Ferdinand Levin von Lindemann

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Ferdinand Levin von Lindemann als junger Offizier
Wappen der Adelsfamilie von Lindeman nach der Erneuerung des Adelstitels 1784

Ferdinand Levin von Lindemann, geboren als Ferdinand Levin Lindemann, auch von Lindeman (* 17. Februar 1765 in Freyburg/ Unstrut; † 27. April 1842 in Leipzig)[1] war ein kurfürstlich-sächsischer, später königlich-sächsischer und zuletzt königlich-preußischer Offizier, zuletzt im Rang eines Majors. In seinen letzten Jahren betätigte er sich auch als Schriftsteller.

[Bearbeiten] Familie

Ferdinand Levin von Lindemann entstammte der Adelsfamilie von Lindeman(n). Diese Familie wurde durch Kurfürst August bereits 1563 mit dem kursächsischen Hofrat, Vizekanzler und Wirklichen Geheimen Rat Laurentius Lindemann (15201585) in den erblichen Adelsstand erhoben. Der Adelstitel wurde nur von wenigen Familienmitgliedern genutzt, die meisten nannten sich weiter nur Lindemann.

Erst 1783 wurde der Adelsstand erneuert. Am 31. Juli 1790, während des sächsischen Reichsvikariats, erhielt die Familie die Standeserhebung in den erblichen Freiherrenstand mit dem Privileg der Nichtbenutzung.[2] Lindemanns Großeltern väterlicherseits waren Levin Lindemann (16651729),[3][4] königlich-polnischer und kursächsischer Offizier, zuletzt im Rang eines Majors, später Geheimer Kabinettssekretär und dessen Ehefrau Sophia Maria geb. Abel (* ca. 1668), Tochter des Komponisten und Musikers Clamor Heinrich Abel (16341696).

Ferdinand Levin von Lindemann war der älteste Sohn des kursächsischen Hofrats zu Freyburg an der Unstrut, Levin August von Lindemann (* 29. Oktober 1722 in Dresden; † 30. Januar 1803 in Freyburg/ Unstrut) und dessen Ehefrau Rosine Sophie geb. Hahn, Tochter des Oberkämmerers zu Freyburg, fürstlich-sächsischen Gebietseinnehmers und Kaufmanns Caspar Heinrich Hahn (16971750) und dessen Ehefrau Eva Elisabeth geb. Zeitschel (17021744)[5]. Sein Vater wohnte spätestens seit 1765 in der Stadt, wahrscheinlich sogar auf der Neuenburg, die ab ca. 1770 für staatliche Verwaltungsaufgaben als kurfürstliches Amt genutzt wurde. Er bekleidete ab etwa 1779 das Amt als Hauptsalz-Lizenteinnehmer des kursächsischen Thüringischen Kreises, zu dem auch das Amt Freyburg zählte, im Rang eines Kommissionsrats,[6] dem in Freyburg noch sechs weitere Beisalzlizenteinnehmer unterstellt waren.[7] Gleichzeitig war sein Vater, der am 11. Juli 1784 eine Adelserneuerung erhielt,[8] auch Aufseher über die Salinen im kursächsischen Thüringischen Kreis. Von Lindemann hatte noch einen Bruder:

Christina Augusta von Lindemann geb. Marché, die Ehefrau von Ferdinand Levin von Lindemann

Ferdinand Levin von Lindemann heiratete am 29. Mai 1796 in Merseburg Christina Augusta geb. Marché (* 12. Januar 1778 in Merseburg), älteste Tochter des Merseburger Ratsassessors, späteren Ratskämmerers und Domapothekers, Carl Christian Marché (17591808) auf Möckern und dessen Ehefrau Johanna Friederike Elisabeth geb. Hartmann (17551796). Der Jurist und Ratsherr August Christian Marché (17091747) war der Großvater, der kursächsische Amtmann zu Stolpen, Karl Christian Marché (16631710) der Urgroßvater seiner Ehefrau. Auch der kursächsische Hofapother und Dresdner Ratsherr Georg Marché (16031653) war ein Vorfahre seiner Ehefrau. Ferdinand Levin und Christina Augusta von Lindemann hatten sechs Kinder:

Buch "Meine Gefangenschaft in Russland..." von Ferdinand Levin von Lindemann
Danksagung von Lindemann an sein erzgebirgisches Landwehrbataillon während der Napoleonischen Kriege in der Leipziger Zeitung
Danksagung von Lindemann an die Einwohner der Stadt Reichenbach/ Vogtland 1814 in der Leipziger Zeitung

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Lindemann besuchte ab dem 29. Oktober 1777 die Landes- und Fürstenschule im damals noch sächsischen Schulpforta bei Naumburg, wo er bis zum 15. Juni 1783 seine höhere Schulbildung erhielt.[15] Er schlug nach seinem Schulbesuch wie mehrere andere Familienmitglieder eine militärische Karriere ein. Spätestens ab 1796 diente von Lindemann im ersten Leutnantsdienstgrad als Sous-Lieutenant im 8. königlich-sächsischen Infanterie-Regiment "Prinz Xaver" in Merseburg. In diesem Dienstrang diente er auch noch bei der Geburt seines zweiten Sohnes im Jahr 1801.

1806, bei der Geburt seines vierten Sohnes erscheint von Lindemann im Merseburger Kirchenbuch bereits als Premier-Lieutenant im gleichen Regiment, das noch im selben Jahr aufgelöst wurde. 1807 ist von Lindemann dann als Premier-Lieutenant in der Merseburger Kompanie unter Führung des Hauptmanns von Einsiedel verzeichnet. Die Kompanie gehörte zum neu formierten königlich-sächsischen Infanterieregiment unter der Führung des 1804 ernannten Generalmajors Johann Adolph von Oebschelwitz, zugleich Generalinspektor der Infanterie. Das Regiment war in den Garnisonen Merseburg, Naumburg und Laucha an der Unstrut stationiert und gehörte zur 5. königlich-sächsischen Division.

Seit spätestens 1811 diente von Lindemann im Rang eines Hauptmanns im 2. Leichten Infanterie-Regiment von Oebschelwitz. Mit diesem Regiment nahm 1812 von Lindemann am Russlandfeldzug mit der französischen Armee unter Führung von Napoleon Bonaparte, an dessen Seite die sächsische Armme kämpfte, teil. In diesem Feldzug geriet er für ungefähr eineinhalb Jahre in russische Gefangenschaft.

Im November 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, in der die sächsische Armee von der französischen Seite zu den Alliierten überlief, wurde von Lindemann zuerst in Wartegeld gesetzt. Wenig später übernahm er 1814 als Kommandeur das 2. vogtländisch-erzgebirgische Landwehrbataillon, dessen Stab im vogtländischen Reichenbach untergebracht war. Er bedankte sich in zwei Zeitungsartikeln bei seinem Offiziers- und Unteroffizierskorps, den Soldaten und bei den Einwohnern der Stadt Reichenbach am 16. August 1814.[16]

Nach dem Wiener Kongress wurde von Lindemann noch am 20. Mai 1815 zum Major befördert und ungefähr einen Monat später, als Sachsen u.a. den ehemaligen Stift Merseburg an das Königreich Preußen abtreten musste, vom sächsischen König Friedrich August der Gerechte am 25. Juni 1815 als Bataillonskommandeur der Landwehr aus sächsischen Diensten entlassen.

Von Lindemann trat danach in die preußische Armee ein und wurde dort als Major im 1. Thüringischen (königlich-preußischen) Infanterie-Regiment Nr. 31 aggregiert. Er diente in diesem Truppenteil u.a. in Weißenfels, Arnstadt und Erfurt. Im April 1820, im 56. Lebensjahr wurde er unter Fortzahlung einer Pension in den Ruhestand verabschiedet. Danach lebte er bis mindestens 1824, mehrere Jahre in Erfurt, später in Zeitz.

Nach seinem Militärdienst betätigte sich von Lindemann auch als Schriftsteller. Er veröffentlichte mehrere Nachrufe und Lebensläufe über Personen im Nekrolog der Deutschen, so 1826:

Weiter im Nekrolog der Deutschen von 1829:

Weiter im Nekrolog der Deutschen von 1830:

Anfang der 1830er Jahre schrieb von Lindemann ein Buch (94 Seiten) über seine Gefangenschaft in Russland in den Kriegsjahren 1812 und 1813. Das Buch erschien in erster Auflage 1833 in Ronneburg und kostete 12 Groschen.[18] Die zweite Auflage, die 1835 in Gera erschien, kostete 9 Groschen.[19] Von Lindemann starb am 27. April 1842 in Leipzig an Altersschwäche.

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Neuer Nekrolog der Deutschen 1842, 2. Teil, Weimar 1844, Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, S. 1077
  2. Zeitung für den deutschen Adel, Band 3, Nordhausen und Leipzig 1842, 3. Jahrgang, 1. Semester, Digitalisat auf Google Books, S. 153f.
  3. Datensatz auf Gedbas, inkl. weiterer Vorfahren der Familie Lindemann
  4. Datensatz auf Geneanet, inkl. weiterer Vorfahren der Familie Lindemann
  5. Datensatz zur Schwester Friedericke Erdmuthe Hahn auf www.heidermanns.net und auf MyHeritage.
  6. Erstmals als solcher im: Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender auf das Jahr 1780, Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, S. 113
  7. Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände..., Leipzig 1791, Digitalisat auf Google Books, S. 364
  8. Johann Siebmacher: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch..., Band 3, Teil 2, Digitalisat auf Google Books, S. 239
  9. Neuer Nekrolog der Deutschen 1834, Digitalisat auf Google Books, S. 960
  10. Datensatz auf MyHeritage
  11. Starb nicht wie im Pfarrerbuch angegeben schon 1849, sondern legte da nur sein Amt als Pfarrer nieder. Später Buchhalter und ab 1854 Salzschreiber in Leipzig, Quelle
  12. Datensatz auf pfarrerbuch.de
  13. Wilhelm Haan: Kirchlich-statistisches Handbuch für das Königreich Sachsen, Dresden 1845, Digitalisat auf Google Books, S. 306
  14. Letztmalig im Adressbuch Leipzig 1858, S. 123, SLUB
  15. C.F.H. Bittcher: Pförtner Album, Verzeichnis sämtlicher Lehrer und Schüler der Königl. Preuß. Landesschule Pforta, 1543-1843], Leipzig 1843, Digitalisat im Internet Archiv auf archive.org, S. 391/392
  16. Leipziger Zeitung 1814, Digitalisat auf Google Books, S. 2368
  17. Neuer Nekrolog der Deutschen ..., Band 4, 2. Teil, Ilmenau 1828, Digitalisat auf Google Books, S. 914f., 917ff., S. 968ff., S. 1005ff., S. 1028ff.,
  18. Bibliographie von Deutschland oder wöchentliches Verzeichnis aller in Deutschland herausgekommenden neuen Bücher und Kunstsachen,... Band 8, Leipzig 1833, Digitalisat auf Google Books, S. 167
  19. E.G. Gersdorf: Repertorium der gesammten deutschen Literatur, Leipzig 1835, Digitalisat auf Google Books, S. 211
  20. Allgemeines Verzeichnis derer Bücher, welche in der Frankfurter und Leipziger Ostermesse des 1831. Jahres, Digitalisat auf Google Books, S. 227

[Bearbeiten] Weblinks

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