Franz Volkmar Reinhard

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Franz Volkmar Reinhard
Reinhard in seiner Studierstube

Franz Volkmar Reinhard (* 12. März 1753 in Vohenstrauß in der Oberpfalz; † 6. September 1812 in Dresden) war ein protestantischer Theologieprofessor und berühmter Kanzelredner.

Der Sohn eines Oberpfälzer Predigers aus der Nähe von Sulzbach erhielt zuhause eine sorgfältige Ausbildung. Sein Vater war in den alten Sprachen gebildet und so begeisterte er seinen Sohn für das Altertum und führte ihn in die antiken Sprachen und Literaturen ein, namentlich in den Cicero und Virgil. Der Sohn zeigte schon in seinen jungen Jahren großes Interesse an der Dichtkunst. Noch vor seinem 15. Geburtstag, kurz nachdem Reinhard auf das Regensburger Gymnasium gewechselt war, verstarb der Vater, wenig später die Mutter. Die insgesamt vier Geschwister waren finanziell so schlecht gestellt, dass Reinhard nur dank einer Freistelle auf dem Gymnasium verbleiben konnte.

1773 bezog Reinhard die Universität Wittenberg, um Pfarrer zu werden. Seine dortigen Lehrer überzeugten ihn, nach dem Studium an der Universität zu bleiben. Reinhard wurde 1777 Privatdozent und 1780 außerordentlicher Professor der Philosophie, 1782 ordentlicher Professor der Theologie und 1784 Probst an der Wittenberger Schloss- und Universitätskirche sowie Konsistorialassessor. Er hatte zunächst Zweifel, ob er den körperlichen Belastungen des Predigens gewachsen sein würde. Als Probst gehörten Predigten an allen Sonn- und Feiertagen zu seinen Pflichten. Sie richteten sich vornehmlich an die junge Studentenschaft. Bald zeigte sich Reinhards außerordentliches Talent auf diesem Gebiet. Gleichzeitig hielt er als akademischer Lehrer über fast alle Zweige der Theologie Vorlesungen. Zudem widmete er sich der Philologie und Philosophie. Reinhard verfasste in seiner Zeit in Wittenberg bedeutende theologische und philosophische Schriften.

Reinhard kam 1792 nach Dresden, wo er als Oberhofprediger, Kirchenrat und Oberkonsistorialassessor wirkte. Er galt als ausgezeichneter Prediger, vorzüglich durch logische Form und mündlichen Vortrag, und hat die Theorie und Praxis der deutschen Kanzelberedsamkeit auf lange Zeit hinaus bestimmt. Nach seinen philosophischen Sichten ist er anfangs den Wolffianern, dann den Kantianer, später den Skeptikern und schließlich den Supernaturalisten zuzuordnen. Reinhard erwarb sich als Mitglied des Kirchenrats große Verdienste um die beiden sächsischen Universitäten, deren Oberaufsicht er führte, die drei Fürstenschulen, die beiden Schullehrerseminare und die Volksschulen. In Dresden führte er 1797 neue Gesangbücher ein und 1803 gehörte er zu den aktivsten Mitstiftern des sozialen Unterstützungsvereins zu Rath und That. 1809 lehnte er einen Ruf nach Preußen als Staatsrat und Mitglied der höchsten geistlichen Behörde ab.

Reinhard war zweimal verheiratet, das eine Mal mit der reichen Witwe seines früheren Lehrers Professor Schmid in Wittenberg, das andere Mal mit Ernestine von Charpentier, der dritten Tochter des Mineralogen von Charpentier in Freiberg, die ihn überlebte. Beide Ehen blieben kinderlos.

Frühere Entbehrungen und ein unglücklicher Beinbruch im Jahre 1803 hatten an seiner Gesundheit gezehrt. Reinhard erholte sich seitdem nie ganz wieder und starb 1812 mit 59 Jahren. Er wurde zunächst auf dem Johanniskirchhof beigesetzt und später auf den Eliasfriedhof umgebettet. Carl August Böttiger würdigte sein Wirken 1813 mit einer Biografie beim Verlag Arnoldische Buchhandlung, eine umfangreiche Arbeit erschien bei Pölitz in Leipzig. Die Reinhard-Stiftung in Dresden schrieb jährlich Preisaufgaben zur Predigtlehre aus. Im Juli 1840 wurde Reinhard an seinem Geburtsort Vohenstrauß mit einem Denkmal geehrt. Die Reinhardstraße war nach ihm benannt.

[Bearbeiten] Werke

Reinhard schrieb: »Versuch über den Plan, welchen der Stifter der Christlichen Religion zum Besten der Menschen entwarf« (Wittenb. 1781, n. Aufl., Wittenb. 1798); »Über das Wunderbare u. die Verwunderung« (Wittenb. 1782); »System der christlichen Moral« (Wittenb. 1788 f., 2 Bde., 5. Aufl., Wittenb. 1815, 4 Teile); »Geständnisse, meine Predigten u. meine Bildung zum Prediger betreffend« (Sulzb. 1810, 2. Aufl. 1811); »Vom Geist des Christenthums in Hinsicht auf Beruhigung im Leiden« (Lpz. 1792); »Beiträge zur Schärfung des sittlichen Gefühls u. der Aufmerksamkeit auf den Zustand des Herzens« (Lpz. 1799, n. Aufl., Lpz. 1813); »Über den Kleinigkeitsgeist in der Sittenlehre« (Meiß. 1801, n. Aufl., Meiß. 1817)

Seine Vorlesungen und Predigten wurden mehrfach in umfangreichen Sammelwerken gedruckt: »Vorlesungen über die Dogmatik« (hrsg. von Berger, 4. Aufl. hrsg. von Schott, Sulzb. 1818); »Opuscula academ.« (hrsg. von Pölitz, Lpz. 1808–1809, 2 Teile); »Predigten« (Sulz. 1793–1813, 35 Bde.); »Predigten über die sonn- u. festtäglichen Evangelien etc. aus den hinterlassenen Papieren« (hrsg. von Hacker, Sulz. 1815, 4 Bde.); »Sämmtliche zum Theil noch ungedruckte Reformationspredigten« (hrsg. von L. Berthold, Sulz. 1823–25, 3 Bde.); »Predigten« (Supplementband von Kenzeimann, Meiß. 1825, u. ein zweiter von Haas, Lpz. 1833)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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