Josef Goller

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Josef Goller (* 25. Januar 1868 in Dachau; † 29. Mai 1947 in Obermenzing bei München) war ein bedeutender Glasmaler des Jugendstils und ein bekannter Grafiker.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Mosaik von Josef Goller und Villeroy und Boch, 1907 (Christuskirche Bischofswerda von Gottlob Friedrich Thormeyer)
Glasfenster-Reste Görlitz
Kirchenfenster Euba, 1896

Nach Absolvierung einer Lehre in München und einer ersten Arbeitsstelle in Zittau kam Goller 1890 nach Dresden, wo er zunächst Friedrichstraße 10, dann Holbeinstraße 76 wohnte.[1],[2] Er übernahm die künstlerische Leitung der Anstalt für Glasmalerei von Bruno Urban, die später als Urban & Goller firmierte und in der Friedrichstraße 40 ansässig war. Sie arbeiteten mit führenden Künstlern ihrer Zeit zusammen, darunter mit Ludwig Otto. Bis 1904 wohnte Goller Borsbergstraße 19 und hatte sein Atelier in der Alemannenstraße 12.[3] Danach wohnte er bis 1910 in Loschwitz im Körnerweg 8.

Goller gehörte der von Gotthardt Kuehl gegründeten Künstlergruppe »Die Elbier« an, für die er das hoffnungsvolle Wahrzeichen entwarf: ein Schiff auf bewegten Wogen mit vom Wind geblähten Segeln.[4] Im frühen 20. Jahrhundert wandte er sich verstärkt der Werkkunst zu. Goller war Mitglied des Deutschen Werkbundes und arbeitete zeitweise für die Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst. An der Kunstgewerbeschule leitete er von 1906 bis 1928 die Klasse für Glasmalerei, wo Oskar Fritz Beier und Otto Griebel zu seinen bekanntesten Schülern zählten. 1909 erhielt er die Berufung zum Professor. Er widmete sich zudem verstärkt der Buchillustration und Plakatgestaltung. Hier gehörte Kurt Fiedler zu seinen Schülern.

Die Tochter Elise war ab 1911 mit dem Maler Arno Drescher verheiratet. Goller kehrte 1928 nach München zurück, wo er auch gestorben ist. Sein Grab lag bis 1965 auf dem Friedhof Obermenzing[5] und gehörte zu den besseren Waldgräbern.

[Bearbeiten] Werke

Goller wurde früh für die dekorative Gestaltung von Innenräumen bekannt, so für die Internationale Kunstausstellung von 1901 und die 3. Deutsche Kunstgewerbeausstellung von 1906, die jeweils im Dresdner Ausstellungspalast stattfanden. Er schuf in Sachsen Mosaike und viele Glasmalereien für Fenster in Rathäusern, Schulen, Bahnhöfen, Kirchen und Synagogen, darunter in Bischofswerda zusammen mit Villeroy und Boch, in Leipzig, Chemnitz, Görlitz[6], Pirna und Radebeul. Bekannte Werke in Dresden sind die Fenster des Kaiserpalastes, darunter ein Kolossal-Fenster im Vestibül, die farbliche Neugestaltung des Foyers der Semperoper von 1912 [7] und die Glasmalereien über dem Hochaltar der Marienkirche Cotta. Auch für den Zoo, die Garnisonkirche, das Ständehaus, das Kunstgewerbemuseum und im Neuen Rathaus führte er Aufträge aus. In Loschwitz schuf er die Glasfenster mit Tierkreiszeichen der Schule. Die Fenster der Villa Am Hochwald 1 von Hugo Zietz, Bauherr der Yenidze, zeigen den Weg des Tabaks vom Orient nach Dresden.[8] Für die Heinrich Ernemann AG realisierte er Werbeaufträge.[9]

Mit seinen karikaturistischen Plakaten und mit seinen Ölbildern war Goller wiederholt auf Kunstausstellungen vertreten. Seine Künstlerkartenmotive erfreuen sich heute einer regen Sammlerschar. Für die Sechste Jahresschau Deutscher Arbeit 1927 zeichnete er für die Ausmalung des legendären Restaurants "Oberbayern" im Vergnügungspark verantwortlich[10].

Deutsche Kunstausstellung Dresden, 1899 | Kunstgewerbeblatt, 1902 | Dresdner Kunstausstellung, 1912 | Handbuch für Glasmalerei, 1914

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Adressbuch der Stadt Dresden, 1892
  2. Adressbuch von bildenden Künstlern der Gegenwart, 1898
  3. Adressbuch der Stadt Dresden, 1904
  4. Paul Schumann: Artikel zur Künstlergruppe »Die Elbier«
  5. Auskunft der Friedhofsverwaltung vom 05.08.2011, Gräberfeld 6, Reihe W, Nr. 22, Beerdigung am 02.06.1947, Veräußerung der Grabstelle an Fam. Josef Hillreiner (1896-1965)
  6. ausgeführt in Schwarzlotmalerei (heute nicht mehr vorhanden), Bilder der Innenausstattung bei welt.de
  7. Heinrich Magirius: Gottfried Sempers zweites Dresdner Hoftheater. Verlag H. Böhlau, 1985
  8. www.dresdner-stadtteile.de
  9. Kirsten Vincenz, Wolfgang Hesse: Fotoindustrie und Bilderwelten: Die Heinrich Ernemann AG für Camerafabrikation in Dresden 1889-1926, Verlag Kerber, 2008
  10. Sechste Jahresschau Deutscher Arbeit Dresden 1927: "Das Papier", amtlicher Führer S. 186

[Bearbeiten] Weblinks

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