Deutsche Werkstätten Hellerau

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Innenhof der Deutschen Werkstätten Hellerau
originaler Schriftzug am Eingang

Die Deutschen Werkstätten Hellerau gehörten im frühen 20. Jahrhundert zu den Wegbereitern einer am Gebrauchswert der Dinge orientierten Handwerkskunst. Mit dem Wachstum der Firma ging man zwar zur industriellen Produktion über, vom Einzelmöbel bis hin zu ganzen Haus- oder Schiffseinrichtungen, und dies als erste Firma der Branche in Deutschland. Der Anspruch an die Einheit von Ästhetik und Nutzwert blieb aber bestehen und gilt noch heute.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Gründung

Karl Schmidt
Inserat im Kunstwart, 1908
Gebäudekomplex von Richard Riemerschmid, 1911
Entwurf eines Holzhauses von Hans Poelzig, 1921
Neubau

Karl Schmidt gründete das Unternehmen 1898 unter dem Namen „Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst Schmidt und Engelbrecht“. Sie stellten Möbel und kunstgewerbliche Erzeugnisse her. Die Firma war zunächst in Laubegast ansässig, ab 1899 in Striesen (Bärensteiner Straße 5) und von 1902 bis 1910 auf der Blasewitzer Straße 17 in Johannstadt. 1905 erfolgte eine Umbenennung in „Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst“. Nach der Fusion mit einem Münchner Unternehmen nannte man sich „Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst GmbH, Dresden und München“. 1907 gehörten die Deutschen Werkstätten zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Werkbundes. Karl Schmidt arbeitete mit bedeutenden Künstlern seiner Zeit zusammen, beispielsweise Johann Vincenz Cissarz, Josef Goller, Margarete Junge und Wilhelm Kreis.

[Bearbeiten] Die Gartenstadt Hellerau

Schmidt suchte um 1906 für seine Fabrik, für die es in Dresden zu klein geworden war, ein neues, erweiterungsfähiges Gelände. Dem Gartenstadtgedanken folgend, den er auf seiner Wanderschaft in England kennengelernt hatte, verband er soziale Aspekte mit der ökonomischen Betrachtung, dass Menschen, die in gesunder Luft und angenehmen Lebensverhältnissen sowie nahe ihrer Arbeitsstelle wohnen, qualitativ bessere Arbeit würden leisten können. 1908 wurden die „Gartenstadt-Gesellschaft-Hellerau m.b.H.“ und die „Baugenossenschaft Hellerau G.m.b.H.“ gegründet. Das Gartenstadt-Unternehmen wurde anfangs allein von den Deutschen Werkstätten getragen und war vorrangig für den Bau und die Vermietung der neu zu errichtenden Villen für die Arbeiter und Angestellten zuständig. Mit dem Bau des Fabrikgebäudes beauftragte Schmidt den Architekten Richard Riemerschmid, der sich für die Form einer Schraubzwinge entschied, die eine sehr gute Aufteilung der verschiedenen Betriebsteile bei optimalen Lichtverhältnissen ermöglichte. 1911 richtete hier Émile Jaques-Dalcroze provisorisch seine Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus ein.

[Bearbeiten] Einführung der industriellen Produktion

1921 begannen die Deutschen Werkstätten mit dem Bau von Holzhäusern.[1] In den 1920er und 1930er Jahren stellte die Firma preiswerte Typenmöbel und Anbaumöbel her. Als Designer machte sich Bruno Paul einen Namen. Auf der 4. Jahresschau Deutscher Arbeit wurde das „Plattenhaus H 1018“ aus 100 vorgefertigten Elementen vorgestellt.[2]

[Bearbeiten] Zur DDR-Zeit

Wegen ihrer Beteiligung an der Kriegswirtschaft wurde die Firma nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert und 1946 enteignet. Mart Stam plante zeitweise, die Kunstakademie hierher zu verlegen, um sie in der Tradition des „Bauhauses“ zu reorganisieren. In der DDR-Zeit firmierte das Unternehmen als VEB Deutsche Werkstätten Hellerau und produzierte in industrieller Großfertigung Möbel und Holzverkleidungen zur Inneneinrichtung von Hotels, Hochschulen und Theater. Man beteiligte sich aber auch an historischen Rekonstruktionen, so beim Lingnerschloss. 1968 wurde im Rahmen der Konsumgüterproduktion das „Möbelprogramm Deutsche Werkstätten“ (MDW) gestartet, das aus einem Modulsystem mit senkrechten Seitenwänden, Korpussen und Regalen bestand. 1970 wurde das „VEB Möbelkombinat Hellerau“ gegründet. Im Jahr 1990 hatten die Werkstätten Hellerau 625 Beschäftigte[3].

[Bearbeiten] Neuanfang 1992

1992 wurden die Deutschen Werkstätten reprivatisiert. Im Jahre 2000 war die Sanierung der historischen Bausubstanz abgeschlossen. Seit 2006 ist das Unternehmen in einem modernen Neubau ansässig, genau gegenüber vom historischen Firmengebäude. Dort befindet sich heute ein mietbarer Unternehmens- und Kulturstandort, das GebäudeEnsemble Deutsche Werkstätten Hellerau.

Gegenwärtig arbeiten etwa 200 Menschen für das Unternehmen in Hellerau. Hinzu kommen etwa 30 Mitarbeiter in Niederlassungen und Repräsentanzen in Russland, England, Frankreich und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es werden aber keine Möbelserien mehr hergestellt, sondern den Kunden wird individuell zugeschnittene, hochwertige Innenarchitektur angeboten. Dabei arbeitet man auch heute wieder mit hervorragenden Künstlern zusammen.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

Johann Vincenz Cissarz | Josef Goller | Margarete Junge | Charlotte Krause | Wilhelm Kreis | Bruno Paul | Hans Poelzig | Richard Riemerschmid | Kurt Schlosser | Karl Schmidt | Johannes Ziller

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Erich Haenel: "Das Holzhaus der Deutschen Werkstätten". In: Die Kunst: Monatsheft für freie und angewandte Kunst, 1921, Bd. 24, München F. Bruckmann, S. "201-207
  2. Igeltours Dresden: Dresden: neue Rundgänge durch die Geschichte, Sutton Verlag GmbH, 2011
  3. Offizielles Firmenverzeichnis der Treuhandanstalt, Hoppenstedt 1991, S. 136

[Bearbeiten] Weblinks

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