Hochwasser 2002

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Ironie des Schicksals
Weißeritzstraße
Hochwassermarke am Kaitzbach

Im Sommer 2002 überfluteten zunächst die Weißeritz am 12./13. August und wenige Tage später am 16./17. August die Elbe große Teile des Stadtgebietes. Das Hochwasser 2002 war mit einem Stand von 9,40 m die höchste dokumentierte Überflutung des Dresdner Elbtals. Umgangssprachlich wird es auch als Jahrhundertflut oder Jahrtausendflut bezeichnet.

Die Weißeritz suchte sich dabei ihr altes Flussbett zurück, aus welchem sie im 19. Jahrhundert durch den Eisenbahnbau umverlegt wurde. Dadurch wurde der etwas tiefer liegende Hauptbahnhof im Erdgeschoss völlig überflutet, nachdem bereits Teile Löbtaus und Plauens überflutet worden waren. Im Anschluss strömte die Flutwelle durch die St. Petersburger Straße und Prager Straße weiter in Richtung historische Altstadt, um letztendlich in der Nähe der Marienbrücke in die Elbe zu münden. Am 13. August wurde Katastrophenalarm ausgelöst.

Durch starke Regenfälle in Tschechien stieg gleichzeitig der bereits erhöhte Pegel der Elbe weiter, die Hochwasserwarnstufe 4 wurde teilweise überschritten. Zahlreiche bebaute Gebiete wurden von der Elbe überflutet, neben Ufer nahen Gebieten waren vor allem der inzwischen bebaute alte Elbarm betroffen, aber auch durch einen hohen Rückstau überfluteten in die Elbe mündende Flüsse das Stadtgebiet. Durch Freiwillige, THW, Bundeswehr und Feuerwehr schnell errichtete Deiche waren oftmals zwecklos, mehrere Menschen verloren ihr Leben.

Am 17. August erreichte die Elbe ihren Höchststand von 9,40 Meter, welcher bis dato nie erreicht wurde, entsprechend überrascht waren viele der Betroffenen. Begünstigt wurde dieser hohe Pegelstand durch die Bebauung des ursprünglichen Flutraumes, wodurch die Wassermassen sich nicht gefahrlos ausbreiten konnten.

Das Augusthochwasser 2002 verursachte daher ein Umdenken bei vielen Menschen und Planungen, inzwischen scheinen diese Erlebnisse aber vergessen und es wird wieder gefährdetes Gebiet bebaut.

In den Jahren 2006 (7,40 Meter) und 2011 (6,80 Meter) gab es ebenfalls Elbehochwasser mit kritischen Pegeln und teilweise überfluteten Häusern.

[Bearbeiten] Chronik der Ereignisse[1][2]

Pegelstände wenn nicht anders angegeben um 7 Uhr Morgens.

[Bearbeiten] Freitag, 9. August

Pegel 2,80 Meter. Tief Ilse hat sich über dem Mittelmeer mit Wasser vollgesogen. Starke Niederschläge haben die Flüsse anschwellen lassen. Im Fährgarten Johannstadt werden die Flutschutzwände aufgebaut und bei den Filmnächten am Elbufer die Sitzplätze vor der Leinwand entfernt.

[Bearbeiten] Sonnabend, 10. August

Pegel 4,45 Meter, Alarmstufe 1 wurde überschritten. Das Terrassenufer wird für den Autoverkehr gesperrt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt verhängt in der Nacht ein Fahrverbot für die Elbe.

[Bearbeiten] Sonntag, 11. August

Pegel 5,52 Meter, Alarmstufe 2 ist überschritten. Der Pegel steigt zwar langsam, fällt am Nachmittag jedoch wieder unter 5,40 Meter.

[Bearbeiten] Montag, 12. August

Pegel 5,40 Meter. Dauerregen lässt die Flüsse und Bäche im Mittelgebirge zu reißenden Strömen anschwellen. In vielen Landkreisen im Erzgebirge wird Katastrophenalarm ausgelöst, dort sind stellenweise bis zu 200 Liter Wasser pro Quadratmeter heruntergefallen. Umspannwerke fallen aus, tausende Dresdner sind ohne Strom. In Glashütte bricht ein Rückhaltebecken, daraufhin verwüstet die Müglitz große Teile von Glashütte, Weesenstein und Schlottwitz. Abends läuft die Talsperre Malter über und die Weißeritz überflutet Teile von Tharandt, Freital und Dresden.

[Bearbeiten] Dienstag, 13. August

Pegel 6,60 Meter. Alarmstufe 3. Die Weißeritz fließt über ihr altes Bett in den Hauptbahnhof, an Zugverkehr ist nicht zu denken. Das Wasser fließt weiter in die Altstadt, Zwinger und Semperoper stehen im Wasser. In letzter Sekunde werden die Gemälde aus den Kellerdepots des Zwingers geholt. Die Friedrichstadt steht unter Wasser, das Krankenhaus Friedrichstadt wird evakuiert. Am Altmarkt, auf dem Theaterplatz und vielen anderen Stellen der Stadt werden Tag und Nacht Sandsäcke gefüllt. Die Schulen werden geschlossen.

[Bearbeiten] Mittwoch, 14. August

Pegel 6,90 Meter, Höchste Alarmstufe 4, der Pegel sinkt zunächst, steigt dann wieder. Erstmals werden die Schäden auf Milliarden geschätzt. Die Evakuierung weiterer Krankenhäuser wird vorbereitet. Das Rudolf-Harbig-, das Heinz-Steyer- und das Eisstadion stehen unter Wasser. Die Weißeritz zieht sich langsam zurück.

[Bearbeiten] Donnerstag, 15. August

Pegel 7,55 Meter, 18 Uhr 8,30 Meter. Im Südosten werden Laubegast, Kleinzschachwitz und Zschieren überschwemmt. Im Nordwesten tritt das Wasser über den Damm in Gohlis, Teile von Cossebaude, Niederwartha, Kaditz und Mickten werden überflutet. Das Krankenhaus Neustadt und das Diakonissenkrankenhaus werden geräumt. Der Elbepark wird geschlossen. Im Klärwerk Kaditz muss ein Teil der Abwässer ungeklärt in die Elbe geleitet werden.

[Bearbeiten] Freitag, 16. August

Pegel 8,85 Meter. Das Klärwerk wird überflutet, da ein Damm in Kaditz gebrochen ist. Von nun an fließen die ganzen Abwässer ungeklärt in die Elbe, werden durch Wassermassen jedoch gut verdünnt. Das Stadtfest wird für dieses Jahr abgesagt und im alten Terminal des Flughafens wird ein provisorisches Krankenhaus eingerichtet.

[Bearbeiten] Sonnabend, 17. August

Der Pegel erreicht um 7 Uhr früh seinen höchsten Stand von 9,40 Meter. Alle Brücken, bis auf die der Autobahn, sind gesperrt und werden nur sporadisch geöffnet. In zahlreichen Stadtvierteln ist der Strom ausgefallen, vor allem in der Innenstadt sind die Straßen nicht beleuchtet. Das Wasser steht sogar in der Äußeren Neustadt, der Verkehr ist so gut wie zum Erliegen gekommen, die Straßen sind durch Blaulicht und Martinshorn geprägt.

[Bearbeiten] Sonntag, 18. August

Pegel 8,90 Meter. Der Pegel beginnt zu sinken. Erste Aufräumarbeiten beginnen. Das Grundwasser drückt von unten gegen die Häuser und dringt in Keller ein. Die Statik des Herzzentrums und des St.-Benno-Gymnasiums ist gefährdet.

[Bearbeiten] Montag, 19. August

Pegel 7,60 Meter. Bis jetzt sind 15 Todesopfer zu beklagen, 26 Menschen werden noch vermisst. Viele Bürger lassen sich gegen Gelbsucht impfen. In ganz Sachsen sind 180 Brücken, 740 Kilometer Straßen und 538 Kilometer Schienenwege der Bahn zerstört. Marienbrücke, Augustusbrücke und Blaues Wunder sind weiterhin gesperrt.

[Bearbeiten] Dienstag, 20. August

Pegel 6,45 Meter. Die meisten Evakuierten können in Ihre Häuser zurückkehren. Nur in Neu-Gohlis stehen die Häuser noch im Wasser. Die Krankenhäuser fangen wieder an zu arbeiten. Nach dem das Wasser zurückgegangen ist, türmen sich die Sperrmüllberge in den mit Schlamm verschmutzen Straßen. Die Stadtreinigung wird mit Fahrzeugen und Mitarbeiten aus Cottbus, Erfurt und Leipzig unterstützt. Nur die Augustusbrücke ist noch weiterhin gesperrt.

[Bearbeiten] Mittwoch, 21. August

Pegel 5,20 Meter. Die Bewohner von Gohlis können auch in ihre Wohnungen zurückkehren. Der Schulbetrieb wird wieder aufgenommen. Im Hochwassergebiet sind noch 30 000 Haushalte ohne elektrischen Strom.

[Bearbeiten] Donnerstag, 22. August

Pegel 4,25 Meter. Der Katastrophenalarm wird bis auf Teilgebiete an der Weißeritz aufgehoben, der Krisenstab wird aufgelöst. Spielplätze die überschwemmt waren, werden von der Stadt wegen Infektionsgefahr bis zur Säuberung gesperrt. Die Dresdner Verkehrsbetriebe können am Abend wieder 90% des Netzes[3] bedienen. Während der ganzen Katastrophe kam es nie zum völligem Erliegen des Straßenbahnbetriebes.

[Bearbeiten] Freitag, 23. August

Pegel 4,17 Meter. Insgesamt sind jetzt 19 Todesopfer zu beklagen. Der Kreuzchor und die Philharmonie geben am Abend in der Kreuzkirche ein Benefizkonzert. Bei den Filmnächten wird das Programm fortgesetzt.

[Bearbeiten] Sonnabend, 24. August

Der Pegel sinkt seit 14 Tagen erstmals unter 4 Meter und steht bei 3,69 Meter. Die Straßenbahn fährt wieder nach Gorbitz, Leutewitz und Radebeul. Das Klärwerk Kaditz beginnt zunächst die Abwässer wieder grob zu reinigen.

[Bearbeiten] Sonntag, 25. August

Auf dem Schlossplatz wird ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, welcher unter dem Thema "und die Taube brachte einen Ölzweig" steht.

[Bearbeiten] Quellen und Weblinks

  1. Die Jahrhunderflut, Bilder einer Katastrophe eine Dokumentation der Dresdner Neueste Nachrichten und der Deutschen Bank. Verlag: Dresdner Nachrichten GmbH und Co. KG, 2002
  2. Elbepegel Dresden August/September 2002
  3. Hochwasser 2002, Das Interims-Netz der Verkehrsbetriebe
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