Julius Schnorr von Carolsfeld

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Julius Schnorr von Carolsfeld, Altersbildnis von Leonhard Gey
Julius Schnorr von Carolsfeld, Jugendbildnis von Carl Christian Vogel von Vogelstein
Grab auf dem Alten Annenfriedhof

Julius Schnorr von Carolsfeld (* 26. März 1794 in Leipzig; † 24. Mai 1872 in Dresden) war ein Maler der Romantik und ein Professor an der Dresdner Kunstakademie.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Schnorr von Carolsfeld besuchte in Leipzig die Thomasschule. Den ersten Kunstunterricht erhielt er von seinem Vater, einem Schüler von Adam Friedrich Oeser und ab 1803 selbst Lehrer an der Leipziger Kunstakademie. Der Sohn übernahm auch kleinere Hilfsarbeiten für seinen Vater und 1806 präsentierte er auf einer Kunstausstellung in Dresden erstmals eigene Arbeiten. Ab 1811 ließ er sich auf der Wiener Akademie ausbilden, wo schon seine Brüder Ludwig und Eduard studiert hatten. Außerhalb der Akademie lernte er Ferdinand Olivier kennen. Schnorr von Carolsfeld trat einer Vereinigung von jungen Künstlern bei, die sich im Gegensatz zur damaligen akademischen Schule an die altdeutschen Meister und die italienischen Meister des 15. Jahrhunderts anlehnten. Schnorr von Carolsfeld studierte insbesondere Dürer und Michelangelo. Sein Wunsch, sich 1813 am Befreiungskrieg gegen Napoleon zu beteiligen, scheiterte an finanziellen Engpässen und gesundheitlichen Folgen eines Unfalls.

Dank erster erfolgreicher Arbeiten konnte Schnorr von Carolsfeld 1817 über Venedig und Florenz nach Rom reisen, wo er sich dem Kreis um Peter von Cornelius, Johann Friedrich Overbeck sowie Philipp Veit und Johannes Veit, zwei Stiefsöhnen von Friedrich Schlegel und Schülern von Johann Friedrich Matthäi, anschloss. Gemeinsam traten sie für eine innerliche Erneuerung der deutschen Kunst ein. Im Gegensatz zu seinen Kollegen wechselte Schnorr von Carolsfeld aber nicht zur katholischen Konfession. Wohnung und Atelier fand er in der Residenz des preußischen Botschafters beim Vatikan, Josias von Bunsen. Rom mit seinen vielfältigen historischen und künstlerischen Einflüssen sowie Eindrücken aus der Natur der Umgebung prägte ihn nachhaltig.

1825, kurz nach dem Regierungsantritt von König Ludwig, wurde Schnorr von Carolsfeld als Professor der Geschichtsmalerei an die Akademie in München berufen. 1827 trat er seine neue Stellung an. In München war Schnorr von Carolsfeld hauptsächlich mit der Ausschmückung des neuen Königsschlosses beschäftigt.

1846 folgte Schnorr einem Ruf als Professor der Kunstakademie und Direktor der Gemäldegalerie nach Dresden. Monumentale Aufträge wie zuvor in München blieben ihm hier jedoch versagt. Zudem stand er in ständigem Wettstreit mit den Koloristen der Düsseldorfer Schule um Julius Hübner und Eduard Bendemann. Ernst Hähnel ergriff Schnorrs Partei: die Zeiten, wo das Malerische in der Kunst herrsche, seien Zeiten des Verfalls. Zu seinen bekanntesten Schülern an der Kunstakademie in Dresden zählten Anton Dietrich, Paul Kiesling, August tom Dieck, Leonhard Gey, Alexander Stichart und Hermann Wislicenus. Schnorr war Mitglied im Sächsischen Altertumsverein und in der Montagsgesellschaft.[1] Zu Ernst Rietschel bestand ein freundschaftliches Verhältnis.[2] 1871 ging Schnorr von Carolsfeld in den Ruhestand.

Schnorr war Dr. theol. et phil. und Mitglied der Kunstakademien in Dresden (1844), München (1847) und Berlin (1855). Seine Geburtsstadt Leipzig ernannte ihn zum Ehrenbürger. Er wohnte in Dresden in der Lüttichaustraße 16.[3]

Der Vater wurde zu dem wenige Jahre zuvor verstorbenen Sohn Ludwig Schnorr von Carolsfeld in einem Doppelgrab auf dem Alten Annenfriedhof bestattet. Die Schnorrstraße in Dresden ist nach ihm benannt.

[Bearbeiten] Künstlerisches Schaffen

In seinen frühen Jahren in Wien entstanden »Das Almosen des heiligen Rochus« (Museum in Leipzig), »Marie Heller als Kind«, seine spätere Ehefrau (heute Kupferstich-Kabinett), und »Die Familie Johannes des Täufers bei der Familie Christi« (ehemals Sammlung Quandt, heute Dresdner Gemäldegalerie).[4] In Rom schuf er ab 1818: »Die Hochzeit zu Kana«, eine Komposition mit mehr als 60 Figuren, und die »Verkündigung« (1820, Berliner Nationalgalerie). Auch entstanden hier ca. 100 landschaftliche Naturstudien. Hauptsächlich beschäftigte ihn aber von 1822 bis 1827 die Ausmalung eines Zimmers in der Villa des Marchese Carlo Massimi mit Fresken nach Ariostos »Rasendem Roland« in 23 Kompositionen, die den Sieg des Christentums über das Heidentum thematisierten.

München wurde zu Schnorrs künstlerisch vielleicht wichtigster Station. König Ludwig I. erteilte ihm den Auftrag, im Erdgeschoss des Königsbaues fünf Prunksäle mit Fresken nach Motiven aus dem Nibelungenlied sowie drei Säle des Festsaalbaues in der königlichen Residenz mit insgesamt 16 Darstellungen aus dem Leben Karls des Großen, Barbarossas und Rudolfs von Habsburg in enkaustischer Manier zu zieren. Die Nibelungenfresken konnten erst 1867 von Schnorrs Schülern vollendet werden. Um 1838 entstand das Ölgemälde »Begegnung Rudolfs von Habsburg mit dem Priester«, welches im Jahr 1971 für die Gemäldegalerie Neue Meister aus Privatbesitz erworben werden konnte.[5] Zwei Kartons zu den Bildern seiner Rudolf-Serie (»Rudolf's Sieg über Ottokar von Böhmen«, »Rudolf wahret den Landfrieden«) befanden sich im Besitz des Johanneums. Eine große Zahl seiner Kompositionen verwandte Schnorr als Illustrationen zu der 1843 erschienenen Prachtausgabe  »Der Nibelungen Not«. Daneben entwarf er eine Reihe von Federzeichnungen zu den Homerischen Hymnen, die als Vorbild für die Deckengemälde in einem Zimmer des Königsbaues in München dienten.

Vignette zu Schnorrs grafischem Hauptwerk, der »Bibel in Bildern«

Schnorrs Werke, schon in Rom und München, entstanden mehrfach im Auftrag von Johann Gottlob von Quandt, bzw. wurden von diesem später aufgekauft, darunter 1820 als Gebutstagsgeschenk für Quandts Frau »Madonna und Kind«.[6] Schnorrs Hauptwerk aus der Dresdner Zeit und sein volkstümlichstes Werk überhaupt sind die seit 1819 geplanten und 1862 schließlich vollendeten 240 Zeichnungen der Bibel in Bildern. Hervorhebenswert sind außerdem der Karton »Des Ananias Besuch bei Paulus« zu einem Glasgemälde in der Paulskirche zu London (Dresdner Galerie) und das Ölbild »Luther in Worms« für das Maximilianeum zu München. Der Sächsische Kunstverein stiftete sein Altarbild für die katholische Kapelle zu Dresden-Neustadt. Als Schnorrs letztes Gemälde entstand »Das neue Jerusalem« für die Friedhofshalle Löbtau. Der 1861 vollendete Großkarton »Luther auf dem Weg zum Reichstag in Worms« befindet sich im Stadtmuseum Meißen und wird für eine Ausstellung anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 restauriert.[7]

[Bearbeiten] Familie

Julius Schnorr von Carolsfeld war ein Sohn des Malers Johann Veit Schnorr von Carolsfeld (* 11. Mai 1764 in Schneeberg, † 30. April 1841 in Leipzig), ab 1814 Direktor der Leipziger Akademie[8]. Seine Brüder Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld (* 11. Oktober 1788 in Königsberg, † 13. April 1853 in Wien)[9], später Kustos der Belvederegalerie in Wien, und Eduard (1790–1819), waren Maler in Wien. Die Schwester Ottilie (1792–1879) heiratete Karl Justus Blochmann.[10]

Schnorr von Carolsfeld heiratete 1827 in Wien Marie Heller. Er hatte die Stieftochter von Ferdinand Olivier schon als Kind im Hause seines Lehrers kennengelernt. Das Ehepaar hatte sechs Söhne und drei Töchter. Ludwig Schnorr von Carolsfeld, später ein Sänger am Hoftheater, und Franz Schnorr von Carolsfeld, ein Oberbibliothekar, besuchten in Dresden die Erziehungsanstalt von Karl Justus Blochmann.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Dirk Hempel: Literarische Vereine in Dresden. Kulturelle Praxis und politische Orientierung des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter - Max Niemeyer Verlag, Berlin und New York, 2008. (Inhaltsverzeichnis)
  2. Franz Schnorr von Carolsfeld: Ernst Rietschel und Julius Schnorr. Zum Andenken an ihr Freundschaftsverhältnis. In: Dresdner Geschichtsblätter 17 (1908) 3, S. 249–267
  3. Adressbuch der Stadt Dresden, 1862
  4. Eintrag in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Online Collection
  5. Dagmar Sommer: Galerie Neue Meister, Band 2. Illustriertes Bestandsverzeichnis, 2010, S. 372
  6. Madonna und Kind, Wallraf-Richartz Museum Köln
  7. Sächsische Zeitung, 23.1.2015
  8. Franz Schnorr von Carolsfeld: Artikel Schnorr von Carolsfeld, Veit in Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 191–193
  9. Franz Schnorr von Carolsfeld: Artikel Schnorr von Carolsfeld, Ludwig Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 189–190
  10. Fastert, Sabine,Schnorr von Carolsfeld, Julius Veit Hans in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 341-343

[Bearbeiten] Weblinks

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