Hans von Eberstein

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Königstein ca. 1850
Königstein, Panormablick von der Festung mit Blick zum Lilienstein
Königstein, Aufgang zur Festung
Burg- und Festungskommandanten
Festung Königstein, Friedrichsburg ca. 1900

Hans von Eberstein, auch Hanns von Eberstein zu Eschershausen, eigentlich geboren als Hans Kersebeher, alias Kirschbier, später auch Käsebier genannt (* vor 1540; † 12. April 1617) war ein deutscher sowie dänischer Soldat, Landsknecht und zuletzt kurfürstlich-sächsischer Festungshauptmann. Er war einer der ersten Kommandanten der Festung Königstein und gilt als einer der großen Förderer des Festungsbaus in Königstein im 16. Jahrhundert während seiner langen Dienstzeit.

[Bearbeiten] Familie

Hans von Eberstein entstammte nicht dem uradeligen Geschlecht derer von Eberstein. Er war der Sohn eines Häuslers aus Eberstein namens Kersebeher, alias Kirschbier, der in späteren Publikationen auch Käsebier genannt wird. Seine nichtadelige Abstammung kam nur durch einen Zufall raus. Deshalb ist er auch nicht im Adelslexikon der Adelsfamilie von Eberstein aufgeführt, obwohl versucht wurde, ihn dort mehrmals Namensverwandten zuzuordnen.[1] Auch als Louis Ferdinand Freiherr von Eberstein 1865 die "Geschichte der Freiherren von Eberstein" herausgab, führte dieser fälschlicherweise Hans Wilhelm von Eberstein als Kommandant des Königsteins auf.[2] Auch in weiteren Publikationen wurde dieser Fehler übernommen.

Befragt warum Hans Kersebeher den Namen von Eberstein führte , gab er später an, dass er "sich von Eberstein nenne, wie ein Soldat, von dem Orte, da sein Vater gewohnt".

Ebersteins Bruder, Ernst von Eberstein, eigentlich Ernst Kersebeher, benannte sich wie sein Bruder auch nach dem Adelsgeschlecht derer von Eberstein und bekleidete während der Kommandantur seines Bruders die Dienststellung als Festungswachtmeister. Er wird 1607 erwähnt, als Eberstein die Kommandantur der Festung an seinen Nachfolger, Hauptmann von Beon übergeben sollte.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Hans von Eberstein schlug schon früh eine militärische Karriere ein. Er wird bereits 1565 erstmals als Burghauptmann in Königstein erwähnt, weiterhin nochmals als Hauptmann 1585.

Um das Jahr 1570 diente Eberstein in Dänemark, davon mehrere Jahre in Kopenhagen unter einem Regiment deutscher Landsknechte.[3] Danach war er als Landsknecht in verschiedenen europäischen Ländern zu finden, zuletzt als Kriegshauptmann bei dem Grafen Philipp Ernst von Gleichen und Pyrmont, wo er gegen den Bischof von Paderborn zu Felde zog.

Mit deinem Empfehlungsschreiben des Grafen von Gleichen kam Eberstein nach Dresden, wo er durch Kurfürst August 1585 die Bestallung als Landsknechthauptmann erhielt. Am 21. Juni 1587 wurde er kursächsischer Türknecht und Hauptmann der kurfürstlichen Garde (auch Trabantenhauptmann genannt). Bei seiner Ernennung zum Trabantenhauptmann erhielt er vom kursächsischen Hofmarschall Hans Wolf von Schönberg in einem schriftlichen Befehl den Namen Hans von Eberstein zu Eschershausen im Hofbuch.

Nach der zwischenzeitlichen Ernennung von Christoph Stange als Festungshauptmann, der die höchste Dienststellung in Königstein aber nur wenig länger als ein Jahr begleitete, folgte Eberstein am 8. Juni 1590 erneut als Hauptmann der Festung Königstein. Als Besoldung erhielt Eberstein jährlich 300 Gulden zuzüglich der Dienstkleidung. Eberstein befehligte zu dieser Zeit auf der Festung nur eine kleine Mannschaft von einem Wachtmeister und 25 Soldaten. Außerdem lebten etwa 50 Familienangehörige der Wachmannschaft mit auf der Festung. Dazu kam ein Festungswirtschaftler, dem nochmals mehrere Bedienstete unterstanden.

In Ebersteins Kommandantur fielen:

Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten Christian I. erfolgte nach dem Regierungsantritt von Christian II. nach eingetretener Mündigkeit eine erneute Bestallung Ebersteins am 12. September 1592, als er in der Urkunde des Hauptmannes zu Pirna und Hohnstein, Friedrich von Mangold zu Reinhardtsgrimma erwähnt wird: * "... er soll auch die Vestung Königstein in seinem obern Befehlich haben und was nothwendig mit Unserm Vorwissen anordnen, wie denn auch zu dem Ende der Hauptmann und Soldaten bemeldeter Vestung an ihn gewiesen worden sind."

Eberstein wurde bestimmt, dass er sich am 26. August 1592 früh 8 Uhr auf der Festung einfinden solle. Während der Regierungszeit unter dem Administrator Herzog Friedrich Wilhelm wurde von Ebersteins Besoldung auf Lebenszeit verschrieben. Dies war ein glücklicher Umstand für Eberstein, da nach dem Regierungsantritt von Christian II. von Eberstein in langem Streit mit dem kursächsischen Obristen Centurius Pflugk lag, dem die Oberaufsicht über die Festungen Leipzig, Wittenberg, Königstein und Zwickau anvertraut wurde. Eberstein hatte als langjähriger und erfahrener Soldat erhebliche Probleme sich unter dem Kommando des an Lebensjahren und Dienstzeit deutlich jüngeren Obristen Pflugk zu stellen.

1596 bat Eberstein den sächsischen Kurfürsten der Bergfestung einen eigenen Festungsprediger zu stellen. Er empfahl dazu den Studenten Ambrosius Beuling aus Mühlberg. In seiner Antwort vom 12. Oktober 1596 befahl der Kurfürst jedoch, ... der Pfarrer zu Königstein (Stadt) solle hinfuro uf der Vhestung doselbst wöchentlich eine Predigt thun und dafür 5 Gulden an Geld und 5 Scheffel Korn jährlich vom Pirnaer Schösser erhalten. Später kam dazu noch ein priesterliches Gewand bei einer Neueinkleidung der Festungsgarnison.[5]

Aufgrund der weiter schwelenden Streitigkeiten mit Pflugk, die teilweise auch ihre Ursache in unklaren Befehlen hatten, sollte Eberstein als Festungshauptmann bereits 1605 abgelöst werden. Allerdings erfolgte seine tatsächliche Ablösung erst mit Order vom 22. Oktober 1607 durch den später auf Königstein erhängten Festungshauptmann Wolf Friedrich von Beon. Am 1. November 1607, einen Tag nach der erst am 31. Oktober veröffentlichten Entlassungsorder von Ebersteins durch den sächsischen Kurfürsten wurde der Wechsel auf der Festung vollzogen. Die Nacht zum 2. November 1607 verbrachte von Eberstein im Städtchen Königstein an der Elbe, begab sich am nächsten Morgen zur Festung, verlas der versammelten Mannschaft den kurfürstlichen Befehl und die Order zur eigenen Entlassung der bisherigen Mannschaft und installierte Hauptmann von Beon als neuen Festungshauptmann.

Nach der Absetzung Ebersteins gab es eine Untersuchung gegen ihn, dem während seiner Hauptmannbestallung auf der Festung Verstöße gegen Eid, Pflicht und seine Ehre vorgeworfen wurden. Das erste Verhör mit insgesamt mehr als 50 Inquisitionspunkten fand am 23. März 1608 gegen ihn statt. Resultat der Verhöre war, dass Eberstein "ein zwar scharfes, aber gutes Regiment auf der Vestung geführt und sich dabei unermüdlich in der Erfüllung seiner Pflicht gezeigt habe."

Aufgrund des positiven Ausgangs der gerichtlichen Untersuchung gegen ihn konnte Eberstein seine von Herzog Friedrich Wilhelm bis ans Lebensende verschriebene Besoldung bis zu seinem 1617 erfolgten Tod genießen. An Eberstein erinnert eine Inschrift an der Festungsmauer:

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Johann Friedrich Gauhe, Christoph von Carlowitz: Des Heil. Röm. Reichs Genealogisch-Historisches Adels-LEXICON..., Leipzig 1740, Digitalisat auf Google Books, S. 465
  2. S.a. Louis Ferdinand Freiherr von Eberstein: Geschichte der Freiherren von Eberstein, Sondershausen 1865, S. 692
  3. Georg von Schimpff: Die ersten kursächsischen Leibwachen zu Roß und zu Fuß und Ihre Geschichte, Aus dem Nachlass des Oberhofmeisters August von Mickwitz, Digitalisat auf Google Books, Dresden 1894, S. 77
  4. Aus der Geschichte der Festung Königstein auf www.dresden-und-sachsen.de
  5. Gunter Pirntke: Von Pirna bis Bad Schandau: Eine geschichtliche Zeitreise, Leseprobe auf Google Books, Engelsdorfer Verlag, ISBN 9783954882519
  6. Historische Beschreibung der Weltberühmten Festung Königstein, ... Digitalisat auf Google Books, Dresden 1736, S. 68f.
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