Gottlieb Traugott Bienert

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Gottlieb Traugott Bienert mit Unterschriftsfaksimile

Gottlieb Traugott Bienert (* 21. Juli 1813 in Eschdorf; † 22. Oktober 1894 in Dresden) war ein aus Eschdorf stammender Müller, Bäcker, Mehl- und Getreidehändler, der es bis zum Großindustriellen, Königlich Sächsischen Hoflieferanten und Kommerzienrat brachte. Bekannt wurde er vor allem im späteren Dresdner Stadtteil Plauen, wo er 1852 die dortige Hofmühle pachtete und umfassend modernisierte. Er engagierte sich in hohem Maße für die sozialen Belange seiner Arbeiter und Angestellten sowie auch für die Einwohner der Gemeinde Plauen bei Dresden.

[Bearbeiten] Familie

Gottlieb Traugott Bienert entstammte aus der gleichnamigen, traditionsreichen Müllerfamilie Bienert, die bis in das 14. Jahrhundert zurück verfolgbar ist. Erster Namensträger war Heinrich Bener, der 1360 Müller in Freitelsdorf war. Die ununterbrochene Stammfolge beginnt mit Georg Biner (auch Georg Bienert, 15101585), der Müller in Leppersdorf bei Radeberg war und teilt sich ab dem Ende des 16. Jahrhunderts und Anfang des 17. Jahrhunderts in vier Hauptlinien, von denen drei Linien das Müllergewerbe weiterverfolgten.

Gottlieb Traugott wurde am 21. Juli 1813 in Eschdorf bei Pillnitz als erstes Kind und ältester Sohn des Erbmüllers Johann Gottfried Bienert (17821823) und dessen Ehefrau Johanna Eva Rosina Weber geboren. Auch Traugotts Onkel Johann Carl Gottlieb Bienert (17811854) und Johann Traugott Bienert (17911813) waren Müller in Fischbach bzw. Schmiedefeld im Wesenitzgebiet und gehörten wie sein Großvater Johann Christian Bienert (17511813) dem Schmiedefelder Ast an. Traugott hatte noch drei Geschwister, eine Schwester, die nach der Heirat in ein Nachbardorf zog und zwei jüngere Brüder:

Traugott Bienert heiratete am 23. November 1843 im Alter von 30 Jahren Christiane Wilhelmine Leitholdt (* 29. Januar 1819 in Schullwitz bei Dresden; † 4. Oktober 1904 in Dresden), die Tochter des Rittergutsbesitzers und Landrichters zu Schullwitz sowie späterem Landtagsabgeordnetem Johann Gottlob Leitholdt († 1859)[1] in der Schönfelder Kirche. Das Paar hatte sieben Kinder:

Die Obermühle in Eschdorf, Geburtshaus von Gottlieb Traugott Bienert
Ansicht heute

[Bearbeiten] Leben und Wirken

[Bearbeiten] Kindheit

Gottlieb Traugott Bienert wuchs nach seiner Geburt als Sohn eines armen Erbmüllers der Obermühle in Eschdorf auf. Die Bienertsche Mühle in Eschdorf lag an einem kleinen Mühlgraben, der öfters im Sommer zu wenig Wasser hatte, um die Mühle am Laufen zu halten. Während der Napoleonischen Kriege um Dresden, speziell der Schlacht am 26. und 27. August 1813 wurde auch die Mutter des jungen Gottlieb Traugott allein dreimal von Soldaten angehalten, als sie mit dem vier Monate alten Säugling von der besetzten Bienertmühle zu einer Nachbarin fliehen wollte.

Nach dem Krieg waren die Mühle sowie einige Wirtschaftsgeräte zerstört und die Scheunen geplündert, so dass nicht einmal das Saatgut für die Herbstbestellung vorhanden war. Im Winter 1822/ 1823 verstarb der Vater, als Traugott gerade einmal neun Jahre alt war. Er hinterließ seine Witwe allein mit vier kleinen Kindern und einer alten Mühle, die zudem noch mit Schulden belastet war. Ein Verkauf der Mühle nach dem Tod des Vaters wurde verworfen. Die Mutter von Gottlieb Traugott entschloss sich die Mühle selbst weiter zu betreiben, allerdings unter der notwendigen Einstellung eine Müllerknechts. Außerdem mussten nun die Kinder mit in die Arbeit eingebunden werden.

Im Müllerhaus selbst wohnte noch der alte Vorbesitzer der Mühle als sogenannter "Auszügler" mit in der Stube, die durch eine einfache Bretterwand vom Rest der Familie Bienert in zwei Teile getrennt wurde. Da das Geld sehr knapp war, kam die Mutter auf die Idee, Brot zu backen und dieses zu verkaufen. Dabei kam es sogar zum Rechtsstreit mit der Untermühle, wobei zuerst das örtliche Gericht ein salomonisches Urteil fällte und wenig später Johann Gottlob von Quandt (17871859), neuer Herr auf Eschdorf, beiden Mühlen das Recht zum Brotbacken für den jährlichen Zins von einem Taler erteilte. Die Kundschaft schätzte das neue Brot, so dass die Mühle verbessert werden konnte. Der Mühlgraben wurde tiefer ausgehoben, so dass die verfügbare Wasserkraft stieg.

[Bearbeiten] Jugendjahre

1837, als Bienert 24 Jahre alt war, gab die Familie Bienert die Lohnmüllerei auf. Der zweitälteste Sohn, der die Mühle eigentlich übernehmen sollte, wurde nach der Knechtschaft der Herrschaft zu Eschdorf krank und konnte die Mühle allein nicht betreiben. 1838 entschloss sich Bienert, der eigentlich Lehrer werden sollte, ebenfalls den Müllerberuf zu erlernen und übernahm zusammen mit seinem Bruder die Eschdorfer Obermühle.

Inzwischen hatte sich die Qualität des Bienertschen Brotes in verschiedenen Vororten von Dresden herumgesprochen. Die Kundschaft kam nun nicht mehr nur aus Eschdorf selbst, sondern auch aus Pillnitz, Loschwitz und der Umgebung des Schönfelder Hochlandes. Bienert wollte deshalb das Brot auch in Dresden verkaufen, wofür er jedoch eine Konzession benötigte. Die Herrschaft von Eschdorf stellte Traugott ein hervorragendes Zeugnis aus, so dass Bienert von der Stadt Dresden die Erlaubnis bekam, sein Brot auf dem Neustädter Markt als sogenannter Platzbäcker der Dresdner Kundschaft anzubieten.

Bienert kaufte sich ein Pferd und einen Wagen, stand an den Markttagen bereits nachts null Uhr auf, um mit den frischen Broten gegen zwei Uhr seine Reise in die Dresdner Neustadt anzutreten. Im Winter – vor allem bei Glatteis oder bei Schneeverwehungen - war der Hirschberg im Vorort Weißer Hirsch ein gefährliches Teilstück auf dem Weg zum Neustädter Markt. Dort stand dann ab sechs Uhr morgens Bienert, um sein Brot unter die Dresdner Kundschaft zu bringen.

[Bearbeiten] Leben in Dresden-Neustadt

1843 entschloss sich Bienert nach Dresden umzuziehen und dort eine Brotbäckerei zu errichten[3]. Dafür kaufte Bienert auf der damaligen äußeren Bautzner Straße, später Schillerstraße (heute Bautzner Straße) Nr. 721 in der Neustadt ein Baugrundstück von immerhin 100 Ellen Breite an dieser Straße, das sich bis zur Elbe erstreckte und unweit des Linckeschen Bades lag. Dort wurde ein Haus mit drei Stockwerken errichtet sowie Stallungen und Unterstände für die Pferdewagen. Ins Erdgeschoss des Hauses kamen die Backstube sowie der Verkaufsraum. In die zwei Obergeschosse kamen Wohnungen. Haus, Nebengebäude und Grundstück kosteten zusammen 26.000 Taler. Bienert hatte aus eigenen Ersparnissen 3.500 Taler zur Verfügung, auch durch den Verkauf der Mühle in Eschdorf. Dazu kamen 3.000 Taler aus der Mitgift seiner Ehefrau. Die Differenz von fast 20.000 Talern musste er sich für hohe Zinsen leihen. Um günstig weiterhin an Mehl zu kommen, pachtete Bienert eine kleine Mühle im Liebethaler Grund.

Gottlieb Traugott Bienert war mittlerweile Müller, Bäcker, Mehl- und Getreidehändler gleichzeitig, als die Brettmühle in Radeburg, nur drei Minuten vom dortigen Hauptmarkt entfernt zur Versteigerung kommen sollte. Würde er diese erwerben können, darin eine Bäckerei einrichten und soviel Getreide verarbeiten können, dass er auf den Radeburger Getreidemarkt Einfluss bekäme, würde dies sicher Einfluss auf die Dresdner Brottaxe haben. Zum Kauf der Mühle brauchte er wieder Geld, da die Schulden von seinem Haus in der Dresdner Neustadt noch nicht abgezahlt waren. Bienert schlug dem Bruder seiner Mutter vor, die Mühle gemeinsam zu kaufen. Dieser ging auf seinen Vorschlag nur unter der Bedingung ein, dass er jährlich 200 Taler wieder zurück bekäme. Bienert sagte sofort zu, brachte doch der Onkel einen Kapitalanteil von immerhin 8.000 Talern mit.

Die Hofmühle in Plauen, die spätere Bienertmühle
Das kurfürstliche Doppelwappen im Hof der Bienertmühle
Antrieb per Transmissionsriemen in der Bienertmühle
Die ehemalige Bienert-Villa
Freundlichkeit am Arbeitsplatz (Mühlenmuseum 4. Etage)

Die Brettmühle wurde ersteigert und sofort umgebaut: Die Mühlgänge wurden erneuert, im Hinterhaus wurde die Bäckerei eingerichtet. Gottlieb Traugott Bienert ordnete zwei Neuerungen an:

Bienert wurde der Hauptkäufer auf dem Radeburger Getreidemarkt und seine Aussage wurde maßgebend für den Getreidehandel in Radeburg, so dass die Bauern ihr Getreide nicht eher verkauften, bis der „Brettmüller“ – so wurde er in Radeburg genannt, seine Meinung geäußert hatte. Bienert konnte stabiler und meist günstiger als alle anderen Bäcker in Dresden sein Brot verkaufen, da das Radeburger Geschäft florierte, wo er fast schon eine Monopolstellung hatte. Schon nach wenigen Jahren konnte Bienert seinem Onkel neben dem vertraglich zugesicherten Zins von 200 Talern, einen zusätzlichen jährlichen Gewinn von 1.500 Talern auszahlen.

Allerdings war er nun an drei verschiedenen Stellen, die zudem noch weit auseinander lagen, gefordert: In der immer noch gepachteten Liebethaler Mühle, in seiner neuen Mühle und Brotbäckerei in Radeburg und in seiner Bäckerei und dem dazugehörigen Verkaufsladen in der Dresdner Neustadt. Durch seinen rastlosen Einsatz für sein Geschäft hatte er sich auch ein Magenleiden zugezogen, das sich selbst mit mehreren Kuren in Karlsbad nicht heilen ließ.

[Bearbeiten] Leben in Plauen

1851 bot der Pächter der königlich-sächsischen Hofmühle zu Plauen bei Dresden, der mit dem Betrieb der Mühle kein finanzielles Glück hatte, obwohl er Ökonom, jedoch kein Müller war, Bienert an, in seinen Pachtvertrag mit einzusteigen, den er mit dem sächsischen Staat abgeschlossen hatte. Es folgten langwierige Verhandlungen mit dem bisherigen Pächter sowie dem sächsischen Finanzministerium, an dessen Ende, am 1. Mai 1852 die Übernahme der Pacht durch Gottlieb Traugott Bienert und die Gründung seines eigenen Mühlgeschäftes stand. Im Gegenzug stieg er aus seinem Pachtvertrag der Liebethaler Mühle aus und verkaufte das gesamte Radeburger Geschäft.

Bienert gestaltete die heruntergekommene Plauener Mühle von Grund auf neu. Sein Ziel war es, die große Wasserkraft der Weißeritz im Plauenschen Grund zu nutzen. Er unternahm Reisen nach Prag, Wien und Pest (heute ein Stadtteil von Budapest), um die Herstellung des vorzüglichen böhmischen und österreichischen Mehls zu studieren. Danach reiste er weiter nach Belgien und Frankreich, um die Heizung der Backöfen mit Steinkohle sowie moderne Teigknetemaschinen zu begutachten. Jedoch wollte das sächsische Finanzministerium die Umbauten nicht finanzieren.

Bienert wurde selbst ab 1853 tätig, führte die österreichische Hochmüllerei ein, installierte einen Turbinenbetrieb und ein Thermometer in der Backstube, kaufte 1854 Teigknetemaschinen und erreichte so, dass sein Brot stets von gleicher Qualität war. Durch die 1855 erfolgte Umstellung von Holz- auf Steinkohlefeuerung und den dadurch viel höheren Heizwert konnte er die Kosten für die Brotherstellung wesentlich senken. Zugute kam ihm dabei, dass er mit seiner Mühle in Plauen direkt an der ebenfalls im gleichen Jahr eröffneten Albertsbahn lag, die Steinkohle aus Tharandt sowie später aus dem unweit gelegenen Hainicher Kohlenrevier beförderte. 1858 stellte Bienert seine Mühle auf Dampfbetrieb um. Weiterhin wurde der Flusslauf des Mühlgrabens der Weißeritz reguliert und erweitert sowie neue, größere Mühlenräder angeschafft.

In der Plauenschen Hofemühle wurde nicht nur Getreide zu Mehl gemahlen. Es gab auch eine kleine Ölmühle. Auch dafür ging er auf Studienreisen nach Schlesien und Berlin, weiter nach Hamburg, Wittenberge, Prag und Wien. Er ersetzte 1861 die alten Keilpressen durch hydraulische Pressen und konnte die Leistung seiner Ölmühle auf 300 Zentner täglich steigern, was einer prozentualen Steigerung um über 1000% entspricht. Er installierte Lüftungsanlagen und stellte seine Maschinen so auf, dass die Temperatur in den Hallen der Ölmühle nie über 24°C anstieg, während dagegen zum Beispiel in den damaligen Prager Ölmühlen die Arbeiter bei 40°C arbeiten mussten. Der sogenannte Ölkuchen - die Rückstände beim Pressen - erzielten wegen ihrer kräftigen Farbe und des sauberen Äußeren gute Vorzugspreise gegenüber anderen Ölmühlen. Die Raffinerie des Öls wurde von Bienert von täglich anfänglich 25 auf später 100 Zentner Öl verbessert.

Bienert investierte während seines Pachtvertrages 144.000 Taler in die alte Hofmühle – eine für damalige Verhältnisse unvorstellbar hohe Summe für einen Pächter. Die Neuerungen erregten großes Aufsehen in Dresden, so dass der sächsische König Johann der Hofemühle und Traugott Bienert einen Besuch abstattete. Bienert wurde königlich-sächsischer Hoflieferant und erhielt zu Ehren des 25-jährigen Bestehens seines Mühlbetriebes eine Medaille für hervorragende Verdienste.

Noch zu dieser Zeit hatte Bienert in seiner Privatwohnung nur drei beheizte Stuben sowie zwei Schlafzimmer, in denen neun Familienmitglieder wohnten, da er nun sieben Kinder hatte. Dazu kamen noch drei Bedienstete für die Wohnung, die dort ebenfalls mit wohnten.

Da Bienert nicht wusste, ob der Pachtvertrag seitens des Sächsischen Finanzministeriums verlängert werden würde, hatte er sich 1868 nahe dem Zentrum von Dresden, am Weißeritzgraben nach einer Alternative umgesehen und die dortige Kunadmühle aufgekauft. Diese Mühle stand auf einem so großen Grundstück, dass er dort jede Möglichkeit hatte, seinen zukünftigen Betrieb zu erweitern.

Nach Jahren des unermüdlichen Schaffens in der Hofmühle und nach Ablauf des 20-jährigen Pachtvertrages konnte Bienert jedoch auch seine geliebte Mühle in Plauen vom sächsischen Staat abkaufen. Der Vertrag wurde am 6. Mai 1872 unterzeichnet. Der Kaufpreis betrug in etwa nochmals die Summe, die Bienert bereits zur Modernisierung aufgewendet hatte. Für 150.000 Taler ging die „Bienertmühle“, wie sie mittlerweile genannt wurde, in seinen Besitz über.

Nach dem Erwerb der ehemaligen Hofemühle baute Bienert für seine Arbeiter und Angestellten Häuser mit Wohn- und Schlafräumen. Er baute eine 1874 Gasanstalt für die Mühle sowie für das Dorf Plauen auf seinem Gelände und verbesserte 1875 die Wasser- und Abwasserversorgung. Doch nicht nur seine Mühle erhielt Anschluss an Gas und Wasser, sondern auch das damalige noch nicht zu Dresden gehörende Dorf Plauen. Das wiederum bewirkte einen Anstieg der Grund- und Bodenpreise, gleichzeitig auch des Wertes der Mühle. In Plauen begann nun aufgrund der guten wirtschaftlichen, infrastrukturellen und sozialen Bedingungen eine rege Bautätigkeit. Plauen wurde zu einem begehrten Vorort und zu einer angesehenen Wohngegend von Dresden. Unterstützt wurde das auch durch den Bahnhof, den Plauen bereits seit 1858 besaß, der damals genau in Höhe der Felsenkellerbrauerei lag und erst Anfang des 20. Jahrhunderts weiter stadteinwärts in Höhe der Bienertmühle verlegt wurde. Später kam sogar ein Straßenbahnanschluss hinzu, nachdem die Bienertmühle über die Dresdner Straßenbahn mit beliefert wurde und Waren mit einer Güterbahn wieder abtransportiert wurden. 1878 führte Bienert die Walzenmüllerei in der ehemaligen Hofmühle ein.

In der Mühle selbst wurden in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts jeden Tag 7.000 Brote gebacken und nach Dresden bzw. in das nahe Umland geliefert. Der Betrieb beschäftigte zu dieser Zeit etwa 240 Arbeiter und Angestellte. Etwa zwei Drittel von ihnen, nämlich 160 Personen bekamen täglich Essen in der Mühle. 1881 gründete Bienert zudem eine Invaliden- und Rentenkasse für seine Arbeiter mit einem Startkapital von 150.000 Mark. Außerdem schloss er für seine Arbeiter und Angestellten eine Kranken- und Unfallversicherung ab und rief eine Schwangerschafts- und Krankenkassenstiftung ins Leben.

[Bearbeiten] Lebensabend

KiTa Plauener Kobolde - ehemalige Kinderbewahranstalt der Heger-Bienert-Stiftung

Aufgrund seiner Verdienste wurde Gottlieb Traugott Bienert 1882 durch den sächsischen König Johann der Titel eines Kommerzienrates verliehen. Im gleichen Jahr nahm er seine beiden Söhne als Teilhaber in das väterliche Geschäft mit auf und zog mit dem Rest seiner Familie wieder von Plauen in die Dresdner Neustadt in sein Haus in der Rähnitzgasse 26 um,[4] kümmerte sich aber weiter um soziale Belange. 1883 wurde die Kinderbewahranstalt "Heger-Bienert-Stiftung" gegründet, der Vorläufer der heutigen Kindergärten, gestiftet Bienert und von Amalie Wilhelmine Heger. Im Gebäude der ehemaligen Kinderbewahranstalt auf der Nöthnitzer Straße 4 ist heute die Kindertagesstätte "Plauener Kobolde" untergebracht.

Gesundheitlich war Bienert aufgrund seiner rastlosen Tätigkeit zu dieser Zeit bereits angegriffen. Er hatte nicht nur die Mühlbetriebe in Plauen und am Weißeritzgraben als Inhaber geführt, er war auch stets in der Gemeindeverwaltung in Plauen mit tätig und leitete mehrere Jahre sogar ein Hotel für fünf unmündige Kinder, für die er als Vormund eingesetzt war. Dabei erzielte er insgesamt einen Reingewinn von sieben Prozent. Gottlieb Traugott Bienert gehörte außerdem zu den Initiatoren der Felsenkellerbrauerei.

Grabmal auf dem Plauener Friedhof von Robert Henze

1893 konnte Bienert nicht nur seinen 80. Geburtstag, sondern auch mit seiner Frau im Kreis seiner Familie die Goldene Hochzeit feiern. Ein Jahr später, am 22. Oktober 1894 starb er. Sein Grab befindet sich auf dem Inneren Plauenschen Friedhof. Das Porträtrelief schuf Robert Henze. Nach seinem Tod führten die Söhne Theodor und Erwin die Bienertmühle in Plauen weiter und ließen u.a. 1913 die Hafenmühle am Alberthafen errichten. Die Bienertstraße in Dresden-Plauen wurde nach seinem Tod zu Ehren von Traugott Bienert benannt. Die 55. Mittelschule in Dresden trägt seit der Beschlussfassung des Ortsbeirates Plauen am 1. Dezember 2009 ebenfalls seinen Namen.[5]

[Bearbeiten] Vermächtnis

Festakt zum 200. Geburtstag
Denkmal für Traugott Bienert an der Nöthnitzer Straße

Selbst nach seinem Tod hatte Bienert für weitere soziale Leistungen gesorgt. Da er immer seine eigene arme Kindheit vor Augen hatte, verfügte er in seinem bereits 1886 verfassten Testament, dass eine Million Mark aus seinem Privatvermögen in die später sogenannte Bienert-Stiftung für soziale und kommunale Projekte zu zahlen seien. Die Zinsen dieser Stiftung sollten zu 50 Prozent Vereinen zukommen, die für wohltätige Zwecke tätig waren. Die andere Hälfte sollte armen Dresdner Waisen zukommen, die zu deren Konfirmation jeweils ein Sparbuch mit einer Einlage von 500 Mark bekamen. Mit dem Sparbuch erhielten die Kinder gleichzeitig ein Buch mit der Lebensgeschichte von Bienert, von Gottlieb Traugott selbst entworfen und verfasst.

In der Sammlung Theodor Bienert wurden Werke der sächsischen und böhmischen Topographie vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts vereint. Einige davon sind im Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aufbewahrt[6].

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. In vielen Publikationen wird der Name seiner Frau und des Schwiegervaters mit Leuthold(t) angegeben. Die hier verwendete Namensform orientiert sich an dem in der Datenbank des Sächsischen Landtags verwendeten Familiennamen von Johann Gottlob Leitholdt
  2. Veit Harlan in der Neuen Deutschen Biographie
  3. erstmalig im Adressbuch von 1845 als Platzbäcker und Hausbesitzer aufgeführt
  4. Adreß- und Geschäftshandbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden für das Jahr 1868, Seite 21 auf genealogy,net
  5. 55. Mittelschule umbenannt nach Gottlieb Traugott Bienert auf info.fdpdresden.de
  6. Werke von Schneider, Otto (1858-?)

[Bearbeiten] Weblinks

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