Bahnhof Reick

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Altes Bahnhofsgebäude Reick (Kulturdenkmal) mit ehemaliger Bahnhofswirtschaft, 2012
Umbau zum Wohngebäude, 2017
Neuer Haltepunkt an der Lohrmannstraße
ICE-Abstellgruppe im Bahnhof Reick

Der Bahnhof Reick (Oskar-Röder-Straße 5) liegt an der Bahnlinie Dresden–Děčín (Tschechische Republik) am Streckenkilometer 57,63 und hat eine recht wechselvolle Geschichte.

[Bearbeiten] Geschichte

Eröffnet 1848 als Güterbahnhof der 1851 in Betrieb genommenen Eisenbahnstrecke von Dresden in das damals zu Österreich gehörende böhmische Bodenbach (heute Děčín), wurde er 1857 aufgrund der nicht zufriedenstellenden Umschlagsleistungen wieder geschlossen. Eine Anekdote besagt, dass die einzige Person dort der Nachtwächter von Reick gewesen sei, der im Auftrag und auf Kosten des Gemeindeamtes täglich einmal von Reick nach Dresden und zurück fahren sollte, um der geplanten Aufhebung der Haltestelle vorzubeugen.

Erst über fünfzig Jahre später – nun nach dem Ausbau der Bahnlinie auf vier Gleise zwischen Hauptbahnhof und Pirna – wurde der Bahnhof am 7. Mai 1906 für den Güterverkehr und Viehtransporte neu eröffnet; im folgenden Jahr am 1. Dezember 1907 dann auch für den Personenverkehr.

Das Bahnhofsgebäude ist nach der damaligen Mode mit aufgeblendetem Fachwerk und Bossen aus Pirnaer Sandstein versehen. Im Erdgeschoss befanden sich die öffentlichen Räume, im Obergeschoss vier Dienstwohnungen.[1]

Infolge der Eingemeindung wurde der Bahnhof am Neujahrstag 1913 in Dresden-Reick umbenannt.

Im Bahnhof Reick begann das sogenannte Industriestammgleis bis Pirna. Dieses Gleis wurde zum Bedienen der Anschlussbahnen von Fabriken und Betrieben, die in den damals noch selbstständigen Vororten, Heidenau und Pirna entstanden, errichtet. Im Juni 1907 wurde es in Betrieb genommen. Es war ausschließlich für Fahrten mit in Reick zusammengestellten kurzen Nahgüterzügen gedacht.

Es entstanden umfangreiche Gleisanlagen mit bis zu zehn durchgehenden Gleisen, weiteren Abstellgleisen und zwei Ladestraßen von jeweils über 200 Meter Länge. Anschlussgleise gingen zu DDR-Zeiten unter anderem zu den Dresdner Verkehrsbetrieben, zur Gasanstalt der Stadt, zum VEB Schokopack und zu einem großen Kohlenlagerplatz.

Am 30. März 1976 wurde im Bahnhof ein Gleisbildstellwerk übergeben, mit dem auch neue Lichtsignale in Betrieb gingen.

Nach dem erneuten viergleisigen Ausbau der Strecke durch die Deutsche Bahn und der Aufgabe des Güterverkehrs und der Anschlussbahnen bis 1999 wurden die umfangreichen Güterverkehrsanlagen in Reick verlassen oder zurückgebaut sowie das Stellwerk 2 abgerissen. Bis Dezember 2009 wurde im ehemaligen Güterbahnhof eine Abstell- und Wartungsanlage für Intercityzüge und ICEs, die im Hauptbahnhof enden, errichtet. Einen ähnlichen Plan zum Bau eines Abstellbahnhofs in Reick gab es bereits 1943, der nochmals 1949 von der damaligen Reichsbahndirektion Dresden aufgegriffen wurde. Der Abstellbahnhof sollte den zu klein gewordenen Bahnhof Altstadt ersetzen. Beide Pläne wurden jedoch aus Kostengründen nicht verwirklicht. Bis zur Fertigstellung des Abstellbahnhofs wurden die Fernzüge zum Teil im Güterbahnhof Dresden-Neustadt geparkt.

Der Bahnsteig für den S-Bahn- und Nahortverkehr wurde verlegt und befindet sich nun direkt an der Lohrmannstraße, wo auf beiden Seiten der Straße ein Zugang besteht und ein Fahrstuhl errichtet wurde. Am neuen Haltepunkt befindet sich ein kostenloser Park & Ride-Platz mit 21 Stellplätzen einschließlich zwei Behindertenparkplätzen und eine Bike & Ride-Anlage. Am Bahnhof bestehen Umsteigemöglichkeiten zu den Bussen der Linien 65, 74 und 87 der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Nach etlichen Jahren ohne Funktion wird das alte Bahnhofsgebäude 2017 denkmalgerecht saniert und zu Wohnungen umgestaltet. Die Planungen dafür begannen bereits 2015. Aus dem früheren öffentlichen Bereich entstehen zwei Wohnungen, dafür mussten beispielsweise die kühlen Fliesen in der ehemaligen Schalterhalle einem Eichenparkett mit Fußbodenheizung weichen. Den oberen Wohnungen wurde jeweils ein Stück Dachgeschoss zugeschlagen, um sie zu vergrößern.[2]

[Bearbeiten] Literatur und Quellen

  1. Thessa Wolf: Viel Sandstein, Holz und Glas. In: SZ Immo-Magazin Juli/August 2017, S. 6
  2. Thessa Wolf: Viel Sandstein, Holz und Glas. In: SZ Immo-Magazin Juli/August 2017, S. 6

[Bearbeiten] WeblinkS

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