Johannes Lemmel

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Johannes Lemmel, auch Johann Lämmell oder Laemmell (* 18. April 1644 in Neukirchen bei Chemnitz; † 26. Mai 1705 in Leipzig) war ein deutscher Kauf- und Handelsmann, später Beamter der königlich-polnischen und kursächsischen Armee im Rang und mit Titel eines Geheimen Kriegsrates.

[Bearbeiten] Familie

Johannes Lemmel entstammte der ursprünglich aus Franken stammenden Familie Lemmel. Ältester nachweislicher Urahn ist Conrad Lemmel bzw. Lemlein, der 1304 als Bürger in Nürnberg erwähnt wird. Johannes Lemmel war der älteste Sohn des Mälzers Johann (Hans) Lemmel (* 5. September 1610 in Chemnitz; † 17. Oktober 1671 ebenda) in Neustadt bei Chemnitz und dessen zweiten Ehefrau Anna geb. Neubert (* 5. September 1610 in Neustadt; † 17. Oktober 1777 in Chemnitz). Johannes Großvater war Hans Lemmel (ca. 15971630). Johannes hatte noch sechs Geschwister, davon aus der ersten Ehe seines Vaters mit dessen Ehefrau geb. Kretzschmar (* um 1615; † um 1640) zwei Halbschwestern und aus der zweiten Ehe seines Vaters drei Brüder und eine Schwester, u.a.:

Johannes Lemmel heiratete am 19. Juli 1669 in Dresden Emilia geb. Thomaeus (* 22. März 1640 in Meißen; † 24. Juli 1688 in Possendorf bei Dresden), Tochter des königlich-schwedischen Quartiermeisters in Meißen, Benedict Thomaeus (* um 1605). Johannes und Emilia Lemmel hatten drei Töchter:

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Johannes Lemmel am 9. Juni 1663 in Wittenberg Justina geb. Seyfried (* 1653; ▯ 13. September 1723 in Dresden), Tochter des Schönfelder Pfarrers Albinus Seyfried (16221686) und dessen Ehefrau Justina Elisabetha geb. Walther. Diese Ehe blieb kinderlos.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Johannes Lemmel wurde 1644 in der Kirche zu Neukirchen bei Chemnitz getauft und begann 1656 eine kaufmännische Lehre bei dem Kauf- und Handelsherrn zu Leipzig, Zacharias Kramer. In dessen Handelsgeschäft blieb er bis 1669, wo er 1668 Handelsbedienter wurde. In dieser Zeit wurde Lemmel als Wohltäter der bis 1946 existierenden Chemnitzer Nikolaikirche erwähnt, der der Kirche ein Altartuch gestiftet hatte. Später stiftete er der Nikolaikirche einen neuen Kirchturm, der 1692 erbaut wurde, sowie zwei neue Kirchenglocken in dem späteren Dreier-Geläut.

1669 trat Lemmel als kursächsischer Hof-Handelsmann in die Dienste des Kurprinzen Johann Georg III. und lebte ab etwa 1670 in Dresden. 1681 wurde Johannes Lemmel "Fourier", eine Art Verpflegungsoffizier, der kurprinzlichen Leibgarde zu Fuß, später Regiments-Sekretär des kurprinzlichen Kürassier-Regiments. 1680, nach der Thronbesteigung des sächsischen Kurfürsten Johann Georg III., wurde Lemmel zum kurfürstlich-sächsischen Kriegszahlmeister ernannt. 1683 nahm er am Feldzug des deutsch-polnischen Heeres gegen die Türken teil, so bei der Schlacht am Kahlenberg bei Wien. Anschließend wurde Lemmel 1686 zum General-Kriegs-Zahl- und Proviantmeister der kaiserlichen Truppen in Ungarn befördert. 1690 nahm er am Pfälzer Erbfolgekrieg gegen den französischen "Sonnenkönig" Ludwig XIV. teil.

Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten Johann Georg, wurde Lemmel 1691 von dessen Söhnen Johann Georg IV. und wiederum 1694 von Friedrich August im Amt des General-Kriegs-Zahlmeister bestätigt. 1695/96 nahm er wiederum am Krieg gegen die Türken in Ungarn teil, 1697 an der Königskrönung von Friedrich August zum polnischen König in Krakau und 1698 beim Treffen mit dem russischen Zaren Peter I. in Lemberg. 1697 erhielt Lemmel von August dem Starken den Rang eines königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Kriegsrats.

1700 nahm Lemmel am Großen Nordischen Krieg gegen die Schweden, so bei erfolglosen Belagerung des damals schwedischen Rigas durch die sächsischen Truppen teil. 1701 wurde Lemmel von August dem Starken in den Rang eines Geheimen Kriegsrates erhoben. Die Niederlage der sächsischen Armee bei Krakau im Jahr 1702 gegen den schwedischen König Karl XII. war die letzte Kampfhandlung, an der Lemmel teilnahm.

1702 ist Johann Lemmel im Dresdner Adressbuch als "Geheimbter Kriegs-Rath" sowie als General-Proviant- und Kriegs-Zahlmeister erwähnt.[4] 1703 erteilte August der Starke dem Geheimen Oberkriegsrat Lämmel den Befehl zur Errichtung einer Gewehrfabrik in Olbernhau im Erzgebirge. Lemmel berichtete dem sächsischen Kurfürsten, dass er 50 Personen, darunter Büchsenmacher und Rohrschmiede aus fremden Landen dafür heranzog. Lemmel betrieb fortan auch einen reichhaltigen Waffenhandel, an dem er selbst mit verdiente.

Lemmel erwarb bereits 1681 mehrere Rittergüter. Er war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Carsdorf, Possendorf bei Dresden und Theisewitz bei Kreischa. Auf dem Gut in Possendorf ließ Lemmel 1691 eine Windmühle errichten, die 1992 vom Müllermeister Herbert Scholz restauriert wurde.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinen Gelehrten-Lexiko, Bremen 1813, Digitalisat auf Google Books, S. 1761: "...starb 1715 im 60. Jahre..."
  2. Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste ..., herausgegeben von Carl Günther Ludovici, Digitalisat auf Google Books, S. 299
  3. Genealogie von Johann Lämmel auf geneal.lemmel.at
  4. Dresdner Adressbuch 1702, SLUB, S. 53

[Bearbeiten] Weblinks

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