Albrecht der Beherzte

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Albrecht der Beherzte
Albrecht der Beherzte linksaußen von der Reitergruppe des Fürstenzuges, in der Mitte sein Vater, Friedrich der Sanftmütige, jenem zur Rechten Kurfürst Ernst, Albrechts Bruder

Albrecht III. (* 31. Juli 1443 in Grimma; † 12. September 1500 in Emden), der Beherzte (Albertus Animosus), Herzog von Sachsen, jüngerer Sohn des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen und dessen Gemahlin Margareta von Österreich, war der Begründer der albertinischen, später königlich sächsischen Linie der Wettiner.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Zusammen mit seinem älteren Bruder Ernst wurde Albrecht 1455 durch Kunz von Kaufungen aus Altenburg entführt, der mit ihrem Vater Streit hatte. Albrecht lebte später am Hofe Kaiser Friedrichs III. zu Wien.

Am 25. April 1459 legten Sachsen und Böhmen im Vertrag von Eger ihre Grenzstreitigkeiten bei. Um die Beziehungen weiter zu festigen, wurde eine Doppelhochzeit verabredet: Albrecht und die neunjährige Tochter Georg Podiebrads Sidonie von Böhmen (Zdenka) sowie deren Bruder Hinko mit Albrechts Schwester Katharina. Sachsen anerkannte dabei die böhmische Lehnsobrigkeit über die Hälfte des Schlosses Dohna, Dippoldiswalde, Weesenstein, Tharandt, Rabenau, Königstein, Pirna und über weitere Orte sowie den Brückenzoll zu Dresden, als Lehnsträger wurde aber Albrecht eingesetzt.[1] Am 11. November wurden Albrecht und Sidonie in Eger vermählt, der eigentliche Vollzug der Ehe erfolgte 1464.[1] Albrechts spätere Bewerbung um die böhmische Krone blieb nach seines Schwiegervaters Tod (1474) ohne Erfolg.

Seit ihres Vaters Tod (1464) regierten die beiden Brüder Ernst und Albrecht die Markgrafschaft Meißen gemeinschaftlich. Ihnen gelang es, den Besitz bedeutend zu vermehren. Durch Vollstreckung der von Georg Podiebrad über den Vogt Heinrich II. von Plauen verhängten Acht erwarben sie 1466 Plauen, Oelsnitz und Adorf. Die neuentdeckten Silbervorkommen im Erzgebirge verschafften die Mittel zum Ankauf des Fürstentums Sagan in Schlesien (1472) und der Herrschaften Sorau, Beeskow und Storkow (1474). Im Jahre 1476 unternahm Albrecht eine mehrmonatige Pilgerreise nach Jerusalem. Daran erinnert die Feigengasse, die ihren Namen nach einem dort befindlichen Feigenbaum-Hain mit Bäumen aus Jerusalem erhalten haben soll.

In Dresden förderten Albrecht und Ernst Handwerk und Handel, so schon 1472 mit einer Leineweber-Ordnung, 1481 durch Bestätigung der Innungsartikel des Schneiderhandwerks zu Altdresden[1][2] und um 1485 durch Bau einer Papiermühle. In Sachsen verbesserte Albrecht Justiz und Polizei. Seine häufige Abwesenheit und die Aufwendung großer Summen für den Dienst des Kaisers machten ihn aber bei den Ständen unbeliebt. Den Habsburgern treu ergeben, wurde Albrecht von Kaiser Friedrich III. zum »gewaltigen Marschall und Bannerträger« ernannt, focht 1475 gegen Karl den Kühnen von Burgund, zog 1477 mit Ernst ihrer Schwester, der Äbtissin Hedwig von Quedlinburg, zu Hilfe, wobei sie eine in Dresden gegossene Kanone mit sich führten, "die Quedlinburgerin" genannt.[1]

Der Anfall Thüringens an Meißen (1483) gab Anlass zum Leipziger Teilungsvertrag (26. August 1485). Ernst teilte das Land, Albrecht durfte wählen und erhielt das Territorium um Meißen und Dresden. Er zahlte seinem Bruder 100.000 Gulden zur Hälfte bar, zur Hälfte durch Abtretung des Amtes Jena. Mit der Teilung entstanden zwischen beiden Linien Spannungen, die 60 Jahre später unter Albrechts Enkel Moritz zum Bruch führten. Albrecht, Herzog von Sachsen, verlegte 1485 die Residenz von Meißen nach Dresden, nachdem er sich zuvor meist in Tharandt aufgehalten hatte. Als 1491 eine große Feuersbrunst mehr als die Hälfte aller Häuser in Dresden in Asche gelegt hatte, bestimmte er unter anderem, dass alle Eckhäuser "ufs mynste eines Gemaches hoch steinern" gebaut und mit Ziegeln gedeckt werden müssten. Wer "zweien Gemach hoch auch steinern bauen würde", sollte weitere Unterstützungsleistungen erhalten, nur den Ärmeren ward nachgelassen, Hinterhäuser in Holz und Lehm zu bauen, doch sollten die Dächer mit lattenen Sparren versehen werden, damit man sie leicht in Ziegeln umdecken könnte.[3]

Wie schon 1480 führte Albrecht 1487 das Reichsheer gegen König Matthias von Ungarn, richtete aber, vom Kaiser ungenügend unterstützt, nichts aus. 1488 zog er zur Befreiung des von den Bürgern zu Brügge gefangenen Maximilian I. gegen das rebellische Flandern. Maximilian übertrug ihm die Statthalterschaft der Niederlande, und zum Lohn für deren Bewältigung erhielt er, wie bereits 1483, die Eventualbelehnung mit Jülich und Berg, so 1493 gegen Verzicht auf eine Schuldforderung von 250.643 Gulden die Würde eines erblichen Potestaten und ewigen Gubernators von Friesland, das er jedoch erst mit Waffengewalt unterwerfen musste. Während er wegen eines Landtags nach Leipzig eilte, erhoben sich die Friesen und belagerten seinen zurückgelassenen zweiten Sohn, Heinrich den Frommen, in Franeker. Albrecht befreite Heinrich, starb aber nach der Bezwingung Groningens in Emden.

Albrechts Testament (eigentlich ein mit Zustimmung seiner Söhne Georg und Heinrich sowie eines landständischen Ausschusses zu Maastricht gemachter und 12. Dezember 1500 vom Kaiser bestätigter Erbvertrag vom 18. Februar 1499) war der erste Versuch, die Primogeniturerbfolge in Sachsen einzuführen. Georg sollte danach in den meißnisch-thüringischen Erblanden, Heinrich in Friesland des Vaters Nachfolger sein. Für den Fall, dass einer sein Land verlöre, sollte der andere ihm ein Stück von dem seinigen einräumen. Albrechts Herz wurde in der Emdener Kirche beigesetzt, der einbalsamierte Körper 1501 im Meißner Dom.[1]

Albrechts Namen trägt die vom sächsischen Oberlandbaumeister Arnold von Westfalen zunächst in einem gemeinschaftlichen Auftrag der Brüder gebaute Albrechtsburg in Meißen. Davor errichtete Hermann Hultzsch ein Bronzestandbild.[4] Julius Scholtz und Friedrich Preller der Jüngere schufen für die Albrechtsburg Wandgemälde mit Szenen aus dem Leben des Herzogs.[5][6] Die Albrechtshöhe ist ebenfalls nach ihm benannt. Im 19. Jahrhundert führte die Albrechtstraße entlang der Trasse der heutigen Blüherstraße. Friedrich August II. stiftete ihm zu Ehren den Albrechtsorden.[7]

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d e Martin Bernhard Lindau: Geschichte der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden. 2. verbesserte Auflage, Dresden 1885
  2. Stanislaw-Kemenah, Alexandra-Kathrin: Kirche, geistliches Leben und Schulwesen im Spätmittelalter, in: Geschichte der Stadt Dresden, Stuttgart 2005, S. 220
  3. Paul Schumann: Dresden. Leipzig: E. A. Seemann, 1909
  4. Denkmal Albrecht des Beherzten, Albrechtsburg, Burghof
  5. Herzog Albrecht empfängt die Gesandtschaft der Westfriesen 1498
  6. Ankunft Albrechts im Gelobten Land
  7. André Thieme, Albrecht (der Beherzte), in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky

[Bearbeiten] Weblinks

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