Gerhard Walter

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Gerhard Walter am Reißbrett

Gerhard Walter (* 4. Juli 1927; † 18. Juni 2009 in Dresden-Klotzsche)[1] war ein deutscher Flugmotorentechniker, Ingenieur, Modellbaumeister, Unternehmer, Gründer und Inhaber der ehemaligen Firma "technomodell".

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Gerhard Walter absolvierte nach der Schule eine Lehre als Flugmotorentechniker und wurde später auch Ingenieur für Kraftfahrzeugtechnik. Aber bereits seit Ende der 1940er Jahre galt sein Interesse den sächsischen Schmalspurbahnen. Folgerichtig arbeitete er u.a. für die damalige Modellbahnfirma "Herr" und entwickelte dort Modelle der Sächsischen Lokomotive VI K, des Einheits-Personen- und Gepäckwagens, der Güterwagen GGw und OO sowie des Rollwagens. Da es in der DDR zu dieser Zeit allerdings noch keine Modelleisenbahnen mit 9-mm-Gleis gab, wurden die Fahrzeuge für TT-Gleise mit zwölf Millimeter Breite entwickelt, ein für Walter unbefriedigender Kompromiss.

1958 legte Walter vor der Dresdner Handwerkskammer seine Prüfung als Modellbaumeister ab. Danach entwickelte er für den damaligen VEB Spezialprägewerke in Annaberg-Buchholz zahlreiche Modelle von Kraftfahrzeugen, u.a. der Tatra-Zugmaschine mit einem Schwerlastanhänger der Bauart Culemeyer, von Traktoren der Bauart "Nordhausen" der Serie ZT 300 sowie einige Agrarflugzeuge. Einige Modelle sind auch auf der Modellbahnanlage der Nenngröße 0 im Verkehrsmuseum Dresden zu sehen.[2] Für die ehemalige Firma Haufe in Kamenz entstanden Modelle des Ackerschleppers "Famulus", des Wartburgs 311 und des Trabants 601.

Als die Produktion von Schmalspurmodellen bei der Firma "Herr" eingestellt wurde, gründete Walter am 1. September 1966 seinen eigenen Handwerksbetrieb für Modellbau, die Firma "technomodell". Anfangs fertigte er weiter Demonstrations- und Projektierungsmodelle von Maschinen und Anlagen der Industrie, oft im Maßstab 1:50. In Zusammenarbeit mit dem Dresdner Verkehrsmuseum unter der Leitung von Professorin Elfriede Rehbein entstand für den internationalen MOROP-Kongress 1971 in Dresden das erste zweiachsige Modell eines Schmalspur-Personenwagens in der Spurgröße H0e. Aufgrund des nationalen und internationalen Zuspruches begann Walter eine ganze Serie von Modellbahnwagen zu entwickeln und letztlich auch das bekannte, vorbildgetreue "technomodell"-Gleis von neun Millimetern.

Im September 1979, zum 100. Geburtstag der Schmalspurbahn Radebeul-Ost - Radeburg hatte Gerhard Walter ein neues Erzeugnis seiner Firma der Öffentlichkeit vorgestellt: die erste in der DDR kleinserienmäßig gefertigte Gartenbahn in der Nenngröße IIe mit der sächsischen Schmalspur-Lokomotive I K und entsprechenden zweiachsigen Wagen. Die Modelle entstanden in Gießharztechnik in der eigenen Werkstatt in Dresden-Klotzsche in der Kieler Straße 1.[3]

Zum 20. Firmenjubiläum 1986 äußerte sich Gerhard Walter in einem Interview mit der Zeitschrift "Modelleisenbahner" zuversichtlich, das Modell der sächsischen Schmalspur-Lokomotive I K zu seinen bereits vorhandenen Personen-, Gepäck-, Post- und Güterwagen zu liefern. Die große Nachfrage im In- und Ausland und die begrenzte Fertigungskapazität mit nur drei möglichen Mitarbeitern führten bei "technomodell" zu DDR-Zeiten zu einem Bestellsystem mit sehr langen Wartezeiten mit hohen Preisen.

Ende der 1980er Jahre begann Walter, für Schmalspur-Modellbauer einzelne Bauteile wie Drehgestelle, Kupplungen und Weichenbausätze zu vertreiben. Außerdem gelang es ihm, aus der alten "Herr"-Produktion die ehemaligen Modellbauformen zu erwerben, die Modelle zu überarbeiten und wieder aufleben zu lassen. Nach der deutschen Wiedervereinigung konnte sich Gerhard Walter als Unternehmer mit seiner Firma "technomodell" in der Marktwirtschaft behaupten und sogar sein Sortiment aufgrund der deutlich günstigeren Möglichkeiten ausbauen. So entwickelte er die Modelle der sächsischen Lok IV K in den Nenngrößen H0e und IIe, die nun auch serienmäßig erscheinen konnten. Im Laufe der Zeit waren fast alle sächsischen Wagengattungen im Maßstab 1:87 in größeren Stückzahlen bei "technomodell" erhältlich.

Gerhard Walter war Mitglied der Traditionsbahn Radebeul, der Arbeitsgemeinschaft Schmalspurbahn Regionalgruppe Sachsen und des Vereins Historische Feldbahn Dresden.[4] Nach dem Tod von Gerhard Walter übernahm am 1. Juli 2009 die Firma Profi Modell Thyrow ("pmt") die Marke "technomodell".[5] Gerhard Walter wohnte in der Prof.-von-Finck-Straße 1 in Klotzsche. Die Beisetzung fand auf dem neuen Friedhof in Klotzsche statt. Er war mit Barbara Walter verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Traueranzeige SZ 2009
  2. 1:45 Modelle im Verkehrsmuseum Dresden im DDR-Modellbau-Forum
  3. Datensatz im Branchenbuch Deutschland
  4. Danksagung auf sz-trauer.de, Juli 2009
  5. Übernahmeerklärung von pmt auf der ehemaligen Homepage von technomodell

[Bearbeiten] Weblinks

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