Bautzen

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Bautzen
Stadtwappen
Blick zum Dom St. Petri
Reichenturm in Bautzen
Rathaus am Hauptmarkt, im Hintergrund Dom St. Petri
Gewandhaus von Ernst Giese
Ritter Dutschmann von Christoph Walther II. auf dem Hauptmarkt
Eingang zum Domstift, von Bruno II. gegründet
Denkmal von Johann Georg I.
Matthiasturm der Ortenburg
Das heutige Finanzamt wurde von Gottfried Semper als Kasernengebäude entworfen.

Die Stadt Bautzen (sorbisch: Budyšin) liegt etwa 50 km östlich von Dresden. Sie gilt als historische Hauptstadt der Oberlausitz und ist mit mehr als 40.000 Einwohnern Große Kreisstadt und Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises, zu dem u. a. auch Radeberg, Pulsnitz und Bischofswerda gehören. Der Landkreis Bautzen grenzt unmittelbar an die östlichen Stadtteile von Dresden wie Rossendorf, Langebrück und Weixdorf. Bautzen liegt an der Spree, die es mit Berlin verbindet. Die Stadt ist auch heute noch kulturelles Zentrum der sorbischen Minderheit.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Zeit der Ostsiedlung

Das Gebiet an der Spree war zu Beginn des 10. Jahrhunderts Land des sorbischen Stammes der Milzener. Sie lebten in Nachbarschaft mit den Nisanern an der Elbe. Im Rahmen der Ostexpansion unter König Heinrich I. wurden sie durch die Deutschen unterworfen. Gleichzeitig begann die Christianisierung der Sorben. Der Gau Milska gehörte zur Ostmark unter dem Markgrafen Gero und nach deren Teilung 965 zur Mark Meißen. Oberster Seelsorger war der Bischof von Meißen. Otto I. und Markgraf Gero ließen um 958 in Bautzen die Ortenburg als Grenzburg errichten.[1]

Nach dem Tod von Kaiser Otto II. im Jahre 983 wurde die Mark Meißen Schauplatz von Kämpfen um dessen Nachfolge. Der polnische Herzog Mieszko I. verheiratete seinen Sohn Bolesław I Chrobry mit einer Tochter von Rikdag, um Einfluss zu gewinnen. Die Belehnung mit der Meißner Markgrafschaft erhielt 985 Ekkehard I. 999 ließ Eido I. die erste Kirche in Bautzen errichten.[2]

Ekkehard I. Nachfolger, Gunzelin, konnte den Machtanspruch der Polen unter Bolesław I Chrobry nicht abwehren. Ihm folgte Hermann, ältester Sohn Ekkehards I., bis 1031 und jenem sein Bruder Ekkehard II. bis 1046, beide in stete Kämpfe mit den Polen verwickelt, die seit 1002 bis 1031 mit einer Unterbrechung von 1004 bis 1007 in Milska, der späteren Oberlausitz, herrschten und in Bautzen auf der Ortenburg residierten. Bautzen wurde im Jahr 1002 erstmals urkundlich als civitas Budusin erwähnt.[3] Die Stadt gab Milska den bis zur Benennung mit Oberlausitz gebräuchlichen Namen. Die Ortenburg war 1015 Schauplatz eines Friedensschlusses, der die polnischen Ansprüche auf die Region Budusin bestätigte.

1074 wurde Egbert II. mit der Mark Meißen belehnt. Wie auch Bischof Benno von Meißen stand er im Investiturstreit gegen König Heinrich IV. In der Folge verlor er die Mark an Vratislav von Böhmen. Der unterstützte Heinrich zusammen mit seinem Gefolgsmann Wiprecht von Groitzsch. Vratislav trennte die Oberlausitz zugunsten seines Schwiegersohns Wiprecht von Groitzsch ab.[4][5] Unter Konrad dem Großen gelangte die Gegend um Bautzen zwischenzeitlich an die Wettiner, bevor sie für mehrere Jahrhunderte erneut unter böhmische Vorherrschaft kam.

1221 ließ Bischof Bruno II. die Kirche des Bautzener Kollegiatstifts weihen, den heutigen Dom St. Petri. Am Kollegiatstift wirkten bedeutende Persönlichkeiten, die sich hier beispielsweise für eine Karriere am Hochstift Meißen vorbereiteten wie Conrad von Boritz. Bautzen stand in jener Zeit häufig im Zentrum von Konflikten zwischen der weltlichen, böhmischen Herrschaft und geistlichen, meißnischen Ambitionen.

[Bearbeiten] Raubritter und Hussiten

Als Schutz gegen wiederholte Überfälle durch Raubritter gründete Bautzen 1346 den Sechsstädtebund mit Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau. In den Jahren 1429 und 1431 wurde die Stadt zweimal erfolglos durch die Hussiten belagert. Wegen der ständigen Bedrohung hatte man rechtzeitig die Verteidigungsanlagen ausgebaut.

[Bearbeiten] Reformation

Die Bautzener Einwohner bekannten sich früh zur Reformation. 1525 wurde im Petridom die erste lutherische Predigt gehalten. 1532 wurde Johannes Cellarius Prediger an St. Petri, später der erste lutherische Pfarrer an der Kreuzkirche in Dresden. Das Domstift blieb katholisch. Seit 1540 teilen sich die beiden Konfessionen den Petridom.[6] Nachdem auch das Bistum Meißen 1559 die Reformation angenommen hatte, wurde die Administration des katholisch gebliebenen Oberlausitzer Teils des Bistums nach Bautzen verlegt. Bischof Johann von Haugwitz ernannte den Dechanten des Domstifts zu Bautzen zum Generalkommissar im Bistum Meißen in allen geistlichen Angelegenheiten für die Oberlausitz und der Kaiser und der päpstliche Nuntius erklärten diesen 1561 zum geistlichen Administrator mit bischöflicher Gewalt, wodurch sich die kirchliche Verbindung der Lausitz mit dem Bistum Meißen auflöste. 1921 wurde Bautzen offiziell zum Bischofssitz erhoben und blieb dies bis 1980.

Johann Georg I. konnte die Oberlausitz während des Dreißigjährigen Krieges wieder mit Sachsen vereinen. Er stellte sich gegen deutsche Protestanten zugunsten eines katholischen Kaisers. 1620 eroberte er in der Allianz mit den Habsburgern Bautzen. Mit seiner Politik beförderte Johann Georg die Gegenreformation in Böhmen und Schlesien, was die Exulantenbewegung nach Sachsen auslöste (vgl. Johanniskirche). Er schloss am 30. Mai 1635 den Prager Frieden mit dem Kaiser, dem fast alle protestantischen Regierungen Deutschlands beitraten. Kursachsen bekam vom Kaiser zum Dank für den Verrat an der Sache des Protestantismus die Ober- und die Niederlausitz als böhmische Lehen.

[Bearbeiten] Freimaurer

1802 gründete sich in Bautzen die Loge "Zur goldnen Mauer". Die Bautzener Freimaurer erwarben sich große Verdienste um die Wohlfahrt in der Stadt und beteiligten sich maßgeblich an der Gründung eines Vereins zu Rath und That. Der Loge gehörten auch mehrere bekannte Dresdner an, beispielsweise Gottlob Adolf Ernst von Nostitz und Jänkendorf, Gottlob Heinrich Ohle, Friedrich August Treutler und Carl Ludwig Güntz sowie mehrere Mitglieder der Familie Stöckhardt.[7]

[Bearbeiten] Schlacht bei Bautzen 1813

Die Schlacht fand am 20. und 21. Mai 1813 zwischen der Armee Napoleons, zu dessen Alliierten Friedrich August der Gerechte gehörte, und den verbündeten Preußen und Russen statt. Jene hatten sich nach ihrer Niederlage bei Lützen kurz zuvor über Meißen und Dresden in die Oberlausitz zurückgezogen. Ihre Armee bestand aus 68.000 Russen und 28.000 Preußen. Napoleon verfügte über 150.000 Mann. Nach der Erstürmung der Ortenburg wurde Bautzen von den Franzosen bereits am 20. Mai eingenommen. Die noch am nächsten Tag anhaltenden Kämpfe hinterließen in der Umgebung der Stadt schwere Verwüstungen. Der Verlust der Franzosen soll 8000 Tote und noch mehr Verwundete, der der Verbündeten 8000 Tote und Verwundete betragen haben. Nach einem mehrwöchigen Waffenstillstand kam es am 27. August zur Schlacht von Dresden.[8]

[Bearbeiten] Die sächsische Verfassung von 1831

Die sächsischen Kurfürsten bzw. Könige waren seit 1635 Markgrafen den Oberlausitz. Dieser rechtliche Sonderstatus der Oberlausitz wurde erst mit der Verfassung des Jahres 1831 unter Anton dem Gütigen aufgehoben. Der vormalige Oberamtshauptmann zur Zeit von Friedrich August dem Gerechten auf der Ortenburg, Gottlob Adolf Ernst von Nostitz und Jänkendorf, zeichnete die Verfassung gegen.

[Bearbeiten] Bau der Eisenbahntrasse

Bereits 1836 gab es erste Pläne einer Eisenbahnverbindung von Dresden nach Breslau. Die dafür gegründete Sächsisch-Schlesische Eisenbahngesellschaft stellte Konzessionsanträge an Preußen, zu dem Schlesien seit 1740 gehörte, sowie an Sachsen. Der Bau begann verspätet, da anfangs nicht genügend Aktien verkauft werden konnten. Am 24. Juli 1843 wurde ein Staatsvertrag zwischen Sachsen und Preußen zum Bau der Eisenbahnlinie Dresden-Görlitz-Kohlfurt-Breslau geschlossen. Sachsen erhielt das Vorrecht, die Strecke bis zum damaligen preußischen Görlitz in Eigenregie bauen zu dürfen. Am 10. Juni 1844 wurde der Bau an der Strecke begonnen, 1846 erreichte man Bautzen.

[Bearbeiten] Auslöschung der jüdischen Gemeinde

Seit dem 14. Jahrhundert lebten in Bautzen Juden. Einige Zeit kamen die Religionslehrer aus Dresden. 1894 gründete sich eine eigene Bautzener Gemeinde. Ihre Mitgliederzahl wuchs auf etwa 90. 1938 wurde ihr Betraum zerstört. Einige Gemeindemitglieder konnten rechtzeitig emigrieren, 56 wurden in die Konzentrationslager verbracht. Nur zwei überlebten.[9]

[Bearbeiten] Schlacht um Bautzen 1945

Bautzen war zum Ende des Zweiten Weltkrieges zur Festung erklärt worden. Nach einer vorübergehenden Einnahme durch sowjetische und polnische Truppen konnten deutsche Panzereinheiten am 26. April 1945 mit einer letzten großen, erfolgreichen Offensive die Stadt nochmals unter ihre Kontrolle bringen. Insbesondere die polnischen Truppen erlitten in der Panzerschlacht und den erbitterten Häuserkämpfen große Verluste.[10]

[Bearbeiten] Wirtschaft und Verkehr

Bautzen liegt an der A4, der B6 und an der Eisenbahnstrecke, die Dresden mit Görlitz und darüber hinaus mit Breslau verbinden.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe nutzen Gelenktriebwagen NGT D12DD, die von Bombardier Transportation in Bautzen hergestellt werden. Auch die Standseilbahn nutzt in Bautzen hergestellte Wagen. In der Johanneskirche und in der Stephanuskirche spielten früher Orgeln der Fa. Eule aus Bautzen, noch heute ertönt ihr Klang in der Heilig-Geist-Kirche.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Ortenburg

Die Ortenburg liegt auf einem Felssporn hoch über der Spree und war Sitz der Oberlausitzer Herrscher, später der jeweiligen Regionalverwaltung. Hier residierten beispielsweise Wiprecht von Groitzsch, Johann Georg I., Johann Georg III. und Gottlob Adolf Ernst von Nostitz und Jänkendorf. Die ältesten erhaltenen Bauteile stammen aus dem 15. Jahrhundert aus der Zeit des Ungarnkönigs Matthias Corvinus. Am Ausbau der Ortenburg waren mehrmals auch Dresdner Baumeister beteiligt. Arnold von Westfalen baute die St. Georgskapelle im Matthiasturm, Ezechiel Eckhardt brachte drei Renaissancegiebel an. Auf der Ortenburg ist heute die Skulpturengruppe eines von Ernst Rietschel geschaffenen Giebelschmucks vom abgebrannten Dresdner Hoftheater zu sehen.

[Bearbeiten] Reichenturm

Der schiefe Reichenturm schließt die Reichenstraße ab. Die zu DDR-Zeiten verfallenen Häuser an der Straße wurden nach der Wende aufwendig saniert.

[Bearbeiten] Dom St. Petri

Der Bautzener Dom ist eine Simultankirche für Katholiken und Protestanten. Der katholische Teil besitzt den Rang einer Konkathedrale des Bistums Dresden-Meißen. Der Bautzener Dom ist damit weltweit die einzige Simultankirche, die gleichzeitig Bischofskirche ist.

Der Westvorbau des Domes stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Balthasar Permoser schuf für das Innere ein Holzkruzifix. Die westliche Emporenanlage mit dem Orgelprospekt wurde von Fritz Schumacher entworfen.[11] Unmittelbar am Dom befindet sich das Denkmal für Johann Georg I.

[Bearbeiten] Hauptmarkt

Dem Rathaus gegenüber steht das von Ernst Giese geschaffene Gewandhaus. Den Ritter Dutschmann, die Brunnenfigur vor dem Gewandhaus, schuf Christoph Walther II.

[Bearbeiten] Finanzamt

Gottfried Semper errichtete von 1842 bis 1844 im Bereich der alten Stadtfestung ein Kasernengebäude, das er unter denkmalschützerischen Aspekten in die historische Umgebung einpasste. Es ist heute Sitz des Finanzamtes.

[Bearbeiten] Landratsamt

Das heute vom Landratsamt genutzte Gebäude an der Bahnhofstraße wurde bis 1910 von Lossow & Kühne als Ständehaus errichtet. Das Denkmal vor dem Gebäude erinnert an den in Dresden geborenen August Gotthilf Taube.

[Bearbeiten] Jakobsweg

Der Sächsische Jakobsweg führt von Bautzen vorbei am Dom St. Petri über Bischofswerda, Dresden, Freiberg und Chemnitz bis nach Hof.

[Bearbeiten] Berühmte Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Persönlichkeiten, die sowohl mit Dresden als auch Bautzen in Verbindung standen (Auswahl)

[Bearbeiten] Örtlichkeiten in Dresden mit Bezug zu Bautzen

Bautzner Landstraße | Bautzner Platz | Bautzner Schlag | Bautzner Straße | Bautzner Tor | Schlesischer Bahnhof | Sächsischer Jakobsweg

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Ortenburg auf bautzen.de
  2. Bautzen auf land-sachsen.de
  3. Kurze Geschichte der Oberlausitz von Dr. Lars-Arne Dannenberg
  4. Frank Fiedler, Uwe Fiedler: Wiprecht von Groitzsch in: Lebensbilder aus der Oberlausitz, Books on Demand, ISBN 3842351771
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 254-257.
  6. Lars-Arne Dannenberg, Matthias Donath: "Luthers Erbe. Ein Wegweiser zu Stätten der Reformation in der Oberlausitz, Nordböhmen und Niederschlesien". Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund, 2014
  7. Zur goldenen Mauer. Aus Freimaurer-Wiki
  8. Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 202-203.
  9. Informationstafel "Jüdischer Betraum" auf dem Bautzener Geschichtspfad
  10. Jan Cyz-Ziesche, Die Kämpfe um die Befreiung der Lausitz während der großen Schlacht um Berlin 1945
  11. Der Dom St. Petri auf dresden-und-sachsen.de

[Bearbeiten] Weblinks

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