbenen, Caspar Burggraf von Dohna auf Straupitz, mit Erfolg um den Besitz von Königsbrück. Er erreichte sogar eine Anerkennung von Königsbrück als Standesherrschaft, bestätigt durch den Verkaufs- und Lehnbrief von Kaiser Ferdinand I. vom 15. März 1562. Bei dieser Belehnung findet auch der Brückenzoll zu Dresden Erwähnung.[5] Damit beginnt die Standesherrschaft Königsbrück.

Von 1573 bis 1581 war Andreas Riccius Pfarrer in Königsbrück.

[Bearbeiten] Freiherren von Schellendorf 1579

1579: Nach dem Tod von Caspar Burggraf von Dohna auf Straupitz, der keine erbberechtigten Nachkommen hinterließ, folgt der angeheiratete Christoph von Schellendorf aus schlesischem Uradel. Dieser stirbt bereits vier Jahre später 1583 und hinterlässt die Standesherrschaft seinem Sohn Carl Magnus Freiherr von Schellendorf.

[Bearbeiten] 17. Jahrhundert

1605 Ersterwähnung der Innung der Töpfer. Königsbrück wurde als Töpferstadt bekannt. Die Töpfer belieferten nicht nur die Märkte in weitem Umkreis, sondern verkauften auch bis nach Böhmen und Westdeutschland. Des Weiteren wurde Königsbrück wegen seiner weit verbreiteten Schuhproduktion auch als Schumacherstadt bekannt.

1621: Carl Magnus Freiherr von Schellendorf stirbt und hinterlässt die Standesherrschaft und hinterlässt die Standesherrschaft seinen Söhnen Christoph, Wolf, Siegmund und Konrad Freiherren von Schellendorf.

1630 Bau des Hospitals als Pesthaus. Durch den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde diese Seuche erneut weit verbreitet.

1631 vernichtete ein Stadtbrand 140 Häuser und auch die Kirche. Außer dem Schloss und Häuser der Vorstadt ist Königsbrück fast völlig zerstört. Im gleichen Jahr ist erstmalig die Schützengilde nachgewiesen (sie bestand vermutlich bereits vor dem Brand, welcher auch viele Dokumente vernichtet haben dürfte).

Nach der völligen Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen am 5. September 1634 löst sich der sächsische Kurfürst Johann Georg I. aus dem ungeliebten Bündnis mit den Schweden, welche bereits 1632 in der Schlacht bei Lützen ihren König Gustav II. Adolf verloren hatten, und beginnt Verhandlungen mit dem Kaiser.

[Bearbeiten] Übergang an Kursachsen 1635

1635 tritt der römisch-katholische Kaiser Ferdinand II. im Prager Frieden durch den Traditionsrezess die Markgrafentümer Oberlausitz und Niederlausitz an den protestantischen sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. zur Begleichung von Kriegsschulden ab. Johann Georg I. hatte 1620 den Kaiser bei der Niederschlagung des böhmischen Ständeaufstands finanziell unterstützt. Die Markgrafentümer blieben (bis 1815) Lehen der Böhmischen Krone. Damit kam auch Königsbrück in den Herrschaftsbereich der sächsischen Kurfürsten, welche sich urkundlich belegt bereits 1426 um diese wichtige Grenzstadt (allerdings erfolglos) bemüht hatten.

Im Ergebnis wird die Oberlausitz und mit ihr Königsbrück 1636 von den Schweden besetzt, welche durch den Kriegseintritt von Frankreich gestärkt sind: (Französisch-Spanischer Krieg (1635–1659)).

1641: Die Kirchenruine wird provisorisch für den Gottesdienst wieder hergerichtet. 1646 erfolgt der Einbau einer neuen Orgel.

1667: Maximilian Freiherr von Schellendorf (1645–1703), Sohn von Christoph Freiherr von Schellendorf, tritt die Standesherrschaft an. Erste Erwähnung eines Nachtwächters.

1670 werden die Innung der Schneider und die Innung der Schmiede, Schlosser, Schwertfeger und Büchsenmacher erstmals erwähnt. 1670 bis 1671 Christian Rabianes als Nachtwächter belegt.

[Bearbeiten] Umwandlung in ein Allod 1671

1671 verkaufte Caspar Gotthard von Minckwitz das Rittergut Cosel für 10.000 Gulden an die Ehefrau des Königsbrücker Standesherrn Maximilian von Schellendorff, Johanna Margaretha geborene Gräfin von Friesen. Daraufhin wandelte Kurfürst Johann Georg II. die Herrschaft Königsbrück mit dem Rittergut Cosel in ein Allod um.

Ebenfalls 1671 wird die Innung der Büttner, Wagner, Seiler und Glaser erstmals erwähnt, 1682 die Innung der Bäcker und 1685 die Innung der Tischler. Die Privilegien wurden von der Standesherrschaft verliehen, welche damit auch über Handwerk und Gewerbe bestimmte.

1673 ist Hanß Hausmann, 1678 Michael Schultze und 1682 Martin Schneider als Nachtwächter belegt.

1682 erfolgte die Genehmigung eines eigenen Richters und Schöppen der Stadt Königsbrück. Die Stadtkommune besaß nur die Niedere Gerichtsbarkeit, daneben aber auch den freien Salzschank und -markt.

1682 wird auch die provisorische Kirche abgerissen und am 5. November der Grundstein der jetzigen Kirche gelegt und diese am 13. August 1689 noch ohne Altar und Turm geweiht.

1683 wird der Nachtwächter Martin Leuteldt genannt.

1690 wurde das Privileg zur Führung einer Apotheke vom Standesherrn vergeben.

1696 wird die Standesherrschaft Königsbrück zum freien Erbe.

[Bearbeiten] 18. Jahrhundert

1703: Maximilian von Schellendorf stirbt ohne erbberechtigte Nachkommen. Ihm folgt seine Witwe Johanna Margaretha von Schellendorf (geborene von Friesen). Der Übergang auf die Freiherren von Friesen deutet sich damit an.

1716 ist Johann Christian Mirtwich Nachtwächter.

[Bearbeiten] Die Freiherren von Friesen 1726

Nach dem Tod von Johanna Margaretha von Schellendorff erbten ihre Neffen, die Grafen von Friesen, 1726 zusammen mit der Standesherrschaft Königsbrück auch das Rittergut Cosel. Erster Standesherr wurde der 1681 geborene Heinrich Friedrich von Friesen[6], damals seit 1719 Oberfalknermeister am sächsischen Hof. Dieser war seit dem 3. Juni 1725 mit der 1708 geborenen Augusta Constantia von Friesen verheiratet, als Tochter Augusts des Starken und dessen Mäträsse, der Gräfin von Cosel, eine geborene von Cosel. Diese Hochzeit ließ August der Starke standesgemäß drei Wochen lang auf Schloss Pillnitz feiern und vom kursächsischen Oberhofprediger Bernhard Walther Marperger absegnen.

Dem Paar wurden zwei Söhne geboren, am 25. November 1727 August Heinrich von Friesen, der spätere Erbe. Im gleichen Jahr wurde Heinrich Friedrich von Friesen Oberkammerherr mit dem Charakter als Kabinettsminister.

Ebenfalls 1727 wurde die Innung der Fleischer ersterwähnt.

Anfang 1728 erkrankte Augusta Constantia von Friesen an den Pocken, Sie starb mit knapp 20 Jahren am 2. Februar 1728 und wurde wie viele andere von Friesens in der Gruft der Schönfelder Kirche unter dem Chorraum begraben.

1729 bekam Heinrich Friedrich von Friesen für seine Verdienste das Regimentshaus in Dresden von August dem Starken geschenkt.

1730 werden zwei Nachtwächter erwähnt, Christian Dietrich und Martin Noack. Dieses Amt ist offenbar von ersterem auf den zweiten übergegangen.

1731 wurde Heinrich Friedrich von Friesen General der Infanterie, 1734 sogar Gouverneur von Dresden und 1738 Kommandeur der Leibgarde zu Fuß.

Am 8. Dezember 1739 starb er auf einer Reise nach Montpellier an der französischen Mittelmeerküste (Okzitanien) in Cette (seit 1928 Sète), einer Hafenstadt 32 km südwestlich von Montpellier.

Nachfolger wird sein Sohn August Heinrich von Friesen, französischer Maréchal de camp und seit 1746 bei seinem Onkel, dem Generalmarschall Moritz von Sachsen, in der französischen Armee[7]. Nach dem Tod des Onkels im Jahre 1750 wurde August Heinrich von Friesen Kommandeur von dessen Ulanenregiment, den Volontaires de Saxe und formte es zu einer reinen Dragonereinheit um.

1755 starb August Heinrich von Friesen auf Schloss Chambord als dessen Kommandant nur 27-jährig an den Masern.

Nach dem unerwartet frühen Tod von August Heinrich von Friesen versuchte dessen Großmutter, die Gräfin Constantia von Cosel, die Standesherrschaft als ihren Besitz einzuklagen. Die ehemalige Mätresse August des Starken war zu diesem Zeitpunkt bereits 75 Jahre und lebte seit 29 Jahren auf der Burg Stolpen. Sie musste letztendlich die Standesherrschaft Königsbrück mit dem Rittergut Cosel 1756 gegen eine Abfindung im gerichtlichen Vergleich an den nächsten Verwandten des Verstorbenen, ihren Vetter, den Freiherrn Johann Friedrich Ernst von Friesen auf Rötha[8], abtreten. Zehn Jahre später verstarb sie auf der Burg Stolpen.

1760 vernichtete ein Stadtbrand sechzig Häuser der Innen- und der Vorstadt.

Als Johann Friedrich Ernst von Friesen 1768 mit nur 43 Jahren verstarb, erbte sein gerade einmal elfjähriger Sohn Johann Georg Friedrich von Friesen zusammen mit seiner Schwester Charlotte Henriette Christine von Friesen auch die Standesherrschaft Königsbrück.

1770 wurde die Privilegierte Schützengesellschaft neu gegründet.

[Bearbeiten] Die Grafen von Redern 1773

Johann Georg Friedrich von Friesen, später bekannt als der Oberaufseher der Kunstsammlungen und der Bibliothek in Dresden, veräußert als Herr von Rötha bereits 1773 Königsbrück an Sigismund Ehrenreich von Redern, dem ehemaligen Hofmarschall von Sophie Dorothea von Hannover, der Gattin des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. von Preußen und Königinmutter von Friedrich dem Großen.

Die Familie von Redern gehört altem nordschwäbischen, später anhaltinischen Uradel aus Rieder bei Ballenstedt[9] an, welches bei der askanischen Kolonisation der Mark Brandenburg mitwirkte und sich so bis weit in den Osten des Reiches ausbreitete. Sigismund Ehrenreich von Redern hatte noch am 17. Januar 1757 die Standeserhöhung zum preußischen Grafen erhalten und sich nach dem Tod der Königinmutter am 28. Juni 1757 auf Schloss Monbijou in Berlin in die Oberlausitz zurückgezogen, wo er sich als Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften Berlin und einer von deren Kuratoren wissenschaftliche Abhandlungen im Bereich der Optik verfasste.

1777 wurde der Gasthof Schwarzer Adler erbaut, 1787 der Gasthof Zum goldenen Hirsch.

Sigismund Ehrenreich von Redern starb am 1. Juli 1789 in Königsbrück und hinterließ die Standesherrschaft seinem Sohn Sigismund Ehrenreich Johann von Redern, damals sächsischer Gesandter in Spanien und 1790 preußischer Gesandter in Großbritannien. Im gleichen Jahr erbte er die Standesherrschaft Königsbrück, sein älterer Bruder Wilhelm Jacob das Rittergut Cosel und die Güter Grüngräbchen und Lipsa, zwei weitere Kinder erhielten ebenfalls Güter. Die Standesherrschaft Königsbrück bestand vor der Teilung 1790 aus 24 Ortschaften mit 18 Rittergütern und Vorwerken, danach war sie nur noch halb so groß.

1792 erhielt Sigismund Ehrenreich Johann von Redern den Abschied als Gesandter und zog im darauffolgenden Jahr als Privatier nach Florenz.

[Bearbeiten] Graf zu Münster-Meinhövel 1795

Von Florenz aus verkaufte Sigismund Ehrenreich Johann von Redern die Standesherrschaft Königsbrück 1795 an Georg Werner August Dietrich von Münster, dem Reichsgrafen von Meinhövel und Freiherren von Oer und Schade und Erbmarschall des Hochstifts Herford.

Die Antrittsrede von Georg Werner August Dietrich von Münster, Graf von Meinhövel, in der Herrschaft Königsbrück wurde in der Lausitzer Monatszeitschrift von 1796 gedruckt.[10] Seine Frau Amalie Johanne Isabella Charlotte von Ompteda (* 31. Oktober 1767) publizierte 1796 den Gedichtband Amaliens poetische Versuche. 1798 ging er in einer politisch brisanten Zeit als königlich preußischer Gesandter in das Königreich Neapel, fiel aber schon 1800 beim preußischen Hof in Ungnade und starb 1801 in Wien. Seine Güter fielen in den Konkurs.

1799 wurde die Innung der Sattler, Nadler und Gürtler erstmals erwähnt.

[Bearbeiten] Beginn des 19. Jahrhunderts

1802 wurde das Königsbrücker Rathaus erbaut.

[Bearbeiten] Die Grafen von Hohenthal 1803

Amalie Johanne Isabella Charlotte von Münster, Gräfin von Meinhövel, veräußerte 1803 die Standesherrschaft Königsbrück an den damaligen Dresdner Präsidenten des Appellationsgerichtshofes Peter Carl Wilhelm von Hohenthal zusammen mit dem Rittergut Steinborn für für 246.000 Taler. Peter Carl Wilhelm von Hohenthal führte die Standesherrschaft Königsbrück in die schwierige Zeit nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt von 1806, welche auch in Preußen und Sachsen den Übergang in die neue Neuzeit einläutete.

[Bearbeiten] Königsbrück in der neuen Neuzeit

[Bearbeiten] 19. Jahrhundert

[Bearbeiten] Königsbrück ab 1806

Bei Anbruch des neuen Zeitalters auch in Sachsen durch Napoleons Anweisungen für eine Verwaltungsreform am 23. Oktober 1806 war Königsbrück ein noch ein sehr beschauliches Landstädtchen, welches von etwas Ackerbau und Weinbau, seinen Gärten und gewöhnlichem Handwerk und Gewerbe lebte. Die Versuche der Standesherrschaft, hier Industrie anzusiedeln, waren allesamt gescheitert.

1807 wird der Standesherr von Königsbrück, Peter Carl Wilhelm von Hohenthal, zum sächsischen Konferenzminister berufen. Er fördert die Herrschaft mit seinen gestiegenen Möglichkeiten auf vielfältige Art und Weise. 1811 erscheint von ihm der Anhang zu dem Dreßdnischen Gesangbuche, vom Jahre 1797, welches in der Herrschaft Königsbrück und in anderen Gräflich Hohenthalischen Ortschaften eingeführt ist. (gedruckt bei Oldecop in Oschatz). Seine Bürgschaft von 2000 Talern für die am 23. Dezember 1818 errichtete Sparkasse in Königsbrück bewirkt die erste Sparkassengründung in Sachsen.

Königsbrück prosperiert, während 1817 noch 1050 Einwohner in Stadt und Schloss leben, sind es 1820 bereits 1184 Einwohner (1588 Einwohner in den herrschaftlichen Dörfern) und 1830 leben bereits etwa 1500 Einwohner in 226 Häusern.

Peter Carl Wilhelm von Hohenthal stirbt 1825. Nachfolger als Standesherr wird sein Sohn Peter Karl von Hohenthal (1784–1856, sächsischer Kreishauptmann und Geheimer Finanzrat). Dieser heiratet 1829 die Prinzessin Charlotte Louise Biron von Curland, die zu ihm nach Königsbrück zieht. Sie errichtete dort 1835 eine Kinderbewahranstalt, das jetzige Louisenstift, ein kleines Krankenhaus und eine Suppenküche für 12 Arme. Durch Johannes Evangelista Goßner in Berlin lernte sie die Diakonissenarbeit kennen und setzte auch in ihrem Krankenhaus eine Goßner-Diakonisse ein. 1844 gründete sie die Diakonissenanstalt Dresden mit[11]. Im Jahr darauf starb (in Braunschweig) sie an Typhus, worauf eine Gruft für sie an der Nordseite der Kirche errichtet wurde.

In die Zeit von Peter Karl Graf von Hohenthal fiel die Aufhebung der Erbuntertänigkeit. Er übergab die Standesherrschaft Königsbrück 1838 seinem Sohn Peter Alfred Graf von Hohenthal (geb. 1806). In dessen Zeit fällt die Auflösung der traditionellen grundherrlichen Gutsherrschaft. Im Revolutionsjahr 1848 gibt er auch das alte Recht der Gerichtsbarkeit an den Staat ab. 1856, im Todesjahr seines Vaters, verkauft er Königsbrück an Ernst Wilding Fürst zu Radali. Peter Karl Graf von Hohenthal stirbt nur vier Jahre später 1860 im Alter von 54 Jahren.

Der letzte große Stadtbrand von 1847 vernichtete neben dem Rathaus (von 1802) 34 Häuser. In der Summe ließen die Stadtbrände kaum historische Bausubstanz übrig.

1851 wurde die Töpferei Frommhold, 1852 der Männergesangverein gegründet. Im gleichen Jahr begann der Bau des Königlich-Sächsischen Amtsgerichtes, welches 1853 fertig gestellt wurde.

[Bearbeiten] Die Fürsten zu Radali ab 1856

Ernst (Wilhelm) Wilding zu Radali (1792–1874), der jüngere Bruder und Erbe von Georg Wilding (1790–1841), kaufte Königsbrück im bereits fortgeschrittenen Alter von 64 Jahren.

[Bearbeiten] Die Fürsten zu Radali als Grafen Wilding von Königsbrück 1857

König Johann von Sachsen verlieh 1857 den Fürsten zu Radali den Grafenstand des Königreichs Sachsen unter dem Namen Graf Wilding von Königsbrück. Daraufhin wurde Ernst Graf Wilding von Königsbrück am 31. August 1857 als erster Standesherr in den Oberlausitzschen Landtag eingeführt.

1863 gab er die Standesherrschaft an seinen Sohn August Wilding Graf von Königsbrück ab. Dieser war seit 1858 verheiratet mit Angelika Maria Theresia Szylchra, geborene von Trzebinska (* 27. Mai 1831 in Warschau) und hatte seit 1861 den in Dresden geborenen Sohn Ernst Graf Wilding von Königsbrück, Principe di Radali. August Graf Wilding von Königsbrück trat damit automatisch in die Erste Kammer des Sächsischen Landtags ein.

1873 erfolgte die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr und 1874 wurde eine neue Stadtschule in der Kamenzer Straße und das Tonzurichtewerk eingeweiht. Königsbrück erhielt Anschluß an die industrielle Entwicklung Sachsens. Im gleichen Jahr verstarb Ernst (Wilhelm) Wilding im damals hohen Alter von 82 Jahren.

1878 wurde der Gewerbevereins gegründet und schon 1880 im ehemaligen Jägerhof eine Emaillierwerkstatt eingerichtet. Im gleichen Jahr besaß Königsbrück bereits 1921 Einwohner.

1882 erscheint in Königsbrück die "Westlausitzer Zeitung" und der Ort bekommt eine Buchdruckerei. Am 17.1. gleichen Jahres beschließt der Sächsische Landtag den Bau einer Schmalspurbahn vom Bahnhof Dresden-Klotzsche nach Königsbrück, schon im darauffolgenden Jahr erfolgt am 23. Oktober 1883 der erste Spatenstich. Am 16. Oktober 1884 wird die Schmalspurbahn von Dresden-Klotzsche nach Königsbrück festlich eröffnet und am nächsten Tag in Betrieb genommen, die Einwohnerzahl steigt auf über 2000 (1885: 2030 Einw.). Die Strecke verlief von Klotzsche bis Lausa auf dem heutigen Gleiskörper der Dresdner Straßenbahnlinie 7 neben der Königsbrücker Landstraße. Von 1885 bis 1895 stieg der Personen- und Güterverkehr auf der Schmalspurbahn auf mehr als das Doppelte.

1885: die Emaillierwerkstatt wird zum Emaillierwerk erweitert ("Stanz- und Emaillierwerk Gebr. Reuter") und das Heinrichsbad gebaut.

1887 folgt die Ofenfabrik, das Rathaus erhält einen Saalanbau. Die Töpfer- und Schumacherstadt zählt 21 Töpfer (mit 49 Brennöfen) und 40 selbständige Werkstätten der Schuhmacher.

Durch die industrielle Erschließung des Ortes steigt die Einwohnerzahl, welche lange Zeit konstant um die 1200 lag, rasant auf das Doppelte dieses Wertes an (1890: 2414 Einw.).

1890/92 ist die 3. Kompanie des 12. Trainbataillon kurzzeitig einquartiert.

Am 01.06.1892 beginnt der Bau des Infanterie-Gefechtsschießplatzes Glauschnitz und des "Altes Lager" (Barackenlagers Stenz) wegen der dünnen Besiedlung der Gegend.

1893 Königsbrück zur Garnisonsstadt ernannt.

[Bearbeiten] Familie Naumann zu Königsbrück

1893 verkauft Friedrich August Theodor Graf Wilding von Königsbrück die Standesherrschaft an den Unternehmer Karl Robert Bruno Naumann, nach dem Kauf zu Königsbrück.

[Bearbeiten] 20. Jahrhundert

1903: Karl Robert Bruno Naumann zu Königsbrück stirbt, sein Sohn Dr. phil. Robert Bruno Walther Naumann erbt die Standesherrschaft.

[Bearbeiten] Ende der Standesherrschaft 1918

1918: Mit dem Rücktritt des deutschen Kaisers endet der deutsche Adel, auch die Standesherrschaft Königsbrück.

[Bearbeiten] Das moderne Königsbrück

Ein VEB nannte sich Wäscheibetrieb Königsbrück GmbH, VEB Spezialhandel, Versorgungsbetrieb 03, Arndtstraße 5.

Am 4. März 2009 starb in Königsbrück der Bildhauer Rudolf Sitte.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Webseite zur Geschichte des Schlosses Königsbrück auf der Webseite der Stadtverwaltung Königsbrück.
  2. KNOTHE, Dr. Hermann: Der Brückenzoll zu Dresden, in: Archiv für die sächsische Geschichte (Zeitschriftenband 1.1862/63), S. 427
  3. Marienpatrozinium.
  4. Nach anderer Quelle erst 1549.
  5. KNOTHE, Dr. Hermann: Der Brückenzoll zu Dresden, in: Archiv für die sächsische Geschichte (Zeitschriftenband 1.1862/63), S. 434 f
  6. Königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Geheimer Kabinettsminister, General der Infanterie und Oberkammerherr
  7. Zugleich auch kursächsischer Generalmajor seit einem Dresden-Besuch 1749.
  8. Carl von Friesen (1551–1599), sächsischer Oberküchenmeister, Hofmarschall und Amtshauptmann, erwarb 1592 Rötha für die Familie, das bis zur Enteignung durch die Bodenreform 1945 in deren Besitz blieb.
  9. Ballenstedt am Nordharz war lange Zeit Stammsitz der eigentlich Ascherslebener Askanier, zuletzt Residenz der askanischen Herzöge von Anhalt-Berburg bis zu deren Aussterben im Mannesstamm 1863.
  10. S. 31–34.
  11. Die Diakonissenanstalt Dresden war eine Gemeinschaftsgründung vier adliger und weiterer bürgerlicher Damen, außer Gräfin Louise Charlotte Hohenthal-Königsbrück beteiligten sich Frau von Brause, Ida Thode, Baronin von Wirsing, Frau von Leipziger u.a.
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